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Large motivation
Bild: iStockphoto.com

Wenn der Antrieb fehlt: Wie motivieren wir uns?

Von Kristin Rübesamen

Es ist wie verhext. Da machen wir die schönsten Pläne, hecken die tollsten Ideen aus, nehmen uns vor, etwas zu verändern, und nach kürzester Zeit machen wir im alten Trott weiter. Längst weiß man, dass (Neujahrs)-Vorsätze idiotisch sind, weil sie spätestens Ende Januar vergessen sind , zusammengekehrt und weggeworfen wie die Nadeln unterm Baum. Und trotzdem fühlt es sich so gut an, sich etwas vorzunehmen. Vielleicht ist das sogar der Hauptgrund, weshalb sich so viele Leute für einen Marathon anmelden. Weil damit ein strenger Trainingsplan verbunden ist, der keine Ausreden duldet. Schwieriger ist es, ein guter Mensch werden zu wollen, oder seine Zeit nicht bei Facebook zu verplempern.

Gerade haben Wissenschaftler den alten Begriff des Positiven Denkens wieder ausgegraben. Sie behauptet, salopp zusammengefasst, dass das Gehirn auf Dauer trainiert werden kann, die Dinge, das Leben, diesen Typen, der immer dann wie ein Schlachtschiff ins Bad einbiegt, WENN ICH ES EILIG HABE, positiv zu sehen.

Einer starken Motivation muss die Einsicht vorausgehen, was schiefläuft

Sobald wir aber die Veränderungen, die wir uns wünschen, und die damit verbundenen Anforderungen an uns, in einem freundlicheren Licht sehen, fällt es uns vielleicht auch leichter, sie zu meistern. Denn es sind die Schranken im Kopf, die es uns schwer machen, das zu tun, wovon wir angeschwipst an Silvester oder auch ganz nüchtern und heimlich mitten in der Nacht träumen. Es sind Gewohnheiten im Kopf, die es uns leicht machen, alles immer aus der derselben Perspektive zu betrachten, und damit jede Veränderung im Ansatz zu ersticken.

Für uns Yogis klingt das bekannt. Wir kennen die Stolpersteine auf dem Weg der Veränderung. Patanjali, der große Yogaphilosoph, hat bereits vor zweitausend Jahren unter die fünf größten Hindernisse die Rajas und Dvehas gezählt, die Freuden und Abneigungen, von denen wir uns frei machen sollen. An erster Stelle steht Avidya, das soviel bedeutet wie falschen Wissen. Wenn wir das loswerden, sehen wir erst, wer wir sind, und können werden, wer wir sein wollen.

Die Einsicht mag nicht immer erfreulich sind, und oft klaffen Ambitionen und Möglichkeiten weit auseinander, aber einer starken Motivation muss die Einsicht vorausgehen, was schiefläuft, sorry.

Kein Morgenmensch

Ach, manchmal sind es nur die kleinen Dinge: Warum nicht dieses unfreundliche Wetter, das es uns so schwer macht, morgens aufzustehen, nützen, trotzdem früh aufstehen, ausgedehnt Tee trinken und ein Buch lesen, ganz analog, oder sich abends, wenn sich längst alle in ihren Wohnungen verstecken, warm anziehen und durch die leeren Strassen der Stadt spazieren.  Nicht immer sofort den Kühlschrank vollmachen, wenn er leer ist, nicht immer automatisch eine spöttische Bemerkung über andere Leute machen, nur weil es sich anbietet. Sich nicht an die Vorstellung klammern, kein Morgenmensch, kein Familienmensch, keine Führungspersönlichkeit, kein Katzenfreund, kein Bergsteiger zu sein.

Es ist so befreiend, mal ohne Attribute da zu stehen, diesen kalten Hauch unserer Existenz zu spüren. Es ist auch etwas unheimlich. Dabei geht es vielleicht nur darum, den Tag mit einer Meditation anzufangen, anstatt mit dem Frühstücksfernsehen, oder darum, eine Radtour durch Polen zu machen, oder endlich die Suppenküche zu gründen, von der wir schon immer geträumt haben. Unsere Vorfahren mussten zittern, weil sie nicht wussten, ob sie den Winter überleben würden mit ihren Vorräten. Wir haben solche Angst, zu versagen, dass wir es lieber gleich sein lassen. Dabei ist es so einfach: Kopf hoch und weitermachen. Macht Euch niemals kleiner, als Ihr seid.