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Experten-Interview: Die Schilddrüse & Stress

Von Merle Wirellis

Nach Bluthochdruck und Diabetes mellitus gehören Defekte der Schilddrüse zu den größten Volkskrankheiten in Deutschland. Das ist besonders bedenklich, weil das kleine Organ unterhalb unseres Kehlkopfs mit der Produktion der Hormone T3 und T4 viele wichtige Körperfunktionen reguliert. Neben dem Energiehaushalt verantwortet die Drüse so auch unseren Stoffwechsel – das beeinflusst das Herz, das Hirn, die Haut und die Verdauungsorgane. Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann unseren Körper also ganz schön durcheinanderbringen.

Bei einem Mangel der Hormone im Blut (Schilddrüsenunterfunktion) leiden Betroffene häufig an Gewichtszunahme und einem aufgedunsenen Gesicht, sehr starkem Kälteempfinden, Müdigkeit, träger Verdauung, Ausbleiben der Regelblutung, langsamerem Denken oder Sprechen und verminderter Leistungsfähigkeit insgesamt.

Die erhöhte Konzentration der Schilddrüsenhormone (Schilddrüsenüberfunktion) sorgt wiederum häufig für starke Gewichtsabnahme, Hektik, Nervosität, einem starken Hitzegefühl, Schlaflosigkeit und Durchfall.

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Interview mit Schilddrüsen- und Hormonexpertin Katia Trost

Die Heilpraktikerin und Schilddrüsen- sowie Hormonexpertin Katia Trost aus Hamburg erklärt im Gespräch mit YogaEasy.de, welche Rolle Stress bei Erkrankungen der Schilddrüse spielt – und wie genau er zustande kommt.

YogaEasy: Heute leiden immer mehr Menschen an Schilddrüsenerkrankungen. Was ist die Ursache dafür?  

Katia Trost: Genauso wie bei Diabetes mellitus und auch Bluthochdruck liegt die Ursache dieser Erkrankungen beim Stress. Allerdings verstehen die meisten Menschen nicht, was das bedeutet. Stress ist ein biochemischer Vorgang, der durch Hormone ausgelöst wird und die Reaktion auf einen Mangel darstellt, vor allem an Nährstoffen auf Zellebene. Dadurch kann der Körper nicht mehr genügend Energie herstellen. Stresshormone kompensieren diesen Mangel, indem sie die Energie eher in lebenswichtige Systeme schicken, doch dafür müssen andere Organe und Gewebe leiden. Die Nebennieren, die auf hormoneller Ebene durch Adrenalin und Cortisol Stress verursachen, sind zunächst über- und dann unteraktiv. Die Schilddrüse tritt durch die Vormachtstellung der Nebennieren in den Hintergrund. Denn die Schilddrüse erhöht den Grundumsatz und soll gerade nicht powern, wenn der Körper in einer Notsituation ist – so entsteht die Schilddrüsenunterfunktion und in einigen Fällen kurzfristig und vorübergehend auch eine Schilddrüsenüberfunktion.

Gibt es weitere Faktoren?

Nein, Stress ist die einzige Ursache. Doch die meisten Menschen denken eben, dass sie Stress reduzieren, wenn sie in den Urlaub fahren oder entspannen. Doch Überarbeitung und Mangel an Erholung sind nur zwei von Hunderten Stressoren. Ein Stressor ist jeder Reiz, der auf den Körper eintrifft. Von der Temperatur über das Licht bis zur Erdstrahlung und auch psychische Probleme. All das sind Stressoren, die der Körper nur unter Aufwand von Energie verarbeiten kann. Wenn man also nach den größten Stressoren fragt, sind das aus meiner Beobachtung neben dem, was man allgemein unter einem „stressigen Lifestyle“ versteht, vor allem Nährstoffmängel und psychische Probleme (Minderwertigkeitsgefühle, Kummer, Beziehungslosigkeit u.a.).

Viele Menschen hungern sich heute (unbewusst) durch merkwürdige Gesundheitstrends krank und ihnen wird, wenn überhaupt, erst Jahre später klar, dass ihre Zellen vor vollen Trögen verhungern. Außerdem können wir unseren Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen selbst mit gesündester Bio-Ernährung nicht mehr decken, da in unseren Böden kaum mehr Nährstoffe vorhanden sind. Doch ohne diese Rohmaterialien kann die Zelle keine Energie herstellen. Der Teufelskreis des Stresses beginnt – denn Stress erzeugt mehr Stress!


