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Large yoga kerstin linnartz interview

Kerstin Linnartz: Ohne Yoga gibt es mich nicht

Von Kristin Rübesamen

Welche Erinnerung hast du an deine erste Yogastunde?

Daran erinnere ich mich sehr gut. Es war im einzigen Yogastudio, das es damals in Köln gab, wo ich zu der Zeit wohnte. Vor 20 Jahren war Yoga ja nicht an jeder Ecke präsent wie heute. Gott sei Dank landete ich so gleich zu Beginn in einem Studio, das das „Komplettpaket” anbot: Asanas, Meditation, Chanting und Philosophie. Da ich aus dem Profisport kam, war die Mittelstufenklasse sehr easy für mich und ich wollte sofort mehr.

War es Liebe auf den ersten Blick/im ersten Hund?

Ja, es war wie nach Hause kommen. Ich bin in den ersten Jahren gefühlt jeden Tag ins Yogazentrum gegangen.

Wie hat sich deine eigene Praxis verändert seitdem?

Im Laufe der mehr als 20 Jahre, die ich nun praktiziere, habe ich so ziemlich jede Phase des Übens durchlaufen (lacht). Von extremen körperlichen Herausforderungen, mit denen man die eigenen Grenzen ausweitet, weil man z.B. den perfekten Skorpion hinbekommen möchte, über die jahrelange Phase des Erforschens von Meditation und der Ruhe und Stabilität, die damit einhergeht, bis hin zu der Leichtigkeit, mit der ich heute genau weiß, was ich wann brauche. Sehr schön waren meine vielen Yogareisen und langen Aufenthalte in Ashrams, bei denen ich in der ganzen Welt mit großartigen Lehrern – bekannten und unbekannten – geübt habe, alle Stile durchprobiert, das Beste für mich herausgefunden und daraus meine eigene Essenz entwickelt habe. Diesen Werkzeugkoffer teile ich heute so gern mit meinen Schülern, gibt er uns doch für jede Situation und jeden Menschen das Richtige an die Hand. 

Wie und was übst du heute gerne?

Heute schaue ich eigentlich jeden Tag, wie es mir geht und was mein System braucht. Gott sei Dank ist sowohl körperlich als auch geistig die Praxis so tief in mir verankert, daß ich viel schneller und mit weniger Zeit in  Entspannung komme oder mir einen Energiekick holen kann. Denn mit einer kleinen Tochter und einer eigenen Firma ist natürlich der Tag wesentlich voller als noch vor ein paar Jahren. Das sage ich auch meinen Schülern immer wieder: es ist besser, jeden Tag ein paar Minuten einzubauen, als nur einmal im Monat eine lange Klasse zu besuchen. 

Wie wichtig sind Asanas für dich?

Nach so vielen Jahren haben die Asanas natürlich eine andere Bedeutung. Es geht ja nicht mehr darum, zu verstehen, wie man welche Position einnimmt. Das sollte im Körper eines Lehrers eine Selbstverständlichkeit sein (lacht). Vielmehr nutze ich einzelne Asanas gezielt dazu, meinen Körper zu dehnen, wo es zwickt, oder zu kräftigen, wo er beansprucht wird. Bestimmte Sequenzen setze ich ein, um mich zu entspannen oder mir extra Power zu holen. Das ist wie ein Autopilot: mein System reagiert extrem schnell auf die gewohnten Sequenzen, da sie tief in den Zellen abgespeichert sind. So ist es inzwischen auch ok, wenn ich mal eine Zeit lang weniger geübt habe, weil einfach zu viel los war. Sobald ich dann wieder mehr auf der Matte bin, weil ich z.B. eine Yogalehrerausbildung leite, braucht es nur wenige Tage, bis wieder alles fließt.

Welcher Aspekt von Yoga interessiert dich heute am meisten?

Ich ziehe keinen Aspekt besonders vor oder heraus. Für mich sind Asanas, Atem, Meditation, Philosophie, Ethik, Ernährung und alle anderen Aspekte des Yoga zu einer selbstverständlichen Einheit verschmolzen, die jeden Bereich in meinem Leben durchzieht und beeinflusst, ohne daß ich darüber nachdenken muss. Ich „mache” Yoga nicht, ich lebe es. Deswegen findet bei mir Yoga auch nicht nur auf der Matte statt, sondern vor allem in der Zeit „off the mat”. 

Wer bist du ohne Yoga?

Mich gibt es nicht ohne Yoga! (lacht)

Yoga im Alltag: Was heißt das konkret für dich?

Yoga im Alltag heißt für mich, mit jeder Situation einfach besser umgehen zu können. Deswegen habe ich meine Firma auch „be better” genannt. Der Werkzeugkoffer für unser Leben ist so umfangreich: Verspannungen weg bewegen. Kraft er-üben. Stress wegatmen. Freude tanken. Herz öffnen. Liebe teilen. Sich verbinden. Offen hinschauen. Klar kommunizieren. Sich gut fühlen. Stark sein. Schmerz schneller verarbeiten. Weich sein können, mit mir und anderen. Ehrlich denken und fühlen. Keine Angst mehr haben. Bewusst essen und trinken. Entspannt genießen und auch mal faul sein dürfen. Denn es wird immer wieder alles gut. Dank Yoga!