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Wechseljahre? Alles über deinen „Klimawandel”
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Wechseljahre? Alles über deinen „Klimawandel”

Von Birgit Feliz Carrasco

Klimawandel und Yoga ­– einige offene Worte zu den Wechseljahren

Der persönliche „Klimawandel” der Wechseljahre beginnt bei jeder Frau anders. Es gibt keine klaren Anzeichen oder deutlichen Startpunkt, aber so merkst du, dass es dich jetzt auch erwischt hat: Du stehst im Drogeriemarkt deiner Wahl vor dem Regal mit Slipeinlagen und studierst ausführlich die Produkttexte auf den Verpackungen um das passende Produkt für deine neu definierten Zwecke zu finden. Du fühlst dich von diversen Maxi-Tampongrößen nicht mehr geschützt und es ist bei der Yogapraxis bereits zu peinlichen Situationen gekommen. Oder vielleicht hast du auch schon Spam-Mails bekommen, die Damenwindeln für dich anpreisen, weil deine Internet-Suchanfragen von Matratzenschonern mit Latexschutz getrackt wurden? Das alles sind heutzutage Anzeichen des eigentlich inneren Wandels...

Gespräche über Wechseljahre – Fehlanzeige

Die Werbeindustrie ist bezüglich der Wechseljahre sehr pfiffig und unterstützt Hersteller mit offensivem Marketing zahlreicher Produkte an die Frau zu bringen. Frauen im hormonellen Wandel sind dagegen weniger offen (Männer natürlich noch weniger obwohl auch sie hormonelle Wechselzeiten durchlaufen). Über die persönlichen Erfahrungen während der Wechseljahre wird meiner Beobachtung nach unter Frauen immer noch kaum gesprochen. Es kommen vielleicht mal Bemerkungen wie „Menstruation habe ich nicht mehr”, aber wie das alles abläuft und welche Auswirkungen und körperliche Beschwerden mit den Wechseljahren verbunden sind, wurde mir – obwohl ich als Heilpraktikerin viel Wissen über alle Körperfunktionen habe – erst klar, seit ich selbst mitten drin stecke. Erstaunt stellte ich außerdem fest: Es heißt Wechseljahre. Plural! Nicht Wechselwochen, nicht Wechselmonate, nicht Wechseljahr, sondern Jahre! Und ich dachte außerdem, nach rund zwanzig Jahren Yogapraxis erwischt mich das sogenannte Klimakterium gar nicht so doll. Nun konstatiere ich, dass ich mich in einem kompletten, tiefgreifenden privaten Klimawandel befinde, der mitunter skurrile Blüten treibt, wenn ich von einem Moment auf den anderen wahnsinnig schlechte Laune kriege und meine Katzen anraunze (was mir natürlich 5 Minuten später ebenso wahnsinnig leid tut und ich gleichzeitig froh bin, das mir sonst niemanden in meinem Umfeld gerade in die Quere kam). Danach bin ich immer völlig erstaunt, was aus mir aus tiefstem Inneren unangekündigt hervorbrechen kann, wo ich doch seit Jahrzehnten eine friedliebende, Frieden lehrende und täglich meditierende Yogini bin.

Erinnerst du dich noch an deine Pubertät?

Es war uns damals nicht so bewusst, wie wir von Hormonen ferngesteuert wurden und unser Kollektiv aus Eltern, Geschwistern, Freundinnen und erste Liebschaften zur Verzweiflung trieben oder zumindest zum abschätzigen Augenrollen brachten. Die Auswirkungen der Wechseljahre als hormonelle und wohlgemerkt gänzlich natürliche Umstellungszeit des Körpers sind ähnlich wie die in der Phase der Pubertät, die aber Frau mit sich alleine ausmacht und auslebt, weil wir ja inzwischen erwachsen und vernunftbegabt sind. Warum eigentlich nicht nochmal so leichtsinnig, albern und verrückt sein wie in der Pubertät und alles aus uns raus lassen, was uns gerade umtreibt? Nun, es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Pubertät und Klimakterium. In der hormonellen Umstellungsphase der Teenagerjahre entwickelt der Organismus Kraft, Schöpferkraft, bereitet sich auf Fortpflanzung vor und der Geist wird von der wachsenden Körperkraft euphorisiert. Während des Klimakterium baut der Körper – so leid es mir tut dies offen zusagen – eher ab und wird kraftloser. Allein das mag ein Grund zum heulen sein, denn das ist es, was mitunter erschreckt und Frau mehr oder weniger plötzlich bewusst wird: »Ich werde älter«. Und genau in dieser ehrlichen Feststellung offenbaren sich meiner Ansicht nach Chancen zu neuen und spannenden und mitunter auch lustigen Erfahrungen, wenn Frau sich mit Humor und Wohlwollen betrachtet.

