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Bild: iStockphoto.com

Mission: Ausmisten. Alles muss raus!

Von Katharina Goßmann

Vor etwa zehn Jahren lieh mir meine damalige Chefin ein Buch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“. Die Ausmist-Tipps der Autorin Karen Kingston hätten Wunder gewirkt, schwor sie, sie hätte jetzt nicht nur eine quasi renovierte Wohnung, sondern auch ein rundum erneuertes Leben. Interessiert begann ich zu schmökern… und war schon bald völlig begeistert. Mit Eifer durchkämmte ich meinen Kleiderschrank, mein Bücherregal, meinen Keller. Ausmisten wurde zu meinem Lieblingshobby. Bald schon sah meine Wohnung deutlich klarer und heller aus und mein Konto wies dank meiner (realen und Online-) Flohmarkt-Erfolge ein dickes Plus auf. Ich fühlte mich wie ein neuer Mensch.

Aber warum sollte Ausmisten eine solche Wirkung haben? Das bisschen überflüssiger Plunder schadet doch nichts, oder? Nun ja. Dinge, die Freude bereiten, an eine tolle Lebensphase erinnern, aber nicht unbedingt einen großen praktischen Nutzen haben – die habe ich natürlich behalten. Aber die Kleider, in die ich noch nie gepasst hatte, weil ich sie für eine schlankere Version meiner selbst gekauft hatte; Bücher, die ich erstanden hatte, um intellektueller rüberzukommen (die aber immer gegen meine geliebten Schwedenkrimis verloren); Erinnerungsstücke an den Ex-Freund, dem ich seit Jahren nachtrauerte – die flogen raus! Irgendwie war es plötzlich so klar, dass es nicht glücklich macht, sein Leben in einer Umgebung zu verbringen, die mir symbolisiert „So, wie ich bin, finde ich mich nicht gut genug. Ich wünschte, es wäre wieder so wie damals, mit Thomas. Aber vielleicht verlässt er ja seine Ehefrau und die Kinder, wenn ich 15 Kilo abnehme und in schicke Kleider passe?“

Als ich damals meine Wohnung Schublade für Schublade durchforstete, passierten wundersame Dinge. Jeder alte Pulli, jeder hässliche Blumentopf, jeder pubertäre Brief erinnerte mich an Menschen und Ereignisse, an die ich seit Jahren nicht mehr gedacht hatte. Während Fotos, Tagebücher, Briefe und Kleidung stapelweise in den Abfall wanderten, fiel mir ein, wie schlecht Thomas und ich zusammen gepasst hatten, und dass ich immer schon einem Chor beitreten wollte. Mir wurde plötzlich klar, dass ich gar nicht abnehmen wollte und mich das Festhalten an der Vergangenheit unfähig machte eine neue Beziehung einzugehen. Plötzlich wusste ich genau, welche Klamotten ICH tragen wollte (auch wenn Thomas sie garantiert ätzend finden würde).

Kurz: Ich kam bei mir selbst an, und zwar in der realen Hier-und-jetzt Version. Befreit von der Last der Vergangenheit, Illusionen über die Gegenwart und absurden Hoffnungen für die Zukunft. Es ist schon erstaunlich, wie glücklich es macht, ein paar alte Blumentöpfe wegzuwerfen… Probier' es doch mal aus, wer weiß, was passiert!

P.S. Euch muss man das vermutlich gar nicht sagen: Aber was übrigens richtig glücklich macht, ist Spenden. Nicht nur den alten Lederblouson mit den Schulterpolstern, nein ein schöner warmer Pullover, richtig gut erhalten. Adressen bekommt Ihr über die Caritas, Kirchen oder einfach selbst zum nächsten Flüchtlingslager fahren und fragen. Für Berliner zum Beispiel: http://www.berliner-stadtmission.de/wie-sie-helfen/aktuelle-spendenprojekte/spenden-wo-am-noetigsten-gebraucht