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Alles über das Jivamukti-Teacher Training 2018

Von Kristin Rübesamen

Wir sprechen mit Antje Schäfer, Co-Gründerin von Jivamukti München und fragen sie anläßlich des diesjährigen Jivamukti-Teacher Trainings im Herbst auf der Fraueninsel.

Es gibt jede Menge Yogalehrer. Wozu brauchen wir noch mehr?

Damit es eine größere Chance gibt, auch nicht neurotische oder narzisstisch veranlagte Yogalehrer zu bekommen! Nein, Spaß beiseite. Ich bin der festen Überzeugung: Je mehr unterschiedliche Leute Yogalehrer werden, umso mehr Menschen fühlen sich angesprochen Yoga zu üben. Und das tut jedem und der Welt gut. Je mehr Yoga geübt wird, umso besser.

Jivamukti Yoga unterscheidet sich durch vieles, vor allem aber einen strengen ethischen und technisch ausgefeilten Ansatz von anderen Methoden. Was lernt man, wenn man die Jivamukti-Ausbildung macht?

Alles, was man zum Yoga-Unterrichten und für seine eigene Yoga-Praxis braucht. Man bekommt einen sehr ausführlichen und guten Rundumüberblick. Yoga-Philosophie, Sanskrit, Anatomie, Asanas, Pranayama, Meditation, verschiedene Unterrichtstechniken, Konzepte für Yogastunden und vieles mehr.

Für mich passt das Bild eines fruchtbaren Bodens. Das Teacher Training stellt einen Humus zur Verfügung und setzt Samen hinein. Im laufe des Lebens pflegt man diesen, beackert ihn immer wieder neu und erntet immer weiter Früchte. Manche Pflanzen gedeihen ganz schnell und um andere Samen kümmert man sich erst viel später. Alles hat seine Zeit. Aber der Grundstock ist gelegt und den kann einem auch nicht mehr genommen werden. Man lernt und bekommt sehr viel!

Was lernt man nicht?

Gute Frage! Da ist mir noch nichts aufgefallen! Vielleicht fehlt in den vier Wochen die Zeit, viel Unterrichtserfahrung zu sammeln. Das Unterrichten wird gelehrt und auch geübt. Aber natürlich nur in einem begrenzten Rahmen. Aber dafür gibt es ja dann das Apprenticeship, als eine Art Praktikum, danach. Da geht man bei einem/r Jivamukti-Lehrer/in sozusagen in die Lehre. So hat man drei Monate bis zu einem Jahr Zeit, alles in Ruhe zu üben und individuell angepasst zu lernen.

Jivamukti macht die Ausbildung in Deutschland traditionell auf der Fraueninsel in Bayern. Welche Vorteile hat die „Boot Camp”-Situation?

Diese Yoga–Bubble auf der Insel ist ein Traum. Rundherum der Chiemsee, der Blick auf das Wasser und die Berge, die traumhafte Sonnenaufgänge, die Ruhe, die Natur, das Kloster und die entspannte Stimmung auf der Insel, keine Autos, kein Lärm, viel frische Luft. All das unterstützt das Eintauchen und ermöglicht, sich wirklich nur um Yoga zu kümmern! Man ist komplett versorgt, wird bekocht, hat einen klaren Tagesablauf und hat keine Alltagsthemen, die einen Ablenken. Und ist umgeben von Menschen, die sich wirklich für Yoga interessieren! Diese Kombination zusammen ist die eine wirklich gute Voraussetzung, dass Yoga statt finden darf!

Was unterscheidet die deutschsprachige Ausbildung von der internationalen?

Die Sprache! Viele wollen diese wichtigen Inhalte lieber in ihrer Muttersprache lernen. Und wer auf Deutsch unterrichten will, für den ist es hilfreich, die Ausbildung auch auf Deutsch zu machen. Sonst ist alles gleich.

Welchen Anspruch siehst Du bei den Lehrern, die dort unterrichten werden?

Viel Erfahrung. Und Freude daran, das Wissen weiter geben zu wollen.

Auf wen würdest Du dich am meisten freuen, wenn Du das Training mitmachst?

Auf Sharon (Gannon, Mitgründerin von Jivamukti, d. Red.) natürlich! Sie kommt zu Besuch!

Welchen Anspruch sollten die Schüler, die kommen werden, erfüllen oder anders: Wird jeder genommen?

Anmelden kann sich jeder, der die Ausbildung machen möchte. Ein „Burning Desire“, ein wirkliches Interesse sollte vorhanden sein, und ist es normalerweise auch. Ein solches Interesse hat sich auf alle Fälle als hilfreich erwiesen. Ich weiß nur von einem, der das Training nicht bis zum Ende gemacht hat. Der hatte sich das, glaube ich, mehr wie einen Yogaurlaub vorgestellt. Vor der Ausbildung sollen einige Bücher gelesen werden und ein paar eigene Texte geschrieben werden. Diese „Aufsätze“ zu verfassen ist sozusagen das einzige Auswahlkriterium.

Früher machten die Jivamukti-Ausbildungen die Gründer der Methode, Sharon Gannon und David Life, heute nur mehr ihre Schüler. Wie wird dieser Bedeutungsverlust wettgemacht? 

Sharon und oder David kommen ja zu jeder Ausbildung und unterrichten auch. Die beiden haben mit viel Einsatz das Training entwickelt, strukturiert und stetig überarbeitet. Es ist ein sehr gut und exakt erarbeitetes Konzept, in dem sie ihr Wissen zusammenfassen und teilen. Ihnen ist sehr wichtig, dass jede Ausbildung genau die selben Inhalte hat. Insofern bekommt man immer das Wissen von Sharon und David, auch wenn es zum Teil jemand anderes unterrichtet. Viele Schüler kennen Sharon und David gar nicht oder nur wenig. Aber sie kennen ihre eigenen Lehrer. Viele machen gerne ihre Ausbildung bei jemanden, den sie schon kennen.