Konkrete körperliche Signale und positive Affirmationen

Die Anzeichen und Symptome der Wechseljahre sind bei jeder Frau unterschiedlich in Form, Dauer und Intensität. Im Älter werden kann man viele Vorteile entdecken, wenn man sich zu allererst der körperlichen Auswirkungen der Wechseljahre bewusst wird und diese Signale als das sieht was sie sind: Hormongesteuerte, völlig natürliche Veränderungen und keine Erkrankung bei der es eines medizinischen oder chemischen Eingriffs bedarf. Es gibt vielseitige Auswirkungen der Wechseljahre, vermutlich so viele wie es Frauen gibt. Ich setze einigen bekannten körperlichen Anzeichen positive Affirmationen entgegen, beispielsweise

  • Hitzewallungen (Tagsüber oder nachts) – Ich schwitze aus, was nicht mehr zu mir gehört. Pures Detox!
  • Schlafstörungen – Ich gewinne zusätzliche Zeit zur Meditation!
  • Gewichtszunahme – Ich darf mir neue Kleidung und endlich ein BH-Cup größer kaufen!
  • Ausbleiben, Wiedereinsetzen (selbst nach ein bis zwei Jahren Pause) und/oder enorme Intensität der Monatsblutungen mit denen die gesamte Gebärmutterschleimhaut abgetragen wird – Irgendwann geht auch das vorbei1 Bis dahin sehe ich es als Reinigung meines Körpers.
  • Libido-Abnahme – Endlich muss ich nicht mehr Partnern gefallen!
  • Libido-Zunahme (beides ist möglich) – Endlich kann ich noch mal richtig wild sein!
  • Trockene Haut – Falten sind Lebenskunst!
  • Veränderter Körpergeruch – Einige gute Gelegenheiten neue Körperlotionen und Düfte auszuprobieren!
     

Zudem kann beispielweise auch allgemeine Kraftlosigkeit auftreten, wie mir bei bei meiner Yogapraxis aufgefallen ist. Weniger bekannt sind unter anderem auch Schmerzen in den großen Gelenken. Z. B. können sich die Knie wie entzündet anfühlen und laufen oder stehen schmerzen und einige Asanas sowie den üblichen Meditationssitz fast unmöglich machen. Knie haben laut der Reflexologielehre einen Bezug zu den Eierstöcken und verändern sich gegebenenfalls ebenso während der Wechseljahre (und heilen auch wieder nach einigen Monaten oder Jahren). Außerdem verändern sich Haare, Nägel und Haut. Frau wird im wahrsten Sinne des Wortes dünnhäutiger, die Haut trockener und die Haare verlieren an Spannkraft, aber wozu gibt es Extensions? Alles ist möglich.

Mentale Signale liebevoll betrachten

Hier nutzt kein drum herum reden oder verstecken – das einzige was hilft ist Selbstliebe und Humor. Die hormonellen Veränderungen während des »Klimawandels« führen mitunter zu Melancholie, Depression, Frustration, zu Gefühlen des Alleinseins und zu zeitweiliger Aggression oder einfach echt schlechter Laune. Woran liegt das? Die sogenannten weiblichen (fürsorglichen, liebevollen) Hormone wie Östrogen und Progesteron werden im Körper weniger produziert und ­– so leid mir diese Nachricht tut, Ladies – die sogenannten männlichen Hormone, allen voran Testosteron, bestimmen mehr das körperliche und mentale Sein ... und dann flippt Frau auch mal kurzzeitig aus, wie Männer es schon immer tun und bestenfalls wöchentlich beim Bolzen auf dem Fußballplatz kundtun oder am Sandsack boxend abreagieren. Mir persönlich hilft spazieren gehen oder meditieren, also mich liebevoll auf mich selbst zu konzentrieren.

Was hilft?

