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Bild: Jelena Lieberberg

Tattoos und Elfen: Interview mit Jelena Lieberberg

Von Kristin Rübesamen

Kristin Rübesamen: Jelena, wir müssen als erstes über deinen tätowierten Körper reden. Ein Gesamtkunstwerk?

Jelena Lieberberg: Ja, kann man so sagen. Für mich war seit meiner Jugend klar, dass mein Körper einem größeren Konzept folgen würde. Das hat für mich viel mit Ästhetik zu tun und mit dem Zugeständnis sich für einen längeren Zeitraum - also ein Leben lang - für etwas zu entscheiden, auch zu falschen Entscheidungen zu stehen und diese dann meinetwegen auch auszubaden.

Wie viele Körper hast Du - Yogis haben ja drei Körper und fünf Hüllen?

Wenn ich die Augen schließe und still werde, kann ich mich auf diese romantische Vorstellung der Schichten und Hüllen gut einlassen. So, mit offenen Augen und Dir gegenüber sitzend, merke ich, dass ich Dir als Antwort nur schlicht sagen kann, dass ich einen jungen Körper, einen scharfen Verstand und eine zarte Seele zur Verfügung habe, und dass es schon jede Menge Arbeit ist, allein diese drei auf einen Nenner zu bekommen. Als Tochter einer Schulmedizinerin eröffnen sich mir durch die Beschäftigung mit diesen vielen Hüllen und Körpern weitreichende Horizonte, aber man braucht Zeit, bis man das Verständnis solcher Konzepte in sein Leben integrieren kann.

Welcher Körper ist Dir der liebste und welche Hülle?

Diese Hülle, dieser Körper im hier und jetzt.

Eine bestimmte Sache, die Yoga für mich aufgedeckt hat, ist Viveka - die Unterscheidungskraft. Im Yoga versucht man ja zum Beispiel zu unterscheiden zwischen Wirklich und Unwirklich. Dazu fallen mir sogenannte Schwarzseher ein: Menschen, die in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben sehen nur noch schwarz, anstatt, klar zu erkennen, dass es ihnen ja heute gut geht...

Viveka findet glaube ich auch im Prozess des Erwachsenwerdens statt, wenn der junge Geist versucht sich selbst zu definieren und fragt: Wer bin ich und wer bin ich nicht? Dieses differenzieren kann man so schön auf alle Bereiche seines Lebens übertragen. Ein beliebtes Beispiel: Ist das gesund für mich oder nicht? Diese Frage einfach mal in den Alltag und eben in den Beruf einbauen, ist so hilfreich!

In den Yoga-Schriften steht, wir sollen üben und dabei nicht nach dem Ergebnis schielen. Wie soll das gehen?

Fragst Du das jeden, den Du interviewst? Das geht, glaub ich, ganz einfach, indem man Spaß dabei hat, egal was für eine Tätigkeit auf dem Weg zum Ziel getan werden muss. Wenn ich einen Haufen Geschirr zu spülen habe, freu ich mich auf die Zeit, die ich dafür brauche, weil ich während dessen Musik hören und tanzen kann...

Wie effizient bist Du als Mutter, Moderatorin, Yogalehrerin?

Sehr. Haha. Im Muttersein lernst Du von der Geburt Deines Kindes an, effizient zu sein, weil Du so viele Erwartungen erfüllen musst und lernst Prioritäten zu setzen. Diese Fähigkeiten machen mich zu einer besseren Yogalehrerin und Moderatorin. 

Deine geheime schlechte Angewohnheit, bei der sich Patanjali im Grab umdrehen würde?

Ich glaube ja, dass Patanjali - wer oder was auch immer er war, Brahmanenfamilie oder Schlangengott, ich sage jetzt der Einfachheit halber weiter 'er' - dass er bewusst keine Gebote verfasst hat, mit Formulierungen, wie z.B. Du „sollst nicht“. Patanjali lacht sich wahrscheinlich eher schlapp, wenn er mitbekommt, wie wir unsere einzelnen Gedanken viel zu Ernst nehmen und auf Marotten und Gewohnheiten hereinfallen, die uns vermeintlich Struktur vortäuschen wollen. Deswegen lache ich auch lieber über mich als dass ich mich ärgere...

Als was wirst Du wiedergeboren werden?

Schmetterling oder Delfin. Meine Kinder wollen ja, dass ich im nächsten Leben wieder ihre Mutter bin, aber vielleicht wäre ich dann auch mal gern ihre Tochter!

Deine Lieblings- und deine Hass-Asana?

Liebste: Pinca Mayurasana, der Unterarmstand. Und Herausforderndste - da gibt's viele... ich nehme Urdva Dhanurasana, die Brücke.

Geht Dein Mann freiwillig zum Yoga?

Haha. Heutzutage ja, sogar sehr gern... Am Anfang hab ich ihn schon mitgeschleppt und ihm sogar eine Privatstunde bei Max Strom geschenkt. Das fand er super. Wir haben dann Max auch zum Essen eingeladen, dadurch hatte dann das Thema Yoga nichts Sektenhaftes mehr, sondern wurde handfester und ehrlicher für meinen Mann. Gerade weil er mit einem männlichen Lehrer in einer Einzelstunde auch über seine Bedenken sprechen konnte, dass Yoga doch nur was für biegsame Elfen, wie seine Frau, sei.

Bitte kurz die wichtigsten Stationen Deiner Fernsehkarriere?

Gut, also kurz und knapp? Ich war Moderatorin beim Musikfernsehen, war auch zu Gast bei Harald Schmidt und ähnlichen Shows. Später habe ich verschiedene Online-Formate moderiert und war als Sängerin unterwegs.

Wärst Du gerne Charlotte Roche?

Ich mag sie, bin aber ehrlich gesagt ganz glücklich ich zu sein. Deswegen Nein.

Was hat das Fernsehen mit Dir gemacht?

Noch eine Fernsehfrage? :-) Na gut. Das Potential des Versauens vieler leerer Menschenleben durch die flimmernde Oberfläche (Flimmerkasten kann man ja gar nicht mehr sagen, oder?) wird meiner Meinung nach total unterschätzt. Das Fernsehen hat mir als Jugendliche tatsächlich suggeriert, Moderatorin werden zu müssen. Was für ein Quatsch! Das ist zwar ein Job, der mir leicht fällt, aber der kann auch so undankbar sein... 

Musste dann Yoga kommen als Gegenstrategie?

„Muss“ sowieso nicht. Zum Glück haben sich unsere Wege gekreuzt. Yoga ist ein wunderbarer Anker, eine Möglichkeit auf dem Boden zu bleiben, gerade für Menschen, die in dem Geschäft arbeiten.

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