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Wie du eine gemischte Klasse unterrichtest

Wie du eine gemischte Klasse unterrichtest

Von Kristin Rübesamen

Du hast dich perfekt vorbereitet auf deine Stunde, eine anspruchsvolle Sequenz ausgearbeitet mit dem Fokus auf Rückbeugen und jetzt das: Vor dir steht eine Gruppe von Schülern, deren Fähigkeiten und Bedürfnisse nicht unterschiedlicher sein könnten. Was nun?

Bandscheibenvorfall, schwanger und betrunken

Hilfe. Wie kannst du jemanden, der den ersten Hund seines Lebens macht, und jemandem, der seinem Unterarmstand entgegenfiebert, gerecht werden? Wie ein Gemeinschaftsgefühl herstellen, wenn in der letzten Reihe jemand allen Ernstes sein Handy anlassen möchte, daneben jemand gerade von der Happy Hour kommt und ein anderer Schüler mit einem Bandscheibenvorfall da ist? Daneben sitzt jemand, der seit einer halben Stunde meditiert, und wieder eine Andere hat gerade erst erfahren, dass sie schwanger ist.

Eigentlich weisen die meisten Studios ihre Stunden genau aus und jeder, der lesen kann, kann sehen, dass es verschiedene Level gibt. In einigen Methoden wacht der Lehrer noch selbst darüber, auf welchem Niveau der Schüler übt, zum Beispiel im Ashtanga Yoga und auch in vielen Iyengar-Studios. Nicht so in Fitness-Clubs oder großen Yogaschulen, denen der Überblick fehlt. Hier sind die Yogis sich und ihrer Selbsteinschätzung allein überlassen, und das geht leider oft schief.

Ich bin kein Anfänger!

Denn die Kehrseite der wachsenden Popularität von Yoga ist, dass viele Menschen nicht mehr die Geduld aufbringen, sich auf den Yogaweg als solchen einzulassen. Niemand möchte Anfänger sein, viele sind aus ihrem Berufsleben an Überforderung gewöhnt und so finden sich in Level 2 Stunden Menschen, die gerade mal drei Anfängerstunden gemacht haben. Studios andrerseits, unter enormen wirtschaftlichem Druck, trauen sich nicht, ihre Kunden abzuweisen oder ihnen zu empfehlen, zu einer anderen Zeit wiederzukommen. Das Ergebnis: eine gemischte Klasse, mit derart unterschiedlichem Leistungsniveau, dass jedem Yogalehrer die Haare zu Berge stehen müssten. Denn niemand bereitet dich darauf vor. Trotzdem musst du keine Angst haben. Wenn du dich an folgende Punkte hälst, kann das gemischte Level für alle sogar ein Gewinn sein, nicht nur für die Schüler, sondern auch für dich. Denn eine solche Klasse unterrichten zu können zur Zufriedenheit aller ist eine Kunst, und wie jede Kunst kannst du sie lernen.

1. Vergiss dein Skript

Ein festes Drehbuch in dieser Situation hilft niemandem. Streich als erstes alle Eskapaden und ausgefallenen Asanas von der Liste. Erinnere dich, dass Yoga kein Extremsport ist, sondern eine Praxis, die Körper und Seele in Einklang bringen soll.

2. Beginne mit Pranayama

So erinnerst du alle und auch dich selbst daran, welche zentrale Rolle der Atem spielt. Außerdem kannst du gut sehen, wie aufrecht die Schüler sitzen, wie offen ihre Hüften sind, ob sie gewohnt sind, Hilfsmittel wie Decken zu benutzen, und wie leicht es ihnen fällt, sich auf etwas zu konzentrieren.

3. Verschaff dir einen Überblick

Der Hund ist die perfekte Asana, die dir alles über deine Schüler und ihre anatomischen Bedingungen verrät: ihre Schultern, ihre Beine, ihre Fähigkeit, sich zu erden, sogar ihrem Verständnis von Yoga. Drücken sie die Beine durch? Verkrampfen die Hände? Sicheln die Füße? Schon fünf Atemzüge im Hund bringen einen Anfänger schnell an seine Grenzen. Also bringe die Klasse in die „Schiefe Ebene“ und biete als Option an, die Knie zum Boden zu bringen.

4. Bringe alle ins Kind

Und sprich das unterschiedliche Leistungsniveau an. Im Kind fällt es vielen Menschen leichter, Verbindung zu sich selbst aufzunehmen. Komme immer wieder zurück ins Kind, wenn die Klasse einen Moment der „Besinnung“ braucht.

5. Unterrichte nun einen einfachen Flow mit dem Fokus auf der Atmung.

Die Fortgeschrittenen werden die Wiederholungen geniessen, weil sie sich ganz der Atmung widmen können. Die Anfänger erleben ein Erfolgserlebnis, wenn sie die Abfolge der Bewegungen verstehen. Und alle kommen so langsam ins Schwitzen.

6. Safety first

Achte während des Flows auf die gängigen Fehler, die zu Verletzungen führen können und sprich’ sie, ohne den Flow zu unterbrechen, an. Oft sind es gerade Fortgeschrittene, die davon profitieren, wenn Anfängern etwas erklärt wird.

7. Biete in allen Asanas die leichte zuerst an und dann erst die schwierige.

Solange sich alle Schüler auf ihrem jeweiligen Niveau angesprochen fühlen, sind sie zufrieden.

8. Analyse hilft

Ein guter Lehrer kann jede Haltung auf ihre Wirkung hin analysieren und entsprechend Haltungen finden, die zur gewünschten Asana hinführen, oder diese ersetzen. Eine Drehung z.B. wird immer eine Drehung bleiben, egal ob im Gedrehten Halbmond oder im Drehsitz.

9. Partnerübungen

Einfache Partnerübungen wie Handstand an der Wand mit Hilfestellung, die du vorher genau mit einem Schüler demonstrierst, können Anfänger und Fortgeschrittene zusammenbringen.

10. Was bedeuten die unterschiedlichen Level überhaupt?

Fortgeschritten zu sein im Yoga bedeutet nicht, schwierige Haltungen zu beherrschen. Es bedeutet viel eher, seine geistige und emotionale Einstellung im Griff zu haben. Immer mit dem Ziel, Energie ins Fließen und Gedanken zur Ruhe zu bringen. Ein wahrhaft Fortgeschrittener wird sich niemals über Anfänger aufregen. Zuletzt: Erinnere dich und alle Schüler daran, dass wir alle gleich sind, weil wir alle atmen und alle dasselbe wollen - inneren Frieden und Stärke.

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