Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.

YogaEasy weiterempfehlen und gratis trainieren! ywy-logo 1 Freund = 1 Monat kostenlos! Mehr erfahren

Large fan1003405

Cornelia Baumermann: „Jeder Mensch kann Yoga“

Von Katharina Goßmann

Yoga hat viele positive Eigenschaften. Psychische Effekte wären Stressabbau und größerer innerer Ruhe, körperliche Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen nehmen ab, das Immunsystem wird gestärkt. Yoga entgiftet und fördert Muskelaufbau, Flexibilität und das physische Gleichgewicht und verbessert so das gesamte Körpergefühl. Menschen, die großen Belastungen ausgesetzt sind, könnten also von einer regelmäßigen Yogapraxis profitieren. Innere Ruhe und eine stabile Gesundheit sind schließlich die besten Voraussetzungen, um einen herausfordernden Alltag zu meistern. Was aber, wenn die Belastungen körperlicher Natur sind? Wenn Menschen unter starkem Übergewicht, chronischen Krankheiten, massiven Gelenkbeschwerden leiden oder im Rollstuhl sitzen? Ist Yoga bei solchen körperlichen Einschränkungen noch sinnvoll – oder auch nur möglich?

Cornelia Baumermann beantwortet diese Frage eindeutig positiv. Die Hamburger Sivananda-Yogalehrerin bot kürzlich bei Yogamoves einen Workshop für Menschen an, die trotz körperlicher Einschränkungen Yoga praktizieren wollen. Im Studio und in solchen konzentrierten Lehr-Einheiten erarbeitet sie gemeinsam mit Betroffenen individuelle Lösungen: Manchen helfen schon passende Variationen der Standard-Asanas, bei anderen werden Haltungen ersetzt, und auch Hilfsmittel wie Kissen, Decken, Blöcke und Gurte spielen eine große Rolle.

Können alle Menschen Yoga praktizieren? Oder gibt es Beschwerden, bei denen Yoga nicht möglich oder sogar kontraindiziert ist?

Grundsätzlich gilt: Bezieht man alle Aspekte des Yoga mit ein – vor allem Entspannung und Meditation –, kann jeder Mensch Yoga üben, so lange er atmet. Vor dem Einstieg in einen Yogakurs würde ich bei Beschwerden aber zu einem Arztbesuch raten – der Arzt muss sein Okay geben. Ich würde niemanden in Asanas unterrichten, der unter Knochenmetastasen, an einem Hirntumor oder einem nicht medikamentös eingestellten Bluthochdruck leidet. In den meisten Fällen muss jedoch individuell entschieden werden: Wie gezielt geht der oder die Yogalehrende auf die Teilnehmer ein? Ist die Gruppengröße klein genug, um eine individuell angepasste Praxis zu ermöglichen?

Du selbst hast deine starken Rückenschmerzen durch Yoga geheilt. Aber kann Yoga bei Rücken-, Nacken- und Knieproblemen nicht auch gefährlich sein?

Yoga kann auch gefährlich sein. Wenn ich meine Grenzen nicht respektiere, ehrgeizig bin und genau so flexibel sein möchte wie die Person, die gerade neben mir liegt. Oder wenn ich an einen Yogalehrer oder eine -lehrerin gerate, die Leistungsaspekte in den Unterricht hineinträgt. Aber wer die eigenen Grenzen wahrnimmt, um sie dann mit viel Geduld, liebevoll und behutsam zu verschieben, kann Yoga praktizieren, selbst wenn er körperlich eingeschränkt lebt. Einige Haltungen werden wahrscheinlich nicht möglich sein – aber das ist ja kein Problem.

Ist Yoga für stark übergewichtige Menschen sinnvoll? Oder erst, wenn das Übergewicht abgebaut ist?

Sicher. Auch hier gilt es, individuell angepasste Varianten für den Teilnehmer zu finden, Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, durch Achtsamkeit den Körper intensiv wahrzunehmen. Mit Yoga können Übergewichtige wieder zu sich und ihrem Körper finden, werden sich entspannter und wohler fühlen und daraus Kraft schöpfen. Und diese Kraft kann ihnen dann auch dabei helfen, abzunehmen. Vorausgesetzt, sie wollen das.

Und wenn ich nicht mehr ganz jung und ziemlich unsportlich bin? Oder unter rheumatischen oder arthritischen Beschwerden leide?

Letztlich lautet die grundsätzliche Frage, ob ich mich bei dem Lehrer bzw. der Lehrerin aufgehoben und wertgeschätzt fühle. Gehe ich nach dem Kurs entspannt und froh nach Hause, oder bin ich erschöpft und ausgelaugt? Als Lehrerin ist die wichtigste Zutat meines Unterrichts die Zuwendung zu den Teilnehmenden. Kleine Gruppen, die Raum und Zeit für die Bedürfnisse des Einzelnen lassen, sind optimal.

Yoga kann man also auch im Rollstuhl machen?

Yoga ist auch für Rollstuhlfahrer möglich. Es gibt angepasste Sonnengrüße und Körperübungen, speziell für Menschen, die nur sitzen können. Der Gewinn des Yoga hängt ja nicht von Steh- oder Liegeübungen ab, sondern von einem grundlegend gesteigerten Körperbewusstsein und Wohlempfinden.

Viele Menschen mit körperlichen Problemen scheuen sich davor, Yoga zu praktizieren. Zu groß ist ihre Angst, etwas falsch zu machen, die Einschränkungen zu deutlich vor Augen geführt zu bekommen oder auch im Vergleich mit anderen Schülern zu „versagen“. Das ist sehr bedauerlich. Denn wer es zum Yoga geschafft hat, kann wunderbar lernen, sich selbst anzunehmen und trotzdem sanft die eigenen Grenzen zu erweitern – sich Gutes zu tun und sich dabei nicht in Vergleiche und Wettbewerb zu verstricken. Zugegeben, es ist nicht ganz leicht, den richtigen Lehrer bzw. die richtige Lehrerin zu finden und gemeinsam eine individuell geeignete Yoga-Praxis zu entwickeln. Auch wenn das Internet es mittlerweile leichter gemacht hat, Yogakurse für Menschen mit speziellen Bedürfnissen zu finden. Aber wenn daraus eine lebenslange Bereicherung für Körper und Geist erwächst, ist es das Wagnis definitiv wert!

Web-Tipp: Yoga Vidya bietet im Internet das Video Sonnengruß für Menschen mit Rückenproblemen an!

Diese Videos passen zum Thema