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Wärst Du auch gerne jünger? Nein.

Von Kristin Rübesamen

Darf ich kurz fragen, in welcher Schriftgröße ihr diesen Text lest? Ich habe in irgendeinem Fenster 125 % eingestellt, leider kann ich euch nicht verraten, wie die Funktion heißt, obwohl ich meine Brille aufhabe. Aber ist es nicht großartig, einfach so 125 % zu bekommen?

Schnarchen und Mohnstrudel

Mit mir geht es jetzt schon seit geraumer Zeit bergab und ich kann nicht sagen, dass ich darüber ungehalten wäre. Endlich kann ich mit ruhigem Gewissen bei Rot stehen bleiben, anstatt wie üblich über die befahrene Kreuzung zu hetzen. Ich gehe gerne früh ins Bett, und neulich habe ich sogar nachmittags ein Stück Mohnstrudel gegessen und gedacht, das sollte ich öfter machen. Ich hätte gerne Freundinnen, mit denen ich am frühen Abend Karten spielen könnte, aber die anderen, was soll ich sagen, sind noch nicht so weit. Nicht so schön war, dass ich neulich im Zug von meinem eigenen Schnarchen aufgewacht bin, aber immerhin habe ich die Mitreisenden mit meinem Lavendelduft (gegen Motten) nicht verschreckt.

Bitte keine 108 Sonnengrüße

Ich habe gut reden, höre ich euch sagen, denn noch kann ich mich mühelos in den Kopfstand heben. Könnte, kann ich da nur sagen, denn genauso lieb ist es mir, einfach die Beine an der Wand hoch zu legen. Chaturanga? Ja, aber nur, wenn es sein muss. Lieber bringe ich die Knie zum Boden und halte dafür ein wenig länger im Liegestütz. Hanumanasana? Nur mit Klötzen. 108 Sonnengrüße, wie ich sie früher gerne zu Ehren von Patthabis Jois gemacht habe? Schon lange nicht mehr.

Hauptsache, fit?

Über das Alter wird soviel Unsinn geredet. Man könnte denken, es kommt gleich nach Crystal Meth. Alle scheinen sich einig zu sein. Das Älterwerden muss unbedingt vermieden werden. Jede Falte wird als persönliche Kränkung empfunden und das Altern als Schicksalsschlag. Wäre ja auch lächerlich, diese lächerliche Laune der Natur, genannt Vergänglichkeit, zu akzeptieren. Also, auf in den Kampf. 50jährige mit schütterem Haar drängen auf die Tanzfläche und Silver Ager mit frisch gestochenem Tattoo trainieren für den Marathon. Wo ihre Seele bei dem Tempo bleibt, und ob ihr Herz dabei auf der Strecke bleibt: Egal. Hauptsache, fit. All diese Typen mit schiefen Hüften und krummem Buckel, die mit 50 auf 30 machen, strahlen vor allem eins aus: Hilflosigkeit und ein Minderwertigkeitsgefühl. Aber vielleicht täusche ich mich mit meiner Altersweitsicht.

Blasenschwäche und Billy Idol

Ich werde ja selbst komisch. Wie souverän ist es zum Beispiel, auszuflippen, wenn Freddie Mercury im Radio kommt oder Billy Idol? Sich auf dem Parkplatz des OBI zu erleichtern (Blasenschwäche)? Oder eine weitere Schwäche zu entwickeln, nicht nur für die Seitliche Krähe, sondern auch für die Gartenabteilung im erwähnten OBI? Ernsthaft zu überlegen, eine weitere (überflüssige) Übersetzung von Patanjalis Yoga Sutra herzustellen? Es dauert nicht mehr lang und ich werde die Wurfpost im Briefkasten lesen. Dazu trage ich die Pullover von Verwandten auf und einen viel zu roten Lippenstift. Kurz: es ist mir meistens egal, was die Anderen sagen, und verantwortlich dafür ist mein Alter.

Geld? Egal.

Vielleicht ist es das, was so irritierend ist an Leuten, die partout nicht älter werden wollen: das peinliche Gefühl, dass sie all diese albernen Dinge tun, weil sie immer noch um Anerkennung buhlen wie früher auf dem Schulhof. Mehr Anerkennung, mehr Geld, mehr Status gleich mehr Zufriedenheit lautet ihre Gleichung. Man müsste es vielleicht ausprobieren, aber wenn man sich bei den wirklich Alten umhört, sind es andere Dinge, die entscheiden, wer im Alter glücklich ist und wer nicht.

Was wir von den Hundertjährigen lernen können

Gemäß der „Georgia Centenarian Study“ von 2012 sind es nicht die tatsächlichen Ressourcen, weder die körperlichen und geistigen, nicht mal die ökonomischen, die den Ausschlag geben. Viel wichtiger ist die innere Einstellung und Bewertung der eigenen Situation. Na, klingt das vertraut? Es scheint fast so, als ob die Hundertjährigen, die für diese Studie interviewt wurden, die wichtigste yogische Tugend in ganz besonderer Weise verinnerlicht haben: Das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Veränderungen anzunehmen und nicht zu verdrängen. Aufmerksam zu bleiben.

Seit ich gelesen habe, dass Jeanne Calment, die 122 Jahre alt geworden ist, mit 85 Jahren noch angefangen hat zu fechten, freue ich mich auf die Jahre, die kommen. In der Zwischenzeit übe ich weiter. Denn jeder Atemzug ist kostbar.

Die besten Asanas für weise Yogis
 

Katze/Kuh:

Denn wenn die Wirbelsäule geschmeidig bleibt, bleibt es auch der Geist.


 

Kind:

Um sich daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist, tut es gut, die Sinne nach innen zu ziehen.

 

Krieger II:

Vom Nabel abwärts Stärke und Erdung spüren, nabelaufwärts ausflippen

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Drehsitz:

Alles auswringen in der Drehung, sorgt für Klarheit in Körper und Geist.

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Schiefe Ebene:

Manchmal geht es bergab im Leben. Dann die Nerven bewahren: Das üben wir hier.

 

Kamel:

Ein Kamel ist selten hysterisch: Wir mobilisieren aus einem starken Zentrum heraus die Brustwirbelsäule.

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Nadi Shodanam, die Wechselatmung:

Wunderbar, um die Dinge wieder in Balance zu bringen.

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