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Yoga und Fruchtbarkeit - ein starkes Team

Von Katharina Goßmann

In den vergangenen Jahrzehnten ist das Thema Fruchtbarkeit in die öffentliche Wahrnehmung geraten. Kinderlose Paare gab es zwar schon immer – aber noch nie wurde Familienplanung, Kinderwunsch und Fruchtbarkeitsprobleme so offen diskutiert. Während früher fehlende Nachkommen eine Katastrophe für die Versorgung im Alter war und der Besitz reicher Familien zwangsweise durch opportune Adoption zusammengehalten wurde, gewinnen Kinder heute oft eine Bedeutung, die nicht unproblematisch ist.

Kinder sollen Zeugnis eines ausgefüllten, sinnvollen Lebens sein und nicht zuletzt den Beweis dafür liefern, dass wir Herr unser Schicksal sind, dass wir am Ende unseres Lebens etwas “hinterlassen”. In Zeiten, wo alles machbar scheint und eine Frage des Managements, gerät auch die Kinderfrage plötzlich unter Druck. Und wer dann keine Kinder bekommen kann, der ist irgendwie “selbst schuld”.

Hollywood-Stars besuchen, während die Öffentlichkeit mitfiebert, Fruchtbarkeits-Kliniken, adoptieren Kinder aus aller Welt oder besorgen sich einfach Leihmütter. Die Mittelschicht gibt, nicht ganz so offensichtlich, ebenfalls Millionen für Fruchtbarkeitsbehandlungen aus, wenn es auf normalem Weg nicht klappt.

Kinderlose Paare nehmen zu

Vielleicht ist diese neue Offenheit beim Thema Fortpflanzung der Grund, dass es so scheint, als gäbe es immer mehr Paare, deren Kinderwunsch nicht erfüllt wird. Statistisch gesehen nehmen ungewollt kinderlose Paare nämlich seit einigen Jahrzehnten zu. Als Gründe werden häufig das erhöhte Stresslevel moderner Frauen, die Umweltverschmutzung und die Tatsache genannt, dass wir immer später Kinder bekommen.

Was ist eine Fruchtbarkeitsstörung?

Von einer Fruchtbarkeitsstörung wird gesprochen, wenn nach einem Jahr ohne Verhütung noch keine Schwangerschaft eingetreten ist. 8 bis 9 von 10 Frauen werden in dieser Zeitspanne schwanger. Dass es bei ein bis zwei Frauen nicht klappt, ist nicht wirklich erstaunlich – auch wenn gesunde Paare an den fruchtbaren Tagen der Frau Sex haben, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Befruchtung nur bei 25 Prozent. Es ist also keine Sorge angebracht, wenn es nicht sofort klappt mit der Schwangerschaft.

Ursachen

Nur bei den wenigsten Menschen liegt eine komplette Unfruchtbarkeit vor. So gibt es etwa sehr seltene Fälle, in denen Männer keine Samenzellen produzieren können. Bei Frauen gibt es solche substanziellen Probleme noch seltener. Bei ihnen ist ab ihrer Geburt von Eizellen bis Gebärmutter in der Regel alles vorhanden, was für eine Schwangerschaft nötig ist. Stattdessen leiden sie eher unter funktionellen Einschränkungen, etwa durch eine Störung der Eireifung oder verklebte Eileiter. Bei solchen Fruchtbarkeitsstörungen kann die Schulmedizin häufig gut helfen.

Die Natur lässt sich nicht zwingen

Viele Paare, vor allem solche, deren biologische Uhr besonders laut tickt, werden aber bereits nach einigen erfolglosen Monaten von Ängsten überrollt. Um die Ungewissheit zu ertragen, lassen sie von Sex nach Plan bis zu aufwändigen medizinischen Behandlungen nichts unversucht. Das wissen auch etliche Pharmaunternehmen und Privat-Kliniken, die sich auf diese verzweifelte Kundschaft konzentrieren und für zweifelhafte Produkte und Dienstleistungen beträchtliche Summen fordern.

Es spricht natürlich nichts dagegen, sich bei vertrauenswürdigen Ärzten gründlich beraten zu lassen und alle möglichen körperlichen Ursachen untersuchen zu lassen. Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, dass sich die zukünftigen Mütter und Väter entspannen, dass sie ihre Sexualität weiter genießen und nicht nur als Zeugungsakt sehen, dass sie dem eigenen Körper und dem Körper des Partners vertrauen. So schwer und so bitter das für manche Verzweifelte zu verstehen ist: Die Natur lässt sich nicht zwingen, sie funktioniert nicht nach einem straffen Zeitplan.

