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Glücksformel Yoga? Warum Yoga glücklich macht
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Glücksformel Yoga? Warum Yoga glücklich macht

Yoga auf der Dachterrasse

Wir sitzen auf der Dachterrasse meiner Freundin auf Mallorca, und sie blickt beseelt in den Abendhimmel über der Insel. Da sie mich in ihre Finca eingeladen hat, bedanke ich mich bei ihr mit täglichen Yogastunden. Eine liegt gerade hinter uns, und ich sehe an ihrem entspannten Gesicht und den leuchtenden Augen, wie gut ihr die Yogapraxis getan hat. Ganz eindeutig: Sie hat den vielgerühmten Yoga Glow. „Glücklich?“ frage ich, und sie nickt. „Ist es nicht herrlich?“, sagt sie strahlend. „Wir genießen wunderbares Yoga in der Abendsonne, während unsere tollen Ehemänner sich um das Essen kümmern und aufpassen, dass keines der Kinder in den Pool fällt.“ Als wir die Treppe in den Patio herabschweben, wird unser Yoga High allerdings auf die Probe gestellt, als wir mit einem schlecht gelaunten „Ihr habt ja ganz schön lange gebraucht!“ empfangen werden.

Glücksformel Yoga

Diese kleine Anekdote belegt Folgendes: Yoga macht glücklich (und kein Yoga macht schlechte Laune...). Denn wer regelmäßig Yoga übt, sorgt damit nicht nur für a) einen gesunden Körper, sondern auch b) einen klaren Geist und c) eine friedliche Seele. Und das ist doch DIE Glücksformel schlechthin. Also, auf die Matte, fertig – Om. Schön in alle Richtungen strecken und tief durchatmen. Oh ja, das hilft wirklich! Der Körper entspannt sich, das Kopfkino macht Pause, und das persönliche Drama löst sich in Wohlgefallen auf... Zumindest für den Moment. Bis der missmutige Ehemann einen in die raue Wirklichkeit zurückholt – oder der Feierabend-Verkehr oder der pampige Verkäufer. Na gut, vielleicht verhilft uns die Yoga-Praxis mit der Zeit tatsächlich allgemein zu mehr Gelassenheit, und wir können den großen und kleinen Herausforderungen unseres Daseins mit mehr Ruhe begegnen. Aber sind Yogis jetzt andauernd Dalai-Lama-mäßig heiter und rundlos glücklich? Ja? Nein? Vielleicht? Und warum der eine mehr und der andere weniger?


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Die Herausforderungen des modernen Lebens

Wir sind uns dessen wohlmöglich nicht bewusst, weil wir es nicht anders kennen, aber unser modernes Leben ist belastend. So vielen Anforderungen gerecht werden zu müssen, im Beruf, als Elternteil, in der Beziehung und im sozialen Umfeld – von den eigenen Ansprüchen ganz zu schweigen –, sorgt für Daueranspannung. Wir schütten permanent Stresshormone aus, und unser Nervensystem ist quasi nonstop in Alarmbereitschaft. Yoga wirkt dem nachweislich entgegen. Es ermöglicht dem Nervensystem vom stressbedingten „Fight or Flight”-Zustand in den Erholungs-Modus zu wechseln und begünstigt auch die Ausschüttung von glücksbringenden Neurotransmittern, etwa Dopamin und Serotonin. Das kann einen sogar zu einem sogenannten „Yoga-Junkie” machen. „Ich bin voll süchtig, echt, ohne Yoga komm ich gar nicht mehr klar!“, eröffnete mir eine Schülerin einmal. Und sie wirkte dabei nicht unbedingt glücklich, eher getrieben. Eben auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Yoga: Erste Hilfe und zur Selbstoptimierung

Glücksformel Yoga? Warum Yoga glücklich macht

Möglicherweise ist das Problem, dass wir Yoga wie ein Erste-Hilfe-Kit benutzen, also symptomatisch. Es soll unseren akuten Zustand verbessern. Wir wünschen uns erholsameren Schlaf, wollen unsere Rückenschmerzen loswerden oder die schlechte Laune. Schlimmer noch: Wir benutzen es für unseren Selbstoptimierungswahn. Wir wollen mit Yoga erfolgreicher und leistungsfähiger werden, besseren Sex haben und jung und attraktiv bleiben. Wenn man auf Facebook und Co. unterwegs ist, trifft man überall auf den durchtrainierten Hipster-Yogi, der mit perlweißem Dauergrinsen zwischen L.A., Hongkong und Bali pendelt, und auf Açai-Smoothies zum Frühstückt schwört. Alternativ die weibliche Version davon: das Influencer Girl in neuester Yoga Wear oder auch im Bikini, mit Mala-Kette, Motto-Bracelet und dem Nagellack passend zur Leggins, die sich ihren 100.000 Followern auf Instagram täglich in Yoga-Haltungen präsentiert, von denen nicht einmal Herr B.K.S. Iyengar gewusst hat, dass es sie überhaupt gibt. Und dabei ist sie so mühelos schön, erfolgreich und glücklich (sieht jedenfalls so aus), dass sich der Otto Normal-Yogi im Vergleich plötzlich ein bisschen schäbig vorkommt. Dabei ist die tiefe Wirkung, die Yoga haben kann, nicht an der Oberfläche zu suchen oder zu finden.