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Warum ist die Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen häufig so schwierig? 

Weil die heutige Standarduntersuchung von Schilddrüsenproblemen im Blut im Grunde nicht besonders zuverlässig ist. Hormone werden zyklisch im Laufe des Tages ausgestoßen, damit verändert sich der Status stündlich, manchmal minütlich. Wenn jemand seinen sogenannten TSH-Wert drei Tage hintereinander abnimmt, wird er wahrscheinlich drei unterschiedliche Werte vorliegen haben. Wenn man das gleiche Blut an zwei Labore schickt, hat man auch gerne zwei unterschiedliche Ergebnisse. Dann ist auch noch der „Normalbereich“, der ja eigentlich wiedergeben soll, was ein gesunder Mensch an Werten hat, leider eben kein Gesundheitsbereich.

Denn der Normalbereich gibt lediglich einen statistischen Durchschnitt der Bevölkerung wieder. Doch zu dem Zeitpunkt der Festsetzung der Normalwerte hatten bereits sehr viele Menschen Schilddrüsenprobleme. Und dann wird mit der Blutmessung nicht berücksichtigt, dass Schilddrüsenhormone im Blut keinem etwas bringen, wenn sie nicht in die Zellen kommen. Doch die Zellen bilden gegenüber den Schilddrüsenhormonen Resistenzen aus, wenn der Körper unter Stress Energie sparen möchte, die Zellen machen einfach dicht. Damit kann man tolle Schilddrüsenwerte im Blut haben, doch die Zelle bekommt davon nichts ab. Dies ist aus meiner Sicht das größte Problem. Doch darauf achtet kaum jemand.

Sind Schilddrüsendefekte angeboren, oder können sie in jedem Alter neu auftreten?

Wenn das Organ Schilddrüse in seiner Substanz angegriffen ist, ist dies in der Regel eine Folge von autoimmunen Störungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis) oder eine Folge von Knoten, die das Schilddrüsengewebe in seiner Funktion beeinträchtigen können. Dies ist selten angeboren. Doch nicht alle Störungen der Schilddrüse gehen mit einem Defekt des Organs einher. Viele sind auch nur funktionell. Die Funktion der Schilddrüse kann jederzeit beeinträchtigt sein, das gilt grundsätzlich natürlich auch für Babys und Kinder. Viele unserer modernen Zivilisationserkrankungen, die auch Kinder betreffen (Neurodermitis, Autismus, Hyperaktivität etc.), gehen mit einer Funktionsstörung der Schilddrüse einher. Was bei Kindern aber noch ganz gut funktioniert, sind die Nebennieren. Die erzeugen dann den Anschein von Energie, da sie in der heutigen Zeit oft als Energie-Notaggregat fungieren. Dieses System bricht bei den meisten Menschen erst mit etwa Anfang 20 zusammen, bei Männern oft auch noch etwas später. Erst dann merken die Menschen dann, dass etwas im hormonellen System nicht stimmt. 

Wie gefährlich kann eine Funktionsstörung der Schilddrüse für die Betroffenen werden?

Funktionelle Schilddrüsenunterfunktionen sind per se selten gefährlich, doch der Körper demonstriert damit, dass ein Energiedefizit besteht. Dies wiederum ist sehr wohl gefährlich in dem Sinne, dass daraus früher oder später Erkrankungen entstehen, die den funktionellen Bereich verlassen und mit organischen Schäden einhergehen. Das wiederum kann auch lebensbedrohlich sein. Man kann mit einer Schilddrüsenunterfunktion auch sehr alt werden, doch wohlfühlen wird man sich damit nicht. Überfunktionen der Schilddrüse können auch mal gefährlich werden, z. B. das Herz belasten. Ein Komplettausfall der Schilddrüse (durch Entfernung oder andere Ursachen) hingegen ist tödlich. Daher müssen Menschen ohne Schilddrüse auch immer Schilddrüsenhormone substituieren.

Welche Risiken birgt eine jahrelange Substitutionstherapie mit L-Thyrocin, wie sie viele Frauen kennen?

