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Large masood comp

Interview: Hang-Musiker Masood Ali Khan

Von Alke von Kruszynski

In Sachen Extravaganz macht das Hang seinem Besitzer alle Ehre. Das ungewöhnliche Schlaginstrument haben vor einigen Jahren zwei Schweizer erfunden, die ursprünglich Steel Drums produzierten. Sein meditativer Klang irgendwo zwischen Maultrommel, karibischem Karneval und Harfe ist ein interessanter Begleiter von Yoga-Stunden, und viele Studios in Masoods Wahlheimat Santa Monica machen ausgiebig Gebrauch davon. Hier gibt es eine Klangprobe

In Deutschland ist der Trend zur Yoga-Musik noch schwach ausgeprägt, Ausnahmen bilden die Jivamukti-Studios, spezielle Kirtan-Events (Kirtan sind gesungene Mantras) oder individuelle Programme. Auch im Hamburger Calm Yoga Spa bleibt es während zu den Kursen für gewöhnlich ruhig. Hier begleitete Masood spontan einen dynamischen Vinyasa-Kurs, der über eineinhalb Stunden genügend Ansätze bot, sich mithilfe des Klangs mental von der körperlichen Anstrengung zu lösen.

YogaEasy.de: Masood, 75 Prozent der Spenden-Erlöse aus deinen Auftritten und den Verkäufen deiner ersten CD „The Yoga Sessions“ kommen Haiti-Hilfsprojekten zur Verfügung.

Masood: Ich unterstütze mehrere Organisationen, darunter eines, das ein befreundeter Schauspieler in Hollywood ins Leben gerufen hat, sowie die Initiative eines ebenfalls befreundeten Haitianers. Auf meiner Website stehen alle Kontakte der Spenden-Projekte, dort kann jeder etwas beitragen, der möchte. Ich verlange für Auftritte aber nie ein spezielles Honorar, sondern nehme nur Spenden.

Aber davon kann kaum jemand leben – geschweige denn reisen.

Masood: Nein, mein Geld verdiene ich als Model. Der Beruf hat den großen Vorteil, viel reisen zu können und unterschiedlichen Interessen finanziell recht unabhängig nachgehen zu können. So habe ich auch zur Musik und irgendwann während meiner Jahre in Amsterdam zum Hang gefunden.

Sie machen selber Yoga – welcher Art?

Ich übe seit etwa 20 Jahren Yoga, heutzutage hauptsächlich klassisches Hatha. In L.A. kann man aus einer derartigen Vielfalt von Lehrern und Stilen wählen, dass ich gezielt in verschiedenste Kurse gehe, um bestimmte Aspekte zu fokussieren, an speziellen Körperteilen zu arbeiten.

Angefangen hatte es mit einer Schnupperstunde bei Ana Forrest, als ich mit 20 zum ersten Mal über die Ferien in L.A. war. Die Freundin, bei der wir wohnten, war damals regelmäßige Forrest-Schülerin, also ich bin aus reiner Neugier mitgegangen. Ich war völlig beeindruckt von Ana, sie ist eine Super Woman, macht Handstand mitten im Raum und solche Sachen. Ich habe gedacht: Wow, das ist echt schwierig, aber man fühlt sich danach ziemlich gut.

Damals lebte ich in Paris, wo es in den späten Achtzigern praktisch kein Yoga gab. Mit einem Buch von Bikhram habe ich dann sechs Monate lang allein weiter geübt. Das ist einfach, weil die Übungen immer dieselben sind. Bei meinem nächsten Trip nach L.A. habe ich ein paar Stunden bei Bikhram gemacht, aber die nächsten 12 Jahre war ich hauptsächlich unterwegs, musste also alleine oder mit Freunden üben. Irgendwann verlangten dann andere Dinge meine Aufmerksamkeit, Yoga war komplett verdrängt.

Aber du hast offensichtlich den Weg zurück gefunden.

Ja, vor etwa sieben Jahren. Ich lebte in Amsterdam, wollte wieder Yoga machen und beobachtete in meinem Sportstudio eine Yogastunde. Die Lehrerin war so strahlend, dass ich bei ihr lernen wollte. Das war mein zweiter Start. Sie unterrichtete zusätzlich in einem richtigen Yogastudio, Svaha Yoga. Die Besitzer, Patrick und Gosta, sind unglaubliche Lehrer, sie praktizieren hauptsächlich Iyengar und Jivamukti – bevor es Jivamukti wurde … Sie gehörten zu den ersten Schülern von David Life und Sharon Gannon und entwickelten ihre eigene Variation, bevor es all das heute dazu gehörige Branding gab.

Und wie kommt deine Musik zum Yoga?

