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Holger, 46, Anwalt, und... Yogi
Bild: YogaEasy.de

Holger, 46, Anwalt, und... Yogi

Von Kristin Rübesamen

"Angefangen habe ich mit 36 Jahren, also vor zehn Jahren. Mein Gesundheitszustand war damals ganz ok, aber ich hatte zunehmend mit Verletzungen zu tun. Ich spielte Tennis und manchmal auch Fußball, keine Ahnung, ob es daran lag, dass ich relativ groß bin, dazu etwas ungelenk, aber ich verletzte mich regelmäßig beim Sport. Außerdem hatte ich natürlich die obligaten Rückenschmerzen durch die Schreibtischarbeit. Ich machte zwar ein bisschen Krafttraining, das hat auch etwas gebracