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Bild: Shutterstock.com

Pseudotrends im Yoga: Warum Yoga kein Audi ist

Von Kristin Rübesamen

Yin, Yang, Yeah

Vorbei die Zeiten, wo man ungestraft fragen durfte, was Hot Yoga sei oder Jivamukti. Neben den klassischen Yogastilen gehören auch die folgenden Methoden längst zum Standardrepertoire des normalen Großstadtyogis: Aerial Yoga (das mit den großen Stoffschaukeln, die leider manchmal etwas streng riechen), Acro Yoga (auf den ersten Blick Cirque de Soleil Yoga, tatsächlich großer Spaß für alle, die es wagen, sofern sie kein künstliches Hüftgelenk haben) , Yin Yoga (sieht nur so aus, als sei es für Faulpelze, Paul Grilley oder Sarah Powers sind die Erfinder), selbst Voga (die Kombination aus Vogueing and Yoga zu 80er Jahre Soundtrack, ohne entsprechendes Outfit doof). Jeder, der schon etwas länger übt, hat, wenn vielleicht auch nicht immer eine persönliche Erfahrung, so auf jeden Fall eine persönliche Meinung vorzuweisen zu allem, was sich gerade auf den Matten tut. Unser aller Augen sind also keineswegs nur auf den Nabel gerichtet oder einen fernen Punkt am Horizont. Aber ist das schlimm? Nein, denn was wären wir für Menschen, wenn wir uns nicht für die Anderen interessieren würden. Yin, Yang, Yeah!

2, 5 Millionen US $

Im Jahr 2012 hat die amerikanische Marktforschungsorganisation Ibis World an vierte Stelle der am schnellsten wachsenden Industriezweige „Yoga und Pilates“ gesetzt, nach der Herstellung generischer Arzneimittel, Solarindustrie und Privatuniversitäten. Vielleicht, weil Yoga Heilung, Licht und Bildung verspricht? Wenn es stimmt, was das amerikanische Yoga Journal behauptet, dass mindestens 8 Prozent aller Erwachsenen Yoga üben und über 2,5 US Dollar im Jahr dafür ausgeben, ist Yoga nicht nur ein sehr persönlicher Weg der Selbstfindung und- heilung, sondern etwas, was wir nur ungern zugeben, weil es das Image dieser uralten Heilmethode zu beschädigen scheint: ein Riesenmarkt. Kein Wunder also, wenn auf diesem Markt nach marktwirtschaftlichen sprich kapitalistischen Regeln gespielt wird und ein Trend den nächsten ablöst.

Was auf dem Büchermarkt der neue Jonathan Franzen, in der Autobild der neue Audi S4 und bei Starbucks gerade der Pumpkin Spice Latte ist, ist im Yoga im Moment Yoga mit Katzen aus dem Tierheim oder gleich auf dem Nilpferd, beziehungsweise während einer Safari, auf der man Nilpferde zu sehen bekommt. Jede neue Methode verspricht dem Übenden noch mehr Entspannung und Loslassen, vorausgesetzt, er investiert in eine neue Zehnerkarte oder einen Flug nach Sambia.

Stau auf der A 8

Es wird eng auf der A 8 zur Erleuchtung, denn woher soll man wissen, welches Yoga für einen das Richtige ist? Seit Yoga in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und Yoga nicht mehr von einer Boheme aristokratischer Spinner geübt wird, sondern von Hausfrauen, Managern und Karrierefrauen mit steifem Nacken, hat sich das Angebot entsprechend geändert. Es gibt Power-Lunchklassen, Yoga for busy people, Express-Yoga, und auch wir bei YogaEasy.de haben Klassen in allen Formaten und Stilen vorrätig. Das Angebot ist breiter geworden. Mehr Menschen fühlen sich angesprochen. Man könnte fast behaupten, Yoga ist demokratischer auf diese Weise. Warum dann die Aufregung der Puristen? Alle Traditionalisten, die das, Verzeihung, den wahren Yoga in seiner Existenz bedroht sehen, sollten sich daran erinnern, warum jenes legendäre Yoga von Krichnamacharya, in dessen Tradition die meisten von uns heute üben, am Fürstenhof in Mysore überhaupt Erfolg hatte: Weil es der neue „heiße Scheiß“ war, deshalb.

Auch ich übe nicht gerne bei Lehrern, die mich mit ihrer Playlist quälen und uns im Bikini und mit Headset herumkommandieren, wobei man einmal die knappe Badehose von Bikram Choudhury aus der Nähe gesehen haben sollte, und winke ab, sobald ein neuer Trend am Horizont aufzieht. Früher aber war das anders. Als junge Frau war ich nicht zu bremsen und bin zu allen Rebellen der Szene, die ich finden konnte, gefahren (Bryan Kest, David Life, Edward Clark, die Frauen von Laughing Lotus, Schuyler Grant von Kula Yoga, Leslie Kaminoff, selbst John Friend), stets auf der Suche. Heute kann ich mich auf eine scheussliche Parkbank setzen und ein bisschen bewußt atmen und es ist auch ok.

Kein Audi

Was heißt das für Dich? Wenn es Dir tatsächlich zu eng wird und zu aufgeregt im Yogamilieu, dann gehe in eines der vielen kleinen, meist sehr liebevoll geführten Studios in der Nachbarschaft und bleibe dort bei Andrea oder Heinz, die seit dreissig Jahren mit Leib und Seele etwas Sivanandaartiges auf Schaff-Fellen unterrichten. Warum denn nicht? Es ist in Ordnung, in deinem Yogaleben auf Weiterbildung und auf Workshops zu verzichten, Gurus zu ignorieren und dein Leben lang Janu Sirsasana zu üben. Du wirst auf diesem Weg vielleicht schneller merken als all jene, die auf jeden Trend aufspringen: Es gibt keine Abkürzung auf dem Weg zu dir selbst. Yoga ist kein Audi. Manchmal fällt dir erst auf der Umleitung auf, wie schön die Welt und damit auch deine eigentlich ist. Es geht nicht darum, schnell von A nach B zu kommen - sondern WIE du von A nach B kommst.

Und was die rechthaberische und geschaftelhuberische Aufregung und Diskussion um das wahre, echte Yoga betrifft: In Zeiten von zunehmender "political correctness", wie sie Salman Rushdie gerade wieder beklagte, ist die freie Meinungsäußerung der wichtigste Wert, den wir verteidigen müssen. Lass uns also alle so herumspinnen, wie es sich am besten anfühlt. Oder wie die Killers sagen: "If I don't shine, you don't shine!".

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