Ich begann Hang zu lernen, und das strahlende Yoga-Mädchen wurde meine Frau. Alyson wollte, dass wir etwas gemeinsam machen, seitdem spiele ich Yogamusik für ihren Unterricht. Über sie habe ich Kirtan kennengelernt, was der Auftakt einer Reihe von Kirtan-Nächten in Amsterdam war. Ja, und 2006 sind wir dann zurück in ihre Heimat Kalifornien gezogen. Dort bin ich in diese ganze Musik-für-Yoga-Sache so tief eingetaucht, dass mein Yoga wieder zu kurz kam. Das habe ich aber in Balance bringen können, heute gehe ich wieder viel in den Unterricht verschiedener Freunde.

Wieso ein Hang? Es ist schon ein sehr ungewöhnliches Instrument.

In Amsterdam besaß ein befreundeter Musiker ein Hang. Musik war mein Hobby, ich hatte vorher verschiedene Percussions-Instrumente und Didgeridoo gespielt und bin, wenn mir das Modeln Zeit ließ, damit in Amsterdamer Clubs aufgetreten. Nach den Model-Jobs habe ich außerdem immer viel Sport gemacht, Yoga und Meditation.

Die Welt der Mode und die der Yogis kann auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein: hier glitzernde Oberfläche, dort der Wunsch nach Weisheit und Versenkung.

Deshalb war der Ausgleich ja nötig. Aber auch die Heilung. Ich bin seit 23 Jahren im Modelbusiness, was extrem lang ist. Um dabei zu bleiben, brauchte ich etwas, dass mich erkennen ließ: Warte mal, in diesem Business gibt es ein Bedürfnis. Zwar bringt der Beruf tolle Vorteile: Geld, Reisen, die Zeit, zu lernen … Aber nur, wenn man mit seiner Zeit etwas anfängt. Auch für mich kam der Moment, wo mich die Sinnfrage erwischt hat. Das Übliche, halt: Wenn das passiert, ist man selten „oben“ im Leben, sondern schleift eher am Bodensatz des Seins entlang. Und sagt sich: Okay, du fängst besser an, etwas Sinnvolles zu starten.

Und was ist dir dazu eingefallen?

Eine Freundin in Deutschland hat mir Reiki näher gebracht, was ich daraufhin gelernt und mit all meinen Freunden, Kunden und Kollegen praktiziert habe. Ich glaube, die Verbindung mit dieser Energie war ausschlaggebend für den Wunsch, tiefer in die Geheimnisse des Lebens eintauchen zu wollen. Mir wurde schnell klar, dass ich Menschen helfen möchte. Und von da an haben sich mir stets neue Türen geöffnet, um diesen Prozess voranzutreiben.

Das hat mir unter anderem dabei geholfen, im Modebusiness bleiben zu können. Dort brauchen viele Leute Hilfe. Ich gebe ihnen Kraft, versuche, ihnen Yoga und Meditation beizubringen und wie sie selber Energie zur Heilung nutzen können.

Nach Reiki lernte ich ein weiteres System Heilungssystem kennen, zu dem mehr Meditation und spirituelle Information gehören: die Universal Energy School. Damals nannte es sich Spiritual Human Yoga. Ich habe es gelernt, wo immer mein Lehrer war. Er lebte in den USA, aber ich habe in Holland, der Schweiz, in Italien und Deutschland Unterricht gehabt. Ob in Thailand oder Australien … wo immer das nächste Level dieser Ausbildung angeboten wurde, bin ich hingeflogen. Es war eine umfangreiche, aber sehr empfehlenswerte Ausbildung.

Diese „Werkzeuge“ haben meinem Leben in der Modelwelt die nötige Balance gegeben. Ich habe das Licht, die Energie immer an Menschen um mich herum weiter gegeben, die müde und ausgezehrt waren. Das war eine lange und intensive Phase – und genau die Zeit, während derer ich mein Yoga vernachlässigt habe.

Aber ist körperliches Yoga nicht ohnehin der Pfad zur Meditation?

Richtig, aber der Körper braucht auch physische Anstrengung, man kann nicht alles über den Geist steuern. Der Körper will Sauerstoff über das Blut zum Kreisen bringen, damit alle Zellen die Nahrung bekommen, die sie brauchen. Man könnte Prana kraft der Versenkung zum Gehirn bringen, aber das erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Und man benötigt wiederum die körperliche Praxis, um dieses Maß an Konzentration zu erreichen. Daher kam dann auch mein Wunsch, wieder mit Yoga anzufangen.

Und Yoga-Musik, wie kommt die da ins Spiel? Soll man beim Üben nicht eher Stille finden?

Ja, bei Bikhram zum Beispiel wird nie Musik gespielt. Aber die Jivamuktis: Die legen richtig los! Und nicht nur Mantras oder World Musik, sondern alles mögliche, sogar klassischen Rock. Es ist sehr aufregend, zu üben, während die Musik einen antreibt. Aber es ist natürlich ein bisschen Schummelei dabei, da der Geist abgelenkt wird. Musik zum Yoga kann den Fokus sehr auf die körperliche Praxis legen.

