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Large yoga mantra om singen
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Ist Singen für den Weltfrieden naiv? Hoffentlich.

Von Kristin Rübesamen

Keine Angst

Keine Angst haben, sich was trauen, Pläne schmieden ist ein Privileg der Jugend. Je älter wir werden, je mehr wir verstehen und gesehen haben von der Welt, desto schwerer fällt es uns, zuversichtlich zu bleiben. Der Yogi, der den ganzen Tag grinsend im Lotus am Ganges sitzt? Bekifft. Die Freundin, die ihre Prada-Loafer zu den Flüchtlingen trägt? Lächerlich. Die Alten, die im Zoo warten, bis sich das Nördliche Breitmaulnashorn zeigt: crazy. Die Nachbarin, die kein Handy hat: sicher arbeitslos. Die Kollegin, die nur noch mit eigenem Besteck verreist aus Protest gegen Plastikmüll: Hmm.

Es ist keine Bach-Kantate

Manche brauchen Monate, bis sie sich trauen, ein Om zu singen. Es ist nicht gerade eine Bach-Kantate, es ist eine Silbe, die noch dazu... nichts bedeutet, oder? Es ist leicht, sich lustig zu machen. Wer über Leute, die die Welt verändern wollen, lacht, hat den Applaus der breiten Masse sicher. Die breite Masse will sich nicht ändern, wir wollen uns nicht ändern, lieber lenken wir uns ab. Stichwort: Kognitive Dissonanz.

Verbindung mit den anderen? Lieber nicht.

Auch im Yoga machen wir gerne die Augen zu. Auch im Yoga ist es leicht, abzuschalten. Yoga ist Verbindung mit dem Atem. Das genügt ja wohl. Verbindung mit den anderen? Vielleicht nachher beim Chai, aber ehrlich gesagt: Lieber nicht, wir haben genug im Kopf.

Vibrationsalarm

Das OM aber, das wir vor oder nach der Praxis chanten oder sogar beide Male, verbindet uns. Nicht nur mit uns selbst, sondern auch mit den anderen. Manchmal kommt es schief und unharmonisch heraus, manchmal wächst es und trägt und dröhnt noch eine Weile nach. Sanskritgelehrte und Yogalehrer können eine Menge erzählen über Nada Yoga, den „inneren Sound“, den „ewigen Sound“, über seinen Ursprung in den Upanishaden. Aber, Hand aufs Herz, das tun wir Yogis tatsächlich, oder? Wenn ihr euch die Hand aufs Herz legt und diese eine Silbe anstimmt, genügt das Vibrieren, um zu verstehen, was gemeint ist. Wir müssen nicht mehr dazu wissen. Es ist eine Silbe, die uns vermittelt, dass wir nicht allein sind. Und solange wir nicht alleine sind, besteht Grund zur Hoffnung. Kinder wissen das. Wir nennen sie naiv.

Ein Om für den Weltfrieden

Deshalb Om. Für den Weltfrieden, die Nachbarin, die Freaks und die Verrückten und die Kinder, die eine bessere Welt verdient haben, als wir sie ihnen übergeben werden. Nach dem Om: Augen auf.