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Was Yogalehrer vor jeder Stunde fragen sollten

Von Kristin Rübesamen

 

Hilfe, ich habe eine Steuernachzahlung!

Kennst du das? Du sitzt in der Klasse und zu Beginn fragt der Lehrer, ob jemand körperliche Beschwerden hat oder sonst noch etwas auf dem Herzen. Er fragt es so nett, dass du ihm gerne anvertrauen möchtest, dass dir der Rücken wehtut, dass Du schon wieder Verdauungsprobleme hast, eine Steuernachzahlung und eine absurde Deadline in deinem Job. Du sagst nichts, denn so nett der Lehrer auch fragt, du weißt, die Zeit, die es ihn kosten wird, auf dich einzugehen, stiehlst Du den anderen. Du weiß auch, dass er höchstwahrscheinlich nur sagen wird: "Versuch bei deinem Atem zu bleiben. Take it easy". Weil du das weißt und dle anderen auch, sagt niemand etwas und alle schummeln sich durch die Stunde.

Selbstakzeptanz statt Selbstverbesserung

Was, wenn Du wirklich etwas hast, der Lehrer nicht fragt und du ungeschützt in dein Verderben rennst? Das klingt erstmal schlimmer als es ist. Denn jeder Schüler trägt eine Eigenverantwortung für seine Praxis. Kein Lehrer, der eine volle Klasse vor sich hat, kann in Wahrheit dafür sorgen, dass der Einzelne zu jedem Zeitpunkt alles richtig macht. Das ist unmöglich.

Was der Lehrer aber kann - und woran man gute Lehrer auch erkennt -, ist die Erinnerung und Aufforderung an die Klasse, achtsam zu bleiben, Schmerzgrenzen zu achten, konservativ zu üben und nicht ehrgeizig. Das muss nicht heißen, dass man nicht auch etwas ausprobieren kann, was man noch nie gemacht hat, und dabei ordentlich Abenteuergeist entwickelt. Ein guter Lehrer betont dabei, dass es im Yoga nicht um Selbstverbesserung, sondern Selbstakzeptanz geht.

Es gibt aber tatsächlich einige wichtige Fragen, die du dir stellen solltest vor der Praxis - falls der Lehrer es nicht tut:

Bin ich schwanger?

Dann sage ich von mir aus dem Lehrer Bescheid. Ich weiß nicht, ob er eine Prenatal-Ausbildung hat. Ich habe mich daher voher erkundigt und weiß selbst, dass ich keine Bauchmuskelübungen machen sollte, nicht springen, keine geschlossenen Drehungen machen, keinen Feueratem üben und niemals die Luft anhalten darf. Ich sollte im ersten Quartal gar nicht üben - außer ich habe eine jahrzehntelange Praxis und kenne meinen Körper in- und auswendig. Ich weiß auch, dass ich Wasser trinken darf, obwohl Wasser trinken während der Praxis den Aufbau von Hitze erschwert. Vielleicht gehe ich auch einfach in einen Schwangerschafts-Yogakurs und finde es dort gemütlich.

Möchte ich gerne schwanger werden?

Ich muss es dem Lehrer nicht beichten, aber ich weiß, dass ich mich nicht zu sehr anstrengen, keine Dehydrierung riskieren und mich beim Feueratem ebenfalls zurückhalten sollte.

Stille ich?

Wenn ich stille, dann sind meine Gelenke und meine Bänder besonders weich und empfindlich - die Verletzungsgefahr ist entsprechend höher. Sich zu sehr zu verausgaben ist ebenfalls nicht ratsam, weil es sich auf die Milchproduktion auswirken kann.

Leide ich an Bluthochdruck?

Dann sage ich das dem Lehrer auf jeden Fall. Ich halte mich zurück bei Feueratem und halte niemals die Atmung an. Ich achte ganz besonders auf einen milden Atemfluss und eine Praxis, in der ich mich nicht verausgabe, sondern Kraft schöpfe.

Hatte ich einen Bandscheibenvorfall?

Dann sage ich es dem Lehrer. Ich mache keine extremen Vorbeuge und auch Rückbeugen nur sehr vorsichtig. Ich konzentriere mich während der Praxis auf mein Körperzentrum und versuche dieses zu stärken.

Habe ich Nackenprobleme?

Ich achte in jeder Haltung darauf, Nacken- und Schultermuskulatur zu entspannen. Ich mache keine Schulterstand und auch sonst nur das, was sich gut anfühlt.

Ist mir generell zum Heulen?

Dann lasse ich meine Tränen fließen ohne Ankündigung. Schließlich ist das Yoga und nicht "Germanys Next Yoga Model" (wobei die Mädels bei Heidi ja auch ziemlich viel weinen...).