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Was Yoga mit deinen Gefühlen zu tun hat
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Was Yoga mit deinen Gefühlen zu tun hat

Von Saskia Schmitz-Tietgen

Kennst du das? Du schlägst die Augen auf und weißt – der Tag kann nichts werden: Es regnet, es ist trüb und dunkel, gleich musst du ins Büro, wo schon die supernervige Kollegin wartet, Urlaub hast du in diesem Jahr auch keinen mehr, und überhaupt könnte dein Konto etwas voller sein. Doch egal, wie negativ deine Stimmung auch sein mag – sobald du auf die Yogamatte steigst, fühlst du dich entspannter, bist du versöhnlicher zur Welt und deinen Mitmenschen und deine dunklen Gedanken scheinen sich zu verziehe. Dir geht es einfach besser. Doch warum ist das so? Immerhin ist die Welt ja noch dieselbe. Nichts hat sich verändert – oder etwa doch? 

Yoga kann deine Einstellung verändern: Ich mach' mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt

Nichts hat sich verändert? Und ob! Du hast dich verändert. Vielleicht nicht von Grund auf, aber möglicherweise hast du deine negativen Gedankenmuster für eine gewisse Zeit durchbrochen oder verhältst dich einmal nicht nach deinem gewohnten Reiz-Reaktionsmodell. Was das ist? Die Begrifflichkeit stammt aus der Psychologie. Sie besagt, dass ein Reiz eine bestimmte Reaktion hervorruft. Das können Reflexe sein, auf die wir keinen bewussten Einfluss haben, oder es können gelernte Reaktionen sein – ein Resultat unserer Wertvorstellungen und Weltanschauung. Anders gesagt: „Trifft ein Reiz auf einen Menschen, kommt es (...) zu einer (...) Mandelkern-Erregung im Gehirn. Diese weckt Emotionen (...) und ist stark durch Ihre persönlichen Grundüberzeugungen wie Werte und Wertekonflikte geprägt.” So reagierst du häufig ganz nach deinen gelernten Mustern: Eine eigentlich harmlose Frage deiner Kollegin lässt dich schnippisch antworten, weil dich die Situation unbewusst an eine Familiensituation erinnert, von der du dich abgrenzen möchtest. Der megateure Mantel aus der Frauenzeitschrift übersteigt dein Budget, und du bist dir sicher, den falschen Beruf gewählt zu haben – du vergleichst dich wie immer mit deinen Freundinnen, anstatt in deinem Leben etwas anders zu machen und vielleicht den Job zu wechseln.


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Veränderung durch Achtsamkeit: Du hast dein Leben in der Hand

Doch es gibt einen Ausweg: „Während die angeborenen Reflexe nur schwer beeinflusst werden können, sind die gelernten Verhaltensweisen durch verschiedene Techniken wandelbar.” Zum Beispiel durch Yoga. Hier nämlich hast du die Chance, deine Achtsamkeit zu schulen, dir bewusst zu machen, dass du nicht deine Gedanken bist, sondern selbst entscheiden kannst, was du denkst und tust – und deine erworbenen, gewohnten Denk- und Verhaltensstrukturen zu durchbrechen. Durch eine achtsame Asana-Praxis oder eine regelmäßige Meditationspraxis kann dir bewusst werden, dass nicht die Welt sich ändern wird, sondern dass es an dir liegt, wie du die Welt siehst.

Ein Beispiel: Du kannst der Balance-Asana Vrksasana (Baum) wütend, traurig, oder lustlos begegnen – die Asana bleibt, was sie ist. Es ist an dir, zu entschieden, was du aus ihr machst und wie du sie angehen willst. Bleibt sie auf ewig deine Hass-Asana, wird sie zu deinem Yoga-Liebling, oder ist sie einfach eine von vielen Übungen, nicht mehr und nicht weniger? Du entscheidest.

Diese Erfahrung kannst du anschließend mit in deinen Alltag nehmen und Verantwortung für dein Tun und deine (Geistes-)Haltung übernehmen. Und vielleicht ändert sich ganz allmählich deine Einstellung, du wirst gelassener und entwickelst mit der Zeit eine stabile Gefühlswelt, die nicht abhängig ist von äußeren Begebenheiten.

„Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“

Viktor E. Frankl (österr. Neurologe und Psychiater)

Achtsamkeits-Übung zur Erforschung deiner Reaktionsmuster: Vrkasana – der Baum

  • Stelle dich auf deine Yogamatte. Verlagere dein Gewicht auf einen Fuß. Erde dich.
  • Hebe langsam dein anderes Bein und platziere deinen Fuß entweder auf dem Boden mit der Ferse am Knöchel, am Unterschenkel oder an der Innenseite deines Oberschenkels (Achtung: Platziere den Fusß nie direkt auf einem Gelenk).
  • Achte darauf, dass du nicht in der Hüfte zusammensackst, sondern aufgerichtet stehst.
  • Deine Hände kannst du in Gebetshaltung vors Herz bringen.
  • Nun beobachte, wie leicht oder schwer dir die Asana fällt und vor allem: was in deinem Geist passiert und wie du reagierst. Du ärgerst dich, weil du ständig deinen Fuß abstellen musst? Versuche doch einmal, eine andere mentale Haltung einzunehmen. Vielleicht lachst du einmal bewusst. Oder stellst den Fuß bewusst ab. Oder du pfeifst ein Liedchen, um zu checken, ob du und deine Atmung auch wirklich entspannt sind. Und schau einmal nach der Asana-Praxis, wie es dir damit geht, etwas bewusst anders gemacht zu haben.

