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In drei Schritten zur Meditation

Von Anna Trökes

Was ist Yoga-Meditation?

Meditation ist ohne Zweifel DAS Herzstück des Yoga! Alles, was uns über den Yoga über die Jahrtausende hinweg von den Rishis (den Sehern), den Pandits (Lehrern) und Gurus überliefert worden ist, ist von ihnen im Zustand der Meditation geschaut und erfahren worden. Was sie uns übermitteln, basiert offenkundig und spürbar nicht auf gelerntem, verstandesmäßig erworbenem (kognitivem) Wissen, sondern auf Einsicht, die sich auf innerer Schau und/oder Offenbarung gründet.

Egal, was die unterschiedlichen Traditionen über den Zustand des Yoga aussagen und egal, wie ihre Definition lautet; sie beschreiben damit in der Regel die Meditation – die ja ebenfalls ein Zustand ist.

Abschalten des Geistes?

Die Definition, die unser Yogaverständnis im Westen wahrscheinlich am nachhaltigsten geprägt hat, stammt von Patañjali und leitet das Yoga-Sutra ein. "Yogash citta vritti nirodah" = "Yoga ist das Ruhigstellen oder Abschalten der Bewegungen des Geistes" heißt es dort und natürlich geschieht genau das, wenn der Zustand der Meditation wirklich erreicht worden ist: der Geist ist mit alle seinen Aktivitäten zur Ruhe gekommen; er ist wie abgeschaltet.

Schauen wir uns also an, wie genau Patañjali analysiert, was uns darin hindert, uns einfach hinzusetzen, die Augen zu schließen und in die Meditation zu versinken.

Warum ist meditieren oft so schwer?

Wie wir alle nur zu gut wissen, hat unser Geist eine starke Neigung, sich zu zerstreuen. Mit seiner Heimstatt in vielen Arealen unseres Gehirns ist er dort ganz eng mit den äußeren wie den inneren Sinnen verschaltet, die ihn ununterbrochen mit Informationen aus der Außenwelt und aus dem Körper versorgen. Dabei geschieht es gewöhnlich, dass der Sinn den Geist mit sich zieht und ihn dadurch von dem Gefühl, dem Gedanken oder der Handlung ablenkt, mit der er gerade beschäftigt war.

Das lässt sich ganz besonders gut dann beobachten, wenn man sich hinsetzt und versucht, ruhig zu werden, um zu meditieren. Kaum hat man seine äußeren Aktivitäten eingestellt, geht es oben hinter der Stirn erst so richtig los! Tatsächlich sind diese ganzen mentalen Aktivitäten – diese Gedanken, Gefühle, Empfindungen, Sorgen und Assoziationen – im Wachzustand immer in uns in Bewegung, nur werden sie durch unsere Konzentration auf die alltäglichen Handlungen überdeckt. Es ist gerade die Stille, die bewirkt, dass wir sie erkennen können.

Patañjali sagt, dass ein solcherart zerstreuter Geist zwangsläufig ein unklarer Geist ist, der sich dann – aufgrund des Fehlens der Klarheit – in Probleme verwickeln wird.

Ein erster Schritt hin zur Meditation bedeutet also, anzuerkennen, dass unser Geist zerstreut ist und zu bemerken, was ihn im Allgemeinen wie im Besonderen immer wieder ablenkt.

„Indem wir untersuchen, welche Rolle die Sinne in unserem Leben spielen, können wir Stabilität und Ausrichtung in unserem Geist erlangen“, heißt es ihm Sutra 1.35, hier in der Übersetzung von T.K.V. Desikachar. In seinem Kommentar heißt es ergänzend: "Die Sinne sind die Tore der Wahrnehmung und ihre Bedeutung für den Geist hat weit reichende Folgen. Nicht selten sind wir ihrem Wirken recht hilflos ausgeliefert. Um das Spiel der Sinne besser zu verstehen und besser zu begreifen, welchen Einfluss sie auf unser Leben haben, kann es von Nutzen sein, ihre Tätigkeit zu erforschen.“ (T.K.V. Desikachar, Über Freiheit und Meditation, S.44)

Die Hindernisse (antarayas)

Es sind aber nicht nur unsere Sinne, die bewirken, dass der Geist zu unruhig ist, um Meditation entstehen zu lassen. Er wird auch immer wieder in Probleme verwickelt, durch all die alltäglichen Hindernisse (antarayas) wie Krankheit, Selbstzweifel, Unentschiedenheit, Hast und Erschöpfung – um nur einige zu nennen. Jede dieser inneren Befindlichkeiten und Einstellungen erschafft Emotionen, die den Geist beschäftigen und dadurch so viel innere Unruhe erschaffen, dass die Vrittis (die Aktivitäten des Geistes) nicht abzuschalten sind. Sie sind deshalb nicht abzuschalten, weil unser Gehirn – wenn wir es nicht durch eine spezielle Übungspraxis völlig anders konditioniert haben – das nicht erlauben kann. Solange das, was es beunruhigt, nicht gelöst ist, kann es nicht abschalten – das ist einfach Teil seines Überlebensprogramms!