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Was macht Ihr heute besser als früher?

Dass es jetzt Mentoren und Kleingruppen gibt, ist wesentlich besser! Da wird der Stoff des Tages noch mal wiederholt, Fragen werden geklärt. Die Schüler üben zum das Unterrichten erst mal in ihrer Mentorengruppe. Und man hat einen Ansprechpartner. Der Mentor/die Mentorin ist für den Schüler bei der Ausbildung mindestens eine so wichtige Person, wie der Lehrer, wenn nicht eigentlich bedeutsamer.

Welche Erinnerung hast du an deine eigene Ausbildung? Höhen? Tiefen?

Sehr intensive, sehr besondere, sehr schöne Zeit! Man zehrt noch jahrelang von den Inspirationen und Grundsteinen, die während der Ausbildung gelegt werden. Sowohl für den eigenen Yogaunterricht, aber auch für die Entwicklung der eigenen Yoga–Praxis. Als Höhe habe ich das sich gegenseitige Unterrichten der ersten ganzen Yogastunden erlebt. Für mich war schwierig, dass ich den ganzen vier Wochen nachts kaum geträumt habe. Das war sehr merkwürdig für mich.

Was kann schiefgehen?

Dass jemand denkt, er wäre in einer Sekte gelandet! Entschuldige, aber das ist doch immer etwas absurd, dieser Gedanke. Aber auch selbst dieses Klischee kann man klären.

Was unternehmt ihr, wenn Störenfriede aufmucken?

Bisher konnten wir im Einzelgespräch immer alles klären und lösen.

Was habt Ihr für Tricks gegen Lagerkoller?

Meditation.

Wem würdest Du abraten, die Jivamukti-Ausbildung zu machen?

Wer nur auf Bühne aus ist und oder nur Sexualpartner finden möchte. Dem rate ich allgemein davon ab Yogalehrer/in zu werden! Ansonsten, und das liegt auf der Hand: wer kein Interesse an Yoga hat!

Was ist der Vorteil einer Ausbildung, die am Stück stattfindet, gegenüber einer, die sich über Monate hinzieht?

Dass man nicht immer wieder aus seiner Yoga–Bubble herausgerissen wird, sondern man da bleibt. Und sich ohne Ablenkung mit Yoga beschäftigen kann. So darf Tiefe entstehen. Es ist wie mit der Meditiaton–Praxis. Eine Veränderung des Geistes findet meist erst frühestens nach 8 bis 10 Minuten statt. Wenn man nur ein Wochenende im Monat für 3 Minuten Meditation übt, kommt man nicht an den selben Ort, wie wenn man mal eine Zeitlang täglich länger still sitzt und sich konzentriert.

Bei Sivananda gibt es eine Vier-Wochen-Ausbildung in Tirol schon für knapp 2.000 Euro. Die Jivamukti-Ausbildung kostet viermal so viel. Wodurch rechtfertigt sich der Preis?

Hmmm, ich hab die Sivananda-Ausbildung nicht gemacht, daher weiß ich nicht, wie sie diesen Preis rechtfertigen, bzw was man dafür bekommt. Meine Ausbildung 2003 hat auch schon um die 6000 US-Dollar gekostet. Diesen Preis haben Sharon und David als passend für diese umfangreiche, detaillierte und von einem starken Team unterrichtete Ausbildung festgelegt. Der Preis wurde seit dem auch nicht mehr oder nur kaum erhöht. Ich habe es damals als Kosten für eine fundierte Berufsausbildung als angemessen erlebt. Und wenn man ehrlich ist, war das vor 15 Jahren noch viel mehr Geld, als es heute ist. Also finde ich den Preis für die Qualität, die man bekommt, auch immer noch gerechtfertigt.

Dass man etwas sehr gutes bekommt sieht man auch daran, dass z. B. sehr viele Vinyasa- oder andere Yogalehrer von dynamischen Stilen die Jivamukti-Ausbildung als 2. oder 3. Ausbildung machen. Sie scheinen sich nach ihren ersten Ausbildungen nicht so befriedigt oder ausreichend ausgebildet zu fühlen, dass sie das Bedürfnis haben, dieses Training auch noch zu machen. Irgendwas scheint zu fehlen, was in der Jivamukti Ausbildung angeboten wird.

Dafür, dass Yogalehrer kein geschützter Beruf ist, dass sich jeder Yogalehrer nennen kann, ist die Ausbildung teuer. Welche Garantie haben eure Schüler, später auch einen Job als Lehrer zu finden?

Dass sie gut sind! Ob man als Yogalehrer einen Job findet, entscheiden im Endeffekt die Schüler, nicht die Zertifikate. Also ist eine gute Ausbildung viel wert.

Kann man durchfallen? 

Jein. Nicht bei den Prüfungen. Aber... die einzige Anforderung zum erfolgreichen Abschluss ist die Anwesenheit! Man muss bei dem kompletten Unterricht anwesend sein. Wenigstens physisch!

Welches könnte der schönste Moment in diesen vier Wochen werden?

Für mich wäre das der Moment, in dem alle innerlich angekommen sind und Yoga statt findet – auf allen Ebenen. Dann stellt sich eine konzentrierte Stimmung ein, das ist wie ein sanfter Groove, in den die ganze Gruppe einsteigt. Dann ändern sich auch die Gesichter, werden weicher und hübscher, die Augen strahlen und leuchten. Das ist immer sehr besonders.

 

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