Gerade Stress spielt eine große Rolle bei der Empfängnis. Paare mit Kinderwunsch tun sich also den größten Gefallen und erhöhen ihre Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft am ehesten, indem sie sich vertrauensvoll zurücklehnen, sich innerlich auf eine Schwangerschaft einlassen und ansonsten ihr Leben weiterhin voller Freude leben.

Praktische Tipps

Tatsächlich gibt es einiges, was Paare in dieser Phase unterstützen kann. Zum Beispiel eine regelmäßige Yogapraxis. Yoga hilft beim Stressabbau und fördert eine günstige innere Haltung von Akzeptanz und Dankbarkeit. Zudem hilft Yoga beim Entschlacken, was gerade aus ayurvedischer Sicht bei Frauen sehr wichtig für die Empfängnis ist.

Schlacken, im Ayurveda “Ama” genannt, verschlechtern die Qualität der Eizelle und der Gebärmutterschleimhaut und machen so eine erfolgreiche Schwangerschaft unwahrscheinlicher. Schlacken entstehen etwa durch Alkohol- und Nikotingenuss, zu viel Stress (vor allem beruflichen), übertriebene körperliche Anstrengung (Triathlon, Mountain Biking etc.), einen unregelmäßigen Tagesablauf und den Konsum unverträglicher Nahrungsmittel wie etwa Milchprodukte in Kombination mit Früchten oder Fisch, unverdünnte Obstsäfte, Meerestiere und Meersalz. Besonders Drehhaltungen wringen die so entstandenen “Gift”-Stoffe aus den Organen.

Außerdem sorgt Yoga für eine optimale Durchblutung aller Organe und damit für eine gute Versorgung der Geschlechtsorgane mit Nährstoffen. Die Geschlechtsorgane und andere Hormondrüsen wie die Schilddrüse können zusätzlich durch spezifische Haltungen aktiviert werden. Bei Schilddrüsenproblemen etwa werden besonders der Schulterstand und der Fisch empfohlen. Und das spezialisierte Hormon Yoga etwa will durch eine Kombination von Asana, Blasebalgatmung und Visualisierung alle Hormondrüsen regulieren.

Kinderlosigkeit als Chance

Und was ist, wenn alles nichts hilft? Wenn ein eigenes Kind aus welchem Grund auch immer ausgeschlossen ist?

Jeder große Wunsch, der nicht erfüllt wird, hat das Recht auf einen würdigen Abschied. Es kann einige Zeit dauern, bis Paare den Wunsch nach einem eigenen Kind wirklich gehen lassen können. Das ist normal. Manchen helfen Abschiedsrituale, anderen Gespräche mit Freunden, noch andere brauchen erst mal nur Ablenkung von allem, was mit dem Thema zu tun hat. Paare sollten während dieser Zeit versuchen den Partner in seiner Verarbeitung respektieren – und zwar egal, ob er sich in Arbeit stürzt, nur noch zu Hause kuscheln möchte oder zehn Kilo abnimmt und sich die Haare rot färbt. Das ist manchmal nicht leicht, aber wenn beide Partner den anderen so gut wie möglich in dessen Trauer unterstützen, stärken sie damit ihre Partnerschaft – statt sie in dieser schwierigen Zeit zusätzlich zu belasten.

Und dann kommt die nächste Phase: die des Neubeginns. In der langsam klar wird, dass das Leben auch ohne leibliche Kinder lebenswert ist. In der sich betroffene Paare öffnen können für andere Wege zu einem Leben mit Kind – Adoption, Pflegekind, ehrenamtliches Engagement im Kinderheim. In der vielleicht auch klar wird, dass ein Leben ohne Kinder auch Vorteile hat – vielleicht gibt es noch einen anderen unerfüllten Lebenstraum? Eine große Reise, den Aufbau eines Geschäfts, ein großes Hilfsprojekt für die Partnerstadt in Asien oder vielleicht einfach das Genießen der Partnerschaft – und zwar völlig unabhängig vom Gedanken einer Elternschaft?

Es gibt immer wieder schwierige Phasen im Leben, die sich erst im Nachhinein als Segen herausstellen – ob das eine lange Wartezeit auf das Wunschkind ist oder die Erkenntnis, dass das eigene Schicksal keine leiblichen Kinder einschließt. Deshalb ist es manchmal das Beste, Pläne ziehen zu lassen uns stattdessen einfach abzuwarten, was das Leben mit einem vorhat.

Quellen:
Artikel: “Ayurveda und Fruchtbarkeit” von Dieter Scherer, Yoga Aktuell Spezial: Yoga für Frauen, 1/2011
“Fruchtbarkeitsyoga: Natürlich schwanger werden” von Kerstin Leppert, Nymphenburger Verlag, 2012.

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