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Berliner Yoga Zentrum: Yoga statt Pillen?

Berliner Yoga Zentrum: Yoga statt Pillen?

Von Katharina Goßmann

Die Ärzte Dr. Imogen Dalmann und Martin Soder leiten das "Berliner Yoga Zentrum" und entwickeln unter dem Begriff Viniyoga individuelle Yoga-Übungsprogramme. Zu ihren Klienten gehören viele Menschen mit gesundheitlichen und Stressbedingten Beschwerden. 

Yoga fördert das allgemeine Wohlbefinden, soviel ist unbestritten. Aber gibt es auch wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von Yoga bei so verbreiteten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nacken- und Schulterverspannungen oder Knieproblemen?

“Ja, es gibt inzwischen diverse Nachweise. Die Wirksamkeit bei Rückenschmerzen ist gut belegt, und viel versprechende Ergebnisse gab es unter anderem in Untersuchungen zu schlechter Körperhaltung. Aber auch zu Kopfschmerzen, Lungenerkrankungen, Bluthochdruck, Typ2-Diabetes, Depressionen, Angsterkrankungen und Stress haben wir Ergebnisse zusammen getragen.

Insgesamt lässt die Studienlage allerdings zu wünschen übrig. Viele Studien genügen in keiner Weise den Kriterien, die für einen aussagekräftigen Wirkungsnachweis verlangt werden. Wir betreuen aktuell eine Studie der Berliner Universitätsklinik Charité, in der die Wirksamkeit von Yoga bei Rückenschmerzen bei älteren Menschen untersucht wird. Dabei erleben wir, wie groß der Aufwand für eine seriöse Studie sein muss. Das fängt bei der Auswahl der Probanten an und hört bei der komplexen Auswertung von medizinischen Untersuchungen und Fragebögen auf."

Können sie aus ihrer Erfahrung bestätigen, dass Yoga auch Erkrankungen des Atemapparats wie Asthma oder den Blutdruck positiv beeinflussen kann? Und wenn ja, wie wirkt Yoga genau?

“Erkrankungen wie Bluthochdruck beeinflusst Yoga über das vegetative Nervensystem: Bei jeder Einatmung schlägt das Herz schneller, bei jeder Ausatmung verlangsamt sich der Pulsschlag. Eine Übung, in der die Ausatmung betont wird, wirkt also eher beruhigend auf das Nervensystem und damit auf den Blutdruck. Es ist allerdings eine komplette Übungssequenz nötig, um Ergebnisse zu erzielen, nur einzelne Übungen erzielen nicht den Effekt.

Bei Asthma kann Yoga viel bewegen, vor allem durch Übungen für die Beweglichkeit des Brustkorbs und der Atemmechanik kombiniert mit Übungen, die die Atemwege entspannen und öffnen. Allerdings ist das richtige Maß an Anforderung entscheidend. Das gilt besonders für den Umgang mit den Atemübungen (Pranayama). Sonst drohen noch mehr Spannung und damit gesteigerte Atemschwierigkeiten."

Eine Studie der Berliner Charité zeigte vor kurzem, dass nach drei Monaten Yogapraxis das Stressempfinden und Gefühle der Angst bei den Untersuchungs-Teilnehmern abgenommen hatte und die gefühlte Lebensqualität angestiegen war. Hilft Yoga also auch bei der Behandlung psychischer Beschwerden?

“Wie schon die eingangs erwähnten, wissenschaftlichen Ergebnisse andeuten, kann Yoga hier sehr hilfreich sein. Die Übungen müssen allerdings sorgsam ausgewählt werden. Jemand mit einer schweren Depression wird von einer meditativen Praxis kaum profitieren. Die Erfahrung zeigt sogar, dass eine Verschlechterung eintreten kann!

Dagegen sind achtsam und dynamisch ausgeführte Übungseinheiten oft ein großer Gewinn für die Betroffenen. Vor allem bei weniger gravierenden Störungen ist bestens belegt, dass Yoga das allgemeine Wohlbefinden verbessert, Angst reduziert und Stress-resistenter macht."