Soll Yoga glücklich machen?

Die Zeiten des dürren Asketen, der nackt und mit wildem Blick in Sack und Asche ging, sind jedenfalls definitiv vorbei. Wir haben die altindische Weisheitslehre dem westlichen Gaumen angepasst, die Rezeptur mit etwas Zeitgeist angereichert und nur gerade eben so viel Räucherstäbchen, Mantra und Shivashanti importiert, dass es unsere spirituelle Sehnsucht und unser Bedürfnis nach etwas Exotik zufriedenstellt. Oder so weit, wie wir die wahre Bedeutung von all dem, vor unserem ganz andersartigen kulturellen und spirituellen Hintergrund, überhaupt erfassen können.

Aber so läuft's halt. Man nimmt etwas, das es schon gibt, stutzt es ein wenig zurecht und denkt sich am besten noch einen griffigen Namen dafür aus, damit es verkauft. So gibt es etliche Yogastile, -Brands, Yoga für jede Jahreszeit und jede Befindlichkeit und alles hat sein eigenes Label. Das ist ja auch alles schön und gut und tut ja auch seine Wirkung. Wenn einem dauernd das Kreuz schmerzt oder der Stresspegel kurz vor Burnout steht, muss man sich darum kümmern, und das können die verschiedenen Yoga-Adaptionen wahrscheinlich. Aber machen sie uns glücklich? Und noch interessanter: Soll uns Yoga überhaupt glücklich machen? Ist das der Sinn der Übung? Ist das der ursprüngliche Gedanke, das Ziel der Yoga-Praxis?

Die Erfahrung von Einheit

Glücksformel Yoga? Warum Yoga glücklich macht

Das Wort selbst gibt darauf die Antwort, denn Yoga heißt Einheit. Und ursprünglich zielt die Yoga-Praxis eben auf die Erfahrung dieser Einheit ab. Eine Erfahrung, in der sich die Subjekt-Objekt-Trennung vollkommen auflöst und der Wahrnehmende und das Wahrgenommene zu einer Einheit verschmelzen. Wie es in Patajalis Yoga-Sutren so schön steht: „Citta vritti nirodaha”: „Der an die Person geknüpfte Verstand wird im individuellen Geist so still, das dieser im universellen Geist aufgeht, und wir uns nicht mehr als getrennt von allem wahrnehmen, sondern als das Eine in allem erwachen.” Samadhi.

„Yoga is not about living better. It's about exploring the very source of life”, sagt der indische Meister Sadhguru: „Im Yoga geht es nicht um ein besseres Leben. Es geht darum, die Quelle des Lebens selbst zu entdecken.”

Alle positiven Wirkungen der Yoga-Praxis sind also Nebenprodukt der Übungen, die das menschliche System eigentlich auf diese Einheitserfahrung vorbereiten sollen: Asana, Pranayama und Meditation lösen gezielt körperliche, mentale und energetische Blockaden und räumen so nach und nach sämtliche Hindernisse beiseite, die diese Einheitserfahrung verhindern. Denn diese wird mit dem Aufsteigen von Energie assoziiert, und die kann dann befreit fließen. Man spricht vom Aufsteigen der Kundalini, der spirituellen Erweckungskraft.

Yoga macht glück-selig...

Normalerweise suchen wir unser Glück in äußeren Umständen. Job, Liebe, Lifestyle und Kontostand – unser Glückspegel hängt stark davon ab, inwieweit die Realität unseren Vorlieben und Abneigungen (in Yoga-Sprache: Raga – Dvesha) entspricht. Sich aber genau davon frei zu machen, ist in der Yoga-Lehre ein sehr großes Thema, ein unumgänglicher Meilenstein. Gelingt das, erlangt man Mukti, die Erlösung. Hat der Mukta, der Erlöste oder Befreite, alle Hürden beseitigt und lässt so der lebendigen Energie in sich freien Lauf, wird er eins mit der kosmischen Schwingung. Er strömt zurück zur Quelle, ist völlig im Flow mit der Wirklichkeit, ist quasi auf einer Wellenlänge mit Gott.

Der Yogi sucht also nicht sein Glück, denn das ist immer nur persönlich und temporär. Yoga dagegen beschreibt einen Zustand jenseits von Raum und Zeit. Es spricht vom Jetzt, vom andauernden Augenblick. Es heißt, wer darin dauerhaft aufgeht, ist weder glücklich noch unglücklich, sondern selig. In unserem Sprachgebrauch ergänzen wir das gern um eine kleine Vorsilbe, die den Zustand anschaulicher macht: Glück. Macht Yoga also glücklich? Nein, viel besser! Yoga macht glück-selig...

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