In der medizinischen Betreuung hat in den letzten Jahrzehnten die sogenannte Hormonersatztherapie stetig zugenommen. Ich war, bin und werde privat wie aus naturheilkundigem Wissen und ganzheitlicher Sicht nie eine Freundin von Hormongaben sein, die künstlich-chemisch in natürliche Vorgänge des Organismus eingreifen. Das Hormonsystem des menschlichen Körpers ist trotz aller Intellekt- und Kontrollfähigkeit des Gehirns unglaublich fein und atemberaubend sensibel ohne Zugriffsmöglichkeit des Verstandes abgestimmt und funktioniert naturgemäß autonom. Das biochemische Konstrukt des Hormonsystems allein gebietet zu Ehrerbietung an die Kreativität der Schöpfung.

Chemie kann hilfreich sein, muss es aber nicht sein, denn es gibt zahlreiche Kräuter und Globuli, die Symptome der Wechseljahre abzumildern vermögen, so Frau sich dafür entscheidet ihren »Klimawandel« bewusst und im natürlichen Ablauf zu erleben. Bei solcher Entscheidung zu Bewusstheit empfehle ich Rat bei Naturheilpraktikern zu suchen, die über die Anwendung von Phytotherapie mit beispielsweise Frauenmantel, Johanniskraut, Maca, Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze Auskunft geben.

Meine Geheimtipps für nachts

Beine kalt abduschen

Bei Schlafstörungen, Wachwerden, nicht mehr einschlafen können und/oder nächtlichen Schweißausbrüchen hilft folgendes, so paradox dies auch klingen mag: Die Beine hüftabwärts und den Intimbereich für mindestens 1 Minute mit eiskaltem Wasser abduschen. Dann mit nassen Beinen (ohne mit dem Handtuch abzutrocknen) wieder ins Bett gehen. In der Regel schläft man nach einigen Minuten wieder ein, weil mit der partiellen Kaltdusche das Nervensystem beruhigt und die Durchblutung der Beingefäße angeregt wird, was wiederum entspannend wirkt. Ein nasskalter Waschlappen tut es auch ... dauert aber meiner Erfahrung nach länger.

Honig für süße Träume

Manchmal ist auch der Abfall des Blutzuckerspiegels beim nächtlichen Aufwachen für nachfolgende Schlaflosigkeit verantwortlich. Das Hormon Insulin wird vermehrt ins Blut ausgeschüttet, findet aber, je nach dem wann man zuletzt etwas gegessen hat, keine Nahrungsmoleküle zum Andocken und Einschleusen in die Zellen. Ein Teelöffel Honig hilft meistens, um diese hormonelle Reaktion zu befriedigen und Frau schläft wieder seelig ein.

Meine Pranayama-Tipps für den Tag

Wechselatmung

Bei aufbrausenden Momenten unter tags hilft »Anuloma Viloma«, die Wechselatmung. Halte das rechte Nasenloch mit dem Daumen zu und atme über das linke Nasenloch ein. Dann verschließe beide Nasenlöcher und halte den Atem an. Atme anschließend über rechts aus und nun über das rechte Nasenloch wieder ein. Verschließen und dann über links ausatmen usw. „Anuloma Viloma” bedeutet in etwas: Gegen den Fluss atmen ... danach bist du wieder im Fluss.

Suppe pusten

Eine hilfreiche kühlende Atemübung bei Hitzewallungen ist »Suppe pusten«. Du hältst eine Handfläche in Höhe des Mundes in etwa 20 Zentimeter Abstand. Du atmest über die Nase ein und lässt dann sanft und sehr langsam den Ausatmen vom Mund über deine Handfläche gleiten. Das kühlt nicht nur die Handfläche, sondern reflektorisch dein gesamtes Körpersystem und beruhigt den Geist. Nach einiger Zeit die Hand wechseln.

Die schönste Unterstützung in den Wechseljahren: Sanfte Yogapraxis

Zugegeben hat es bei mir einige Zeit gedauert, bis ich begriffen habe, in welcher Lebens- und damit Hormonphase ich nun mit meinem Sein aus Körper und Geist eintrete. Dann aber konnte ich erkennen, welche wunderbaren Chancen sich mir bieten, mich selbst nochmal neu, aus einem anderen Blickwinkel, weiser und weiterentwickelter kennenzulernen.

