Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.

  Heute ist Weltyogatag ywy-logo1 Tag gratis einlösen

Large mag istock 000016166345medium
Bild: istockphoto.com

Yoga und Sex - von Enthaltsamkeit bis Tantra Yoga

Von Katharina Goßmann

Yoga bedeutet „Vereinigung“. Und es gibt wohl kaum eine zwischenmenschliche Begegnung, die psychisch und physisch einer Vereinigung näher kommt als Sex zwischen zwei Liebenden. Nicht nur deshalb haben sich Yogis zu allen Zeiten mit dem Thema Sex auseinandergesetzt.

Knackiger Körper = guter Sex?

Eines ist unbestritten: Wer regelmäßig (dynamisches) Yoga praktiziert, der wird straffer, muskulöser und beweglicher, durchblutet den gesamten Körper - und damit auch den Unterleib - besser, lernt seinen Beckenboden und die umliegende Muskulatur zu kontrollieren. Wer also einen knackigen Hintern und Dauer-Erektionen zum Ziel seiner Yoga-Praxis machen möchte, der kann das.

Es stellt sich allerdings die Frage: Sind ein straffes Hinterteil und gut durchblutete Geschlechtsteile gleichbedeutend mit gutem Sex?


Das Liebes-Yogaprogramm
Selbstliebe, Partneryoga und Lust! Erlebe die körperlichen und emotionalen Wirkungen von Yoga und komme dir selbst wieder näher. Für Paare und Singles!
JETZT ANMELDEN

Sex in der yogischen Tradition

Yoga gibt auf diese Frage keine Antwort – im Laufe der Geschichte gab es allerdings unter Yogis ganz unterschiedliche Meinungen zum Thema Sex.

Die frühen Yogis etwa wollten den Körper am liebsten los werden und konzentrierten sich ausschließlich auf die Meditation (Ziel: Erleuchtung). Passend dazu herrschte die Meinung vor, dass sexuelle Enthaltsamkeit ungeahnte Energien freisetzt. Später nutzten die Hatha Yogis dagegen den Körper als Hilfsmittel auf dem steinigen spirituellen Weg – und auch zu anderen Zwecken: Wer „Mula Bandha“ beherrscht, also die Muskeln zwischen Anus und Nabel kontrollieren kann, wird nie wieder Probleme mit vorzeitiger Ejakulation haben. So verspricht es der angesehene Yogalehrer B.K.S. Iyengar (1918-2014) in seinem Standardwerk „Licht auf Yoga“. Die Verfechter des roten Tantra Yoga gingen noch einen Schritt weiter: Sie machten sich die Energie sexueller Handlungen zunutze, um der Erleuchtung näher zu kommen.

Enthaltsamer Mönch vs. sexy Großstadt-Yogini

Aktuell teilen sich Yoga-Übende beim Thema Sex grob in zwei Fraktionen auf: Der enthaltsam lebende Yoga-Mönch im Ashram und die moderne Großstadt-Yogini im hautengen Outfit, die ihren Matten-Nachbar anzüglich anzwinkert, wenn der Lehrer die Beckenbodenmuskulatur erwähnt.

Asketischer Ashram-Mönch und moderne Großstadt-Yogini: So unterschiedlich diese Gruppen auf den ersten Blick sind, so schlüssig sind sie auf den zweiten. Schließlich hat Yoga seine Wurzeln in der indischen Kultur, in der Religion und spirituelle Weiterentwicklung höchste Priorität haben. In der westlichen Moderne dagegen wird (nicht nur) beim Yoga der körperliche Aspekt stärker betont – hierzulande lässt es sich eben eher mit einem aufregenden Sexualleben punkten.

Yoga und guter Sex

Viele Yogis profitieren jedenfalls in sexueller Hinsicht ganz anders als vermutet von ihrer Zeit auf der Yogamatte. Sie lernen sich beim Yoga neu kennen, spielen mit ihrem Körper, testen Grenzen aus, überraschen sich positiv. Viele stellen innerlich eine Entspannung fest: Sie schämen sich plötzlich nicht mehr für ihre Füße, für die breiten Hüften – nehmen sich an, wie sie sind, lernen sich sogar zu schätzen. Wer regelmäßig Yoga übt, bemerkt oft nach einer Weile, dass er nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gegenüber liebevoller und achtsamer wird, dass er eigene und fremde Bedürfnisse zulassen kann, ohne Scham und ohne Wertung.

Und wer seinen Körper mag und entspannt mit ihm umgehen kann, wer die eigenen Bedürfnisse kennt und äußern kann, und dem Körper seines Gegenübers mit der gleichen Achtsamkeit und Freude entgegenkommt – der hat gute Chancen auf ein nicht nur yogisches, sondern auch ganz fantastisches Liebesleben…

Dieser Artikel erschien leicht gekürzt in Ausgabe 12 des Magazins Yoga Deutschland, im Zeitschriften-Handel erhältlich ab dem 17. März 2015.