Viele setzen große Erwartungen in Hormonyoga. Mildert Yoga die typischen Wechseljahrbeschwerden wirklich?

“Möglich ist es. Allerdings müssen betroffene Frauen sehr regelmäßig üben, und die Übungssequenzen müssen noch mehr als bei anderen Beschwerden kontinuierlich individuell angepasst werden. Was bei der einen Frau Hitzewallungen mindert, löst bei einer anderen Schweißausbrüche erstaus. Außerdem ändert sich häufig die Reaktion auf Yoga im Laufe der Wechseljahre – was heute gut geholfen hat, verfehlt morgen seine Wirkung. Da die Wirkung einer passenden Praxis aber oft so beeindruckend gut ist, nehmen die Betroffenen den Aufwand in der Regel gerne auf sich.”

Was genau ist unter dem Trend-Begriff „Yogatherapie“ zu verstehen?

“Jede Yoga-Praxis, die in einem Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen steht. Wir haben lange gezögert, den Begriff “Therapie” im Zusammenhang mit Yoga zu verwenden. Er transportiert zu wenig die Tatsache, dass es im Yoga immer darum geht, selbst aktiv zu sein und nicht nur Medikamente zu schlucken oder sich massieren zu lassen. Inzwischen hat sich der Begriff Yogatherapie aber so verbreitet, dass es keinen Sinn mehr macht, ihn zu meiden. Oft werden damit sicher falsche Erwartungen geweckt, und vieles, was sich „Yogatherapie“ nennt, ist nichts anderes als ein ganz normales Yoga-Angebot."

Wie helfen Sie den Menschen, die zu Ihnen ins Berliner Yogazentrum kommen?

“Die meisten leiden unter Problemen mit ihrem Bewegungsapparat, meist Rückenschmerzen, andere unter chronischen Schmerzen oder unter Stress-Symptomen. Wir erarbeiten mit ihnen eine individuell zugeschnittene Praxis für das regelmäßige Üben zu Hause. Die Klienten kommen meist sechs Mal zu uns: Bei jedem Treffen wird ein Übungsplan erstellt, den die Klienten mit nach Hause nehmen, wo sie regelmäßig üben. Am Anfang werden in kurzen, später in größeren Abständen die Übungen überprüft, fortgeschrieben oder geändert. Am Ende steht ein Kurs, der den Beschwerden oder dem Anliegen der Klienten einerseits sowie ihren Möglichkeiten und Rahmenbedingungen andererseits gut angepasst ist.”

Yoga scheint also bei vielen Beschwerden positive Veränderungen zu bewirken. Was ist das Besondere am Übungssystem Yoga?

“Zum einen seine Vielfalt. Eine große Anzahl von Körper-, Atem- und Meditationsübungen kann an den jeweiligen Menschen und seine Anliegen in vielfältiger Weise angepasst werden. Das heißt konkret: Wer sich darauf einlässt, findet meist eine wirksame Praxis, die Spaß macht.

Zum anderen bleibt die Wirkung von Yoga nicht auf Einzelbeschwerden beschränkt. Wer übt, profitiert auf unterschiedlichen Ebenen. Welche davon die wichtigste ist, kann ich frei und immer wieder neu entscheiden: Habe ich heute das Bedürfnis, in meiner Yoga-Praxis ganz bei mir zu sein und mir eine Auszeit zu gönnen, kann ich meine Yogapraxis morgen der Linderung meiner Rückenschmerzen oder der Entspannung meiner Nackenregion widmen.
Und last, not least bietet Yoga die Möglichkeit, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Enge und Leid im menschen und dem Organismus entstehen, und bietet gleichzeitig die Gelegenheit, Strategien für mehr Gelassenheit und Standfestigkeit im Alltag zu finden."

Mehr Informationen zur Arbeit des Berliner Yoga Zentrums und den Besonderheiten des Viniyoga findet ihr unter www.byz.de

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