Die leidvollen Spannungen (Kleshas)

Dasselbe gilt auch für das Wirken der „leidvollen Spannungen“ des Geistes, der Kleshas. Während die Hindernisse alltäglich und eher harmlos daherkommen, können uns die Kleshas oft mit großer Wucht bedrängen. Das verletzliche Konstrukt meines Egos, meine Ängste, all die Begierden und Abneigungen sind einfach DER Stoff, aus dem sich die innere Unruhe unaufhörlich aufs Neue erschaffen kann! Das gilt ganz besonders für die unselige Verknüpfung von Asmita (dem Ich-Konzept) und Abhinivesha (der Angst). „Die leidvolle Spannung abhinivesha ist so dominierend im Leben des Menschen, dass sie alles andere in den Schatten stellt. Sie ist ein hartnäckiges Festhalten am Trieb der Selbsterhaltung... Man kann nicht mal einen einzigen Augenblick lang am Verlust der eigenen Wichtigkeit Gefallen finden, ganz gleichgültig, was die Anderen über einen denken mögen. Jede Bedrohung unseres Gefühls der eigenen Wichtigkeit scheint so vernichtend zu sein wie der Tod“, bemerkt zu Recht Deshpande in seinem Kommentar zum Yogasutra (Deshpande/Bäumer: Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, S.96). Und tatsächlich kann uns kaum etwas mehr innerlich beunruhigen, als eine kränkende oder verletzende Bemerkung, als ein Mangel an Respekt oder der Würdigung dessen, was wir sind und was wir leisten.

Um all das erkennen zu können, bedarf es der yogischen Bewusstseins- und Erkenntnisqualität der unterscheidenden und differenzierenden Wahrnehmung (viveka) (Yoga Sutra 2.26). Sie erlaubt uns, zu erkennen, was für uns ungünstig ist, weil es uns leidvolle Erfahrungen (duhkha) vermittelt, sowie was für uns günstig ist, weil es uns hilft, die stete Wiederholung leidvoller Erfahrungen zu vermeiden.

Ein zweiter Schritt hin zur Meditation besteht also darin, zu erkennen, welche Hindernisse und welche leidvollen Spannungen (Kleshas) meinen Geist bewusst oder unbewusst beherrschen und zu versuchen, diese mentalen Spannungen allmählich abzubauen.

Patañjali bemerkt äußerst treffend, dass es unmöglich ist, die psychische Energie der Kleshas jemals ganz zum Verschwinden zu bringen, denn sie sind ein Teil unserer evolutionären Ausstattung, durch die unser Überleben gesichert wird. Wir können aber lernen, sie in ihrem Wirken auf unseren Geist – und damit auf unser gesamtes Dasein - zu verstehen und sie zunehmend unter unsere Kontrolle zu bringen, damit sie uns nicht weiter kontrollieren.

Das Yoga-Sutra beschreibt genau, wie wir diese Kontrolle schrittweise erlangen können. Der erste Rat ist, immer dann, wenn wir merken, dass sich eine leidvolle Spannung in uns aufzubauen scheint, erst einmal innezuhalten und nachzudenken, was uns da gerade umtreibt und worauf wir gerade (wieder) innerlich zusteuern (Yoga Sutra 2.11). Allein dieses Nachdenken wird uns helfen, die unmittelbare Identifikation mit dieser inneren Anspannung etwas zu lösen und Abstand zu gewinnen (Yoga Sutra 2.17ff). Dann geht darum, immer genauer zu erfahren, dass es etwas in mir gibt, was das Wirken eines Kleshas zu beobachten vermag, ohne in die damit einhergehenden Emotionen eingebunden zu sein. Das ist das, was bei Patañjali der Seher genannt wird. Er sieht: Ich bin nicht mein Begehren oder meine Abneigung! Ich bin nicht meine Eitelkeit, mein Stolz! Alles das, was sich da in den Vordergrund schiebt und meinen Geist umtreibt und beunruhigt, ist allenfalls EINE Facette meines Seins, und zwar eine, die gerade jetzt aktiv ist und die in kurzer Zeit schon wieder verschwinden kann.

Wenn wir dass erst einmal erkannt haben, kann der Geist beginnen, sich zu beruhigen, denn er lernt dadurch, dass er solche Situationen – also solche Gefühlswallungen und die aus dem Inneren aufsteigenden Spannungsgefühle – durch ruhiges Betrachten beherrschen kann.

Ein dritter Schritt hin zur Meditation besteht darin, zu lernen, den Geist zu beruhigen und ihn zu stabilisieren.

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