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Erfahrungsbericht: „Hilfe, ich habe Rücken!“

Von Madhavi Guemoes

Mein Rücken war bisher mein liebstes Körperteil. Als Yogalehrerin achtete ich stets mit meiner täglichen Yogapraxis darauf, dass er schön geschmeidig blieb, und er dankte es mir, indem er nicht aufmuckte. Von Jahr zu Jahr wurde er biegsamer und ich fröhlicher. Was auch daran lag, dass ich fordernde Yoga-Rückbeugen ohne Probleme meisterte.

Wie heißt es in einem Zitat von Hippokrates so schön: „Was genutzt wird, entwickelt sich, was ungenutzt bleibt, verkümmert!"  Irgendwann tauschte  ich mein Yogalehrer-Dasein gegen einen Vollzeit-Job am Schreibtisch ein, um zu schreiben. Denn ich liebe Schreiben. Plötzlich war jedoch ich abends zu müde für meine Yogapraxis und morgens war es mir einfach zu hektisch. Jeden Tag nahm ich mir vor: Heute mache ich mal wieder Yoga. Leider kam es nicht dazu. Mein Rücken war erbost und klagte oh weh, oh weh.

Ein klarer Fall von Dummheit. Als Yogalehrerin hatte ich jahrelang Menschen mit Rückenbeschwerden unterrichtet. Die Stressgeplagten waren meine Zielgruppe. Nun war ich selbst ein Schreibtisch-Opfer und schaffte es nicht, dagegen etwas zu unternehmen. Täglich hatte ich entweder Nacken-, Hals-, Rückenbeschwerden oder Migräne. Und zwar so arg, dass ich mein Gehalt in Massagen steckte. Die Folgen der Schmerzen: Müdigkeit, Aggression, Lethargie, Erschöpfung und Verzweiflung. Die Massagen halfen nur temporär. Eines Morgens kam ich vor Schmerzen nicht aus dem Bett und hatte furchtbar Angst vor einem Bandscheibenvorfall. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand in der Nacht mit der Keule den unteren Rücken versohlt. Ich rollte flugs meine Yogamatte aus und nahm die Stellung des herabschauenden Hundes ein. Atmete. Dehnte und streckte mich langsam in die Haltung hinein. Atmete tiefer.

Zwischen meinen verklebten Wirbeln entstand Raum. Ich fühlte mich auf einmal wieder sicher. Auf meiner Matte, verbunden mit meiner Atmung. Mir wurde klar: Es musste sich ganz schnell etwas an meiner Situation ändern. Im Büro achtete ich mehr auf eine kluge Haltung, stellte meinen Bildschirm um ein paar Zentimeter höher und schaffte mir einen gepflegten, rückenfreundlichen Stuhl an.

In der tantrischen Yogaphilosophie redet man von der Rückseite als der „unbekannten Seite“, die mehr Aufmerksamkeit und Licht benötigt. Im Alltag ist man aber so mit der Vorderseite beschäftigt, dass der Rücken nicht beachtet wird.  Wie sehe ich aus? Wie wirke ich? Die Rückseite, speziell der Rücken, wird meist stiefmütterlich behandelt.

Meine Rückenschmerzen waren Glück im Unglück! Nun bin ich klüger: Rückenschmerzen sind wie ein Paukenschlag. Der Körper schreit regelrecht nach Veränderung.

Was tun gegen Rückenbeschwerden?

Mein Tipp: ab und zu die Schultern Richtung Ohren hochziehen, bis 10 zählen und loslassen. Immer schön in den Bürosessel zurücklehnen, in den Bauch atmen, den Kopf kreisen und die stressigen Gedanken beiseite legen. Wenn es möglich ist, gehe einmal stündlich den Flur auf und ab, Bewegung tut gut. Trinke ausreichend. Ist zu wenig Flüssigkeit im Körper, wird der Rücken müde. 

Ach ja, 10 Minuten Yoga täglich bewirken Wunder! Der Rücken ist ein komplexes Körperteil, das gepflegt werden möchte.

Vor allem aber: Lausche nach innen. Gibt es einen Bedarf an Veränderung?  Wenn ja, was könnte es sein? Vielleicht ist es nur die Bewegung mit der Maustastatur, die Deinem Rücken Beschwerden macht. Es kann aber auch etwas Größeres sein: bist Du glücklich mit deinem Leben? Nimm dir die Zeit nachzusinnen. Der Rücken dankt. Hand drauf!

P.S Meine Yogamatte liegt nun ausgerollt neben meinem Bett. Ich kullere einfach morgens auf die Matte, dehne mich, atme und bringe meinen Rücken zum Leuchten.

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