Die Substitution mit L-Thyroxin ist per se suboptimal. Denn der Körper stellt vier Schilddrüsenhormone her. Thyroxin ist nur eines davon. Eine Substitution mit L-Thyroxin ist damit nicht der Natur nachempfunden. Außerdem interpretiert der Körper ein Übermaß an Thyroxin als Stresszeichen. Denn der Körper sollte L-Thyroxin bei Bedarf in das aktivere Trijodthyronin (T3) umwandeln. Das tut er aber nicht ausreichend, wenn er im Stress ist, denn dann würde er ja den Grundumsatz hochfahren. Eine Erhöhung des L-Thyroxins bringt dann nur minimale Verbesserungen. Die Schilddrüse stellt die eigene Produktion an Schilddrüsenhormonen verhältnismäßig ein, wenn von außen ersetzt wird. Der Körper versucht so, sich vor einer Überfunktion der Schilddrüse zu schützen. Damit zeigt sich auch, dass die Substitution mit L-Thyroxin keine Ursachen behandelt, sondern lediglich ein Pflaster ist, was darüber hinaus meist nicht zufriedenstellend funktioniert. Dass es sich bei Schilddrüsenproblemen um ein viel tiefer liegendes Problem handelt, wird selten bedacht. Es ist unmöglich Schilddrüsenprobleme ursächlich zu lösen, wenn man die Energieproduktion auf Zellebene nicht auf dem Schirm hat.

Deutlich mehr Frauen als Männer leiden unter Fehlfunktionen der Schilddrüse. Woran liegt das?

Frauen haben ein deutlich komplizierteres Hormonsystem als Männer. Dafür sorgt der weibliche Zyklus. Frauen pendeln ständig zwischen vier Stationen hin und her (Eisprung, 2. Zyklushälfte, Menstruation, 1. Zyklushälfte). Das System ist einfach sehr stör- und stressanfällig. Vor allem, weil Östrogen so schnell aus dem Ruder läuft und gegenüber dem Progesteron dominiert. Auch Östrogen ist ein Gegenspieler von Schilddrüsenhormonen. Aus meiner Sicht ist es ein Stresshormon. In den Wechseljahren ist Östrogen dann auch noch einmal groß Thema. Es wird bei Stress vermehrt erzeugt, außerdem ist unsere Umwelt voll von östrogenwirksamen Substanzen. Auch die Pille ist dadurch ein ganz großer Verursacher von Schilddrüsenfunktionsstörungen. Darüber sind nur wenige Frauen aufgeklärt. Es gibt sehr wenige Frauen, die in ihrem Leben nicht mindestens einmal die Pille genommen haben.

Außerdem können sich Frauen oft schlechter als Männer gegenüber Stress abgrenzen. Nicht selten bleibt im Alltag einer erwachsenen Frau noch vieles an ihr hängen. Der Mann geht zur Arbeit, die Frau auch. Danach macht sie den Haushalt, kümmert sich um die Kinder, die Eltern etc. Dabei will sie alles perfekt machen (was weiter Stress verursacht) und versteht nicht, dass alles einfach zu viel ist. Männern fällt es häufig leichter, sich Zeit für sich selbst zu schaffen.


Yoga für die Schilddrüse: Ausgleichen mit Asanas, Pranayama und Meditation

Eine regelmäßige Yogapraxis mit ausgewählten Übungen und Atemtechniken kann Fehlfunktionen der Schilddrüse positiv beeinflussen. Sie kann eine medikamentöse Therapie unter ärztlicher Aussicht natürlich nicht ersetzen, bestimmte Asanas stimulieren aber die Schilddrüse und wirken sich ausgleichend auf den Hormonhaushalt aus.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion etwa der Schulterstand (Sarvangasana), der Fisch (Matsyasana) oder der Pflug (Halasana) unterstützend wirken. Bei einer Überfunktion kannst du zum Beispiel die Schulterbrücke (Setu Bandhasana), die Haltung des Kindes (Balasana) oder die Totenstellung (Shavasana) üben. Mantras, Meditation und Yoga Nidra können sich positiv auf beide Krankheitsbilder auswirken. Welche Pranayama-Techniken dir mit deinen Symptomen helfen können, wie genau du sie übst und weitere Asanas mit Anleitungen verrät dir Kristin Rübesamen in diesem Artikel.

Hormon-Yoga

Da Schilddrüsenerkrankungen auf hormoneller Ebene stattfinden, kann Hormon-Yoga auch unterstützend wirken, um sie zu bekämpfen. Hier erfährst du, was genau Hormon-Yoga ist, welche Asanas du üben kannst und worauf du achten solltest.

Eine kleine Einleitung in das Thema Hormon-Yoga:

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