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Bild: iStockphoto.com

Über Liebe, Selbstwertgefühl und Charlie Chaplin

Von Kristin Rübesamen

„Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen, und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich: Das ist Reife.“ Zu seinem 70sten Geburstag 1959 schrieb Charlie Chaplin diese berühmten Zeilen , Ausschnitt eines längeren Gedichts, über „Selbstliebe“. Selbstliebe oder Eigenliebe hat einen schlechten Ruf. Sie steht im Verdacht, Narzissmus zu fördern, Eitelkeit, Egoismus. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Nur wer sich selbst liebt, besitzt die Großzügigkeit und Energie, die es braucht, um andere lieben zu können. Aber wie bekommen wir das hin? Aus der romantischen Liebe wissen wir, das Liebe das Selbstbild durch die Vermittlung des Blicks des Anderen aufwertet. Durch das Begehren stellt sich eine freundschaftliche Gesinnung her und die Tendenz zur Kritik nimmt ab. Liebende sind nicht blind, aber sie sehen alles in einem wärmeren Licht, rosa eben. Durch die Wechselwirkung dieses Prozesses fühlen sich dann beide Seiten auch so, wie sie der Andere sieht, nämlich super. Diese romantische Anerkennung erhält, wie die großartige Soziologin Eva Illouz beschrieben hat, eine gesellschaftliche Funktion: sie begründet das Selbstwertgefühl.

Selbstwert entsteht im Kosmos von Bestätigung und Unsicherheit. Nur wer anerkannt wird, fühlt sich auch „gut“. Was wir wert sind, zeigt ein Blick auf die sozialen Beziehungen, die wir pflegen.
Googelt man das Wort „Selbstwert“, bietet die Suchmaschine als Ergänzung: steigern, stärken, aufbauen, stärken, und wer jetzt noch nicht kapiert hat, dass das Selbstwertgefühl offenbar eine knappe Ressource ist, nichts, was im Überfluss vorhanden wäre, kann seinen Selbstwert testen. Ein weiteres Indiz dafür, dass vermutlich etwas faul mit diesem Wert ist.

Selbstwert ist also eine ökonomische Kategorie und unterliegt damit den Gesetzen des Marktes, das heißt, es geht um Akkumulation, Neuigkeit, Überfluss. Eine Frau, die etwas zählt, kauft,- „weil ich es mir wert bin“.

Um sich aus dieser Zwickmühle zu befreien, nämlich seinen Selbstwert nicht länger durch soziale Anerkennung und oder ökonomische Rituale zu behaupten, sondern durch eine stabile Beziehung zu sich selbst, genügt ein Blick in die Yogasutren des Patanjali:

मैत्री करुणा मुदितोपेक्षाणांसुखदुःख पुण्यापुण्यविषयाणां भावनातः चित्तप्रसादनम् ॥३३॥
maitrī karuṇā mudito-pekṣāṇāṁ-sukha-duḥkha puṇya-apuṇya-viṣayāṇāṁ bhāvanātaḥ citta-prasādanam ||33||

Vereinfacht übersetzt: „Durch Empathie, Hilfsbereitschaft, positive Bestätigung und Gleichmut kommt unsere unruhige Natur zur Ruhe“.

Sich selbst umarmen! Yeah!!!

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