Probiere es gleich aus: Petros Haffenrichter leitet dich an, und du kannst deinen Fokus ganz auf dein Erleben setzen:

Yoga Video Baum - VrikshasanaYogaEasy-Video abspielen

Stress gibt es nicht – Stress machst du dir

Doch Yoga kann nicht nur dafür sorgen, dass wir unser Verhalten ändern und wir uns dadurch besser fühlen. Dass Yoga einen positiven Effekt auf uns haben kann, kann man sogar messen. „Unser Nervensystem nimmt gemäß Dr. Bruce Lipton (US-amerikanischer Entwicklungsbiologe und Stammzellforscher) zwei Mio. Informationen/Sekunde auf und meldet diese unserem Unterbewusstsein weiter. Dieses bewertet dann die aktuelle Situation, gleicht sie mit früheren Erfahrungen ab und stuft (...)  ein, ob eine Situation gefährlich ist oder nicht. Entscheidet es sich für Gefahr, wird dies dem Mandelkern (Amygdala) signalisiert, welches die führende Rolle übernimmt. Seine Aktivierung löst Emotionen wie Angst oder Wut aus und es sorgt dafür, dass gewissen Nervenbotenstoffe ausgeschüttet werden.”

Niederländische Forscher haben nun in einer Studie herausgefunden, dass sich Yoga und Meditation auf bestimmte Gehirnareale auswirken können. Es zeigte sich, dass  „der linke Hippocampus (...) kleiner (war), (sich) das Volumen der rechten Amygdala  (...) zudem im Laufe der Zeit immer stärker (verringerte). Laut Wissenschaftlern bestätigten weitere Untersuchungen, dass in diesem Bereich Angst und Abneigung gegen unangenehme Reize kollidierten.” Das verringerte Volumen in der rechten Amygdala scheint darauf hinzuweisen, dass Personen, die regelmäßig Yoga und Meditation praktiziert hatten, besser mit Stress umgehen konnten.

Meditation

Dass sich Yoga und Mediation nachweisbar positiv auf uns auswirken können, ist auch anhand der Blutwerte erkennbar. So zeigen Studien des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, dass der Cortisolspiegel bei bei manchen Meditationsübungen um bis zu 50 Prozent sinken kann. Dazu muss man wissen, dass Cortisol ein Hormon ist, das in der Nebennierenrinde produziert wird. Zusammen mit den Hormonen Adrenalin und Noradrenalin sorgt es dafür, dass wir in stressigen Situationen kurzzeitig wachsamer sind, schneller reagieren können und leistungsfähiger sind. An sich keine schlechte Sache. Doch stehen wir dauerhaft unter negativem Stress, kann sich das negativ auf die Gesundheit auswirken. Hoher Blutdruck, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und ein geschwächtes Immunsystem können einige der Folgen sein.

Wer also regelmäßig Yoga und Meditation praktiziert, kann etwas für sein Wohlbefinden tun und positiv auf seine Gesundheit einwirken. „Dr. Elisabeth Blackburn, Nobelpreis-Gewinnerin 2009, hat herausgefunden, dass Meditation unsere Zellen länger jung halten, da sie Stress abbauen. Und dafür reichen schon 12 Minuten pro Tag.”

Kundalini-Meditation für einen ruhigen Geist

Vielleicht hast du ja Lust, einmal folgende Meditation aus dem Kundalini Yoga auszuprobieren. Sie nennt sich Meditation, die die „Gedanken zur Ruhe bringt”.

  • Komm dafür in eine bequeme Sitzposition, richte dich auf.
  • Bringe deine Daumen zusammen, lege die zweiten Glieder deiner Zeigefinger aufeinander, lege die Fingerkuppen der Mittelfinger aufeinander und rolle den Ringfinger und den kleinen Finger ein. Die Daumen zeigen zum Brustbein, die Ellenbogen sind parallel zum Boden gehoben. Deine Augen hast du nur noch einen Spalt breit geöffnet.
  • Nun atmest du tief und lang ein und hältst den Atem an. Dann wiederholst du elf- bis 21-mal ein Mantra deiner Wahl.
  • Schließlich atmest du vollständig aus, hältst den Atem wieder an und wiederholst erneut dein Mantra. So fährst du für drei Minuten fort.

 „Diese Meditation beruhigt den Gedankenfluss innerhalb von nur drei Minuten. Die Handhaltung nennen wir ,Mudra, das dem Geist gefällt.' Buddha gab sie seien Schülern zur Kontrolle der Gedanken.”

Yogi Bhajan: Kundalini Yoga, Meditation für schwierige Zeiten; Kundalini Yoga Praxisbuch Band 5

Literaturempfehlung:

Buch MeditationPraxisbuch Kundalini Yoga, Band 5
Meditationen für schwierige Zeiten – Erweiterte Neuauflage vom „Überlebens-Handbuch”


Achtung: Aufgeführte Tipps ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch einen Arzt, sondern können als mögliche Ergänzung betrachtet werden. In jedem Fall sollte der Arzt vorab befragt werden, ob genannte Bewegungen durchgeführt werden können.

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