Ich habe also meine Hatha-Yogapraxis meinem unter Veränderung befindlichen Körper angepasst. Ich empfehle Übungen, die Bauch- und Unterleib zusammendrücken, zu minimieren und sanftere Asanas, die den Unterleib weich dehnen zu praktizieren, wie beispielsweise Kobra-Varianten oder die Haltung des Fischs, der zudem das Hormonsystem über Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüse aktiviert. Umkehrhaltungen sind empfehlenswert für die innere Balance, aber bitte nur zu Zeiten, wenn keine Monatsblutung aktiv ist. Da Menstruation jedoch auch unvermittelt und ohne vorherige Anzeichen auftreten kann, ist beispielsweise ein kleiner Schulterstand an der Wand mit hochgelagerten Becken auf einem Meditationskissen passender als der freie Schulterstand oder gar Kopfstand, denn jedwede Menstruation ist dafür gedacht nach unten auszufließen und nicht über Bauchraum oder Bauchvenen zurück in den Blutkreislauf zu fließen. In ausgestreckter Rückenlage mit dem Becken auf einem Meditationskissen zu liegen und dabei die hormonellen Botenstoffe im Blut zu visualisieren ist hilfreich, um sich mit dem eigenen Körper und seinen Funktionen bewusst auseinander zu setzen. Der Yogastil des Hormon-Yoga nach Dinah Rodrigues ist in Lebensaltern vor, während und nach den Wechseljahren eine ebensolches heilsames wie respektvolles Angebot, sich mit dem privaten »Klimawandel« des Körpers und des Geistes anzufreunden.

Und die Seele?

Die liebe Seele überwacht alles, beobachtet uns allwissend und ist jederzeit für uns zuhör- und sprechbereit, wenn unser Körper und der Geist gerade mal wieder von hormonellen Wellen durchflossen werden. Die Seele weiß: Das ist alles ganz normal – und in dieser Erkenntnis liegt alle Liebe und Vertrauen, die Frau in den Wechseljahren so sehr benötigt.

Mit Meditation in die Selbstliebe kommen

Am besten helfen mir bei meinem Klimawandel rituelle Meditationen, die ich mindestens einmal, bei Bedarf auch zwei- oder dreimal täglich praktiziere, um meinem Körper für seine Lebendigkeit zu danken. Zwar sind die Wechseljahre keine Krankheit, aber heftige Knie- oder Menstruationsschmerzen zu durchleben ist nicht immer easy. Meiner Erfahrung nach ist es essentiell, das was ist anzunehmen. Ob es nun mehr Falten im Gesicht, wachsen eines Damenbarts oder Körperschmerz ist. Innerer Widerstand macht das alles nur noch frustrierender und verschlingt viel Energie über die Dauer der Wechseljahre (Plural!). In meinen Meditationen übe ich mich darin, alles in, an und außerhalb von mir so anzunehmen wie es ist und alles als natürliche Abläufe des irdischen Lebens zu erkennen und ­vor allem anzuerkennen. Gegensteuern ist zwecklos und macht körperliche Beschwerden machtvoller und intensiver. Ich praktiziere meditative Selbstliebe. Wundersamer Weise minimieren sich Schmerzempfindungen und Beschwerdesymptome, wenn man sich auf sie konzentriert, mit Atem und visualisiertem Licht durchflutet.

Diese Meditation empfehle ich dir von Herzen

  • Lege eine Hand auf Herz, wo immer du bist und wann immer du gerade Heilkraft benötigst.
  • Spüre eine Weile, wie die Wärme der Handfläche und die Energie deines Hand-Chakras sich über deinen Brustraum mit dem Blut des Herzens in deinem Körper ausbreiten.
  • Bitte um Licht oder Heilenergie aus der göttlichen Urquelle.
  • Du wirst spüren wie ein Energiestrahl oder Energiewelle über deine Hand in deinen Körper fließen.
  • Lenke diese Energie der Schöpfung zu den Körperpartien, die heute und jetzt aufmerksam betrachtet und mit göttlicher Energie wiederbelebt werden möchten.
  • Atme ein und stell dir vor über den schmerzenden Körperpartien auszuatmen.
  • Schmerzen sind Teil der menschlichen Erfahrung auf Erden, sie dürfen sein, nimm sie an, liebe sie und dann danke ihnen für die Erfahrung.
  • Wenn du etwas annimmst, dann wird es von dir anerkannt und dann dürfen diese Erfahrungen gehen und mit dem Licht und der Ausatmung ins Universum zurückkehren.
  • Spüre in dich hinein und erfühle, was du heute und jetzt brauchst, damit es dir gut geht.
  • Bitte darum und es wird kommen.
  • Alles kommt und geht zur rechten Zeit, denn alles fließt innerhalb der Schöpfung.

Love, light und einen liebevollen Klimawandel

wünscht dir

Birgit Feliz Carrasco

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