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"Triffst Du Buddha..." - Mönchsein für Anfänger

Von Alke von Kruszynski

Andreas Altmann hat ein Sachbuch geschrieben, das manchen Yoga- und Spiritualitäts-Foren zufolge einigen götterfürchtigen Sinnsuchern ein derartiges Gräuel zu sein scheint, dass sie sich nicht einmal aufraffen, das Buch zu lesen und sich ein eigenes Bild zu machen.
Was bedauernswert ist, als Eigenschaft und darüber hinaus in diesem Fall, weil diesen Leseverweigerern viele schonungslos gute und schön formulierte Gedanken und Beobachtungen zum Thema Buddhismus und Lebenshilfe entgehen. Denn Altmann gehört zu den besten und sicher zu den intensivsten Reiseautoren unserer Zeit. Für dieses Buch hat er sich doppelt auf den Weg gemacht. Räumlich nach Varanasi in Indien, wo er außerdem eine Reise zu seinen eigensten Dämonen angetreten ist: auf dem beschwerlichen Pfad des Vipassana.

Vipassana ist eine Meditationsform, bei der die Teilnehmer über mindestens eine Woche ausschließlich sitzen, schweigen und in klärende Selbstreflektion versinken. Oder wie Altmann schreibt: „Das lange Sitzen befördert den Seelenschlamm nach oben.“ Eine körperlich und emotional herausfordernde Praxis, der sich auch biegsamste Lotussitzer und spirituelle Beschlagene nicht ohne Ängste und Zögern aussetzen. Der 60-jährige Autor, dessen Recherchen oft in Situationen gemündet sind, die für Jedermänner und -frauen ein paar Umdrehung zu intensiv sein dürften, hat in dieser mönchischen Abgeschiedenheit gegen die Regeln des Vipassana Tagebuch geführt, um seinen Selbstversuch in allen Facetten zu dokumentieren.

Auf eine zweiten Ebene handelt das Buch von jenen, die Altmann gelernt hat zu beobachten. Auf dieser Reise begegnet er unter anderen einem Tantra-Lehrer, der ihm seine Frau anbietet. Trifft Westler wie der Lebenskünstler Nataniel, der ihm im überfüllten Zug seine Leidenschaft fürs Schreiben beichtet. Erlebt Freie und freiwillig Unfreie, Bettler, Rikschafahrer, Gurus und „Würstchen“: Menschen, die noch keinen Atemzug lang bewusst gelebt haben. Das, so Altmann und so Buddha, sollte jedoch das Ziel jeden Lebens sein. Und so sitzt Altmann, der sich als „nicht sonderlich talentiert für Spiritualität“ beschreibt, in der kargen Meditations-Halle von Satya Narayan Goenka, atmet und sitzt, atmet und sitzt, leidet in Knien und im Rücken und manchmal auch im Kopf. Und lotet dabei aus, ob auch er sich „in die Endlosschlange der Würstchen einreihen muss“.

Dabei findet er im Zentrumsgründer Goenka einen Mann, der ihm „eine Art Rüstung“ schenkt: „Man kann sie überall tragen. Sie stört nie, im Gegenteil, sie schmückt. Denn sie schützt den Geist vor den Anwürfen der Verblödung und die Innenwelt vor den Frostschäden schleichender Verrohung. Zugleich kann der Panzer ungemein porös werden. Dann lässt er Wärme durch, Wohlwollen, Nachsicht für viele, auch für sich.“

Dieser auch an dieser Stelle aufscheinende, begründete Zweifel am Vermögen des Menschen, sein Glück zu machen, zieht sich durch das gesamte Buch. Was es angenehm abhebt von den nach Unterwerfungshaltung miefenden Glücksratgebern all der „Eso-Schwadroneure“, mit denen die „Denkfaulen“ und „Schaffsfrommen“ unter uns so gern die Meinungssitzecken ihrer Existenzen polstern.

„Auch die Herren Buddha, Sayagyi und Goenka werden an den Grundfesten im Universum nicht rütteln: Die ,breite Masse‘ – feiner ausgedrückt: die Mehrheit – ist an eigenständigem Denken und Handeln nicht interessiert. Sie lässt denken und sie wird behandelt. Das ist die nackte, seit Jahrtausenden unzumutbare Wahrheit. Ganz und gar unfreundlich. Aber sie ist es. Ich bin somit nicht hierher gekommen, weil mich der Wahn verfolgt, der Buddhismus oder Vipassana trügen zur Verschönerung der Welt bei, der Weltbewohner. Mitnichten. Ich bin da, um ,erwachsen‘ zu werden. Um das eine, das einzige Leben so zu leben, dass ich auf dem Totenbett nicht in Tränen ausbreche über die vielen blassen Tage, die hinter mir liegen. Stärke ich hier zudem meine Bereitschaft zur Freundlichkeit, zum Mitgefühl mit allem, was Schmerz empfindet, dann will ich zweifach dankbar sein.“

Diese Sätze Altmanns in der Mitte des Buchs, ungeschminkt ehrlich und mitnichten zimperlich, sollten allen Vorab-Verächtern einen Grund geben, das Buch besser selbst in die Hand zu nehmen. Und sie beweisen, dass die Würstchen in der Dose, die sie ihr Leben nennen, weiterhin ohne Andreas Altmann auskommen müssen.

Triffst Du Buddha, töte ihn!
Dumont Verlag, ISBN 978-3-8321-9501-4. 255 Seiten.
Gebundene Ausgabe, 18,95 €