Ich habe festgestellt, dass Musik für den Unterricht besser ist, je lauter sie ist. Dann wird der Weg ins Innere, in die Meditation nämlich noch anstrengender. Praxis ohne Musik ist schon herausfordernd. Aber gleichzeitig auch leichter, weil man eben nicht abgelenkt wird.

Als ich das Hang ins Spiel gebracht habe, war mir das sehr bewusst. Ich versuche, Intensität dort zu geben, wo sie Sinn macht. Wer während einer fordernden Asana Halt braucht, kann sich daran festhalten. Gleichzeitig soll die Musik hypnotisch, Trance-artig sein, mit sich wiederholenden Phrasen, über die man als Übender die Musik auch wieder vergessen kann. Ist sie wie ein Hintergrund, stört Musik hoffentlich nicht als Ablenkung, sondern man konzentriert sich ganz auf Atem und Praxis.

Manchmal also versuche ich die Aufmerksamkeit der Übenden zu gewinnen, um sie zu stützen, damit sie nicht müde werden – um sie dann wieder in den Zustand zurückzuführen, wo sie die Musik nicht mehr als solche wahrnehmen. Es ist wie Meditation.

Dabei hilft meine Erfahrung mit den Heilsystemen: Wie man gebündelte Energie aussendet, bei egal welcher Tätigkeit. Als Percussionist in den Clubs früher habe ich das genauso gemacht. Alle Musiker hatten Erfahrung in Energiearbeit, also haben wir uns mit der Energie verbunden und meditiert, bevor wir auf die Bühne gegangen sind.

Nachtclubleben ohne Sex, Drugs and Rock’n’Roll?

Nun ja, das gab es alles, allerdings in Maßen und mit einer anderen Absicht. Klar hatten wir jede Menge Spaß, aber wir saßen mitten in einem Trance- oder House-Club – meditierend. High, nur auf etwas ganz anderem. Das haben wir in den ganzen Raum geschickt, ihm Licht gegeben, und ich muss sagen, das war eine echt harte Schule. Laute Soundsysteme, viel Ablenkung durch Lärm, und dabei fokussiert spielen und gleichzeitig Energie und Liebe ausstrahlen! Wenn da nämlich jemand auftauchte, der völlig betrunken oder stoned war, konnte man dem Energie schicken und zusehen, wie er regelrecht wieder aufklarte. Das waren sehr besondere Momente. Sowas passiert auf eine ähnliche Art auch in den Yogastunden.

Gab es eine vergleichsweise verrückte Yogastunde?

Verrückt? Eher nicht. Aber an Herausragendem habe ich vieles erlebt. Speziell das letzte Jahr, das war so etwas wie das Goldene Zeitalter für Yogamusiker in L.A. – vielleicht in der ganzen Welt. Im letzten Sommer gab es mehr Live-Auftritte bei Yogastunden als jemals zuvor, es wird regelrecht zum Phänomen. Erst war es nur aufgenommene Musik; Leute wie Shiva Rea haben eine Menge Yoga-CDs produziert. Dann fing sie an, Musiker einzuladen, die während des Unterrichts spielen sollten. Erst war es einer, dann zwei, beim nächsten Mal drei – heute sitzen wir manchmal zu acht, und es kommen 60, 80, 100 Leute. Für eine Unterrichtsstunde!

Muss man sich das als besonderen Event vorstellen?

Nein, inzwischen ist das bei manchen völlig normal. Es beginnt mit Kirtan, Harmonium, etwas Gesang, aber dann kommen als Verstärkung Trommeln dazu, Tablas, Gitarren, Bongos, Hang, Bläser, Geigen – wer immer Zeit hat und Lust, steigt ein.

Das muss den Unterricht doch reichlich teuer machen.

Das ist so eine Sache! Viele Musiker haben aus Liebe zur Musik mitgemacht. Und es ist wirklich eine fantastische Jazz-Erfahrung, keiner weiß, wo es hingeht, alle finden sich im Zusammenspiel. Manchmal werden sie dafür bezahlt, manchmal werden Spenden eingesammelt. Aber einige dieser Stunden sind auch ohne Extras schon teuer. Da kommt an Spenden nicht so viel zusammen, dass für jeden ein nennenswerter Betrag bleibt. Einige von uns leben von ihrer Musik, es ist ihr Beruf, und sie brauchen ein Auskommen. Bei denen ist inzwischen schon mal fraglich, ob sie kommen. Aber ich habe einen anderen Beruf, und ich kann meine CDs dort verkaufen.

Natürlich profitieren die Studios von den Musikern, so ein Special macht in LA, wo Unmengen an Yogastudios miteinander konkurrieren, schon einen Unterschied. Für mich bleibt es dennoch vor allem eine Möglichkeit, Menschen zu helfen, ihnen etwas zu geben, Liebe zu verbreiten und damit meiner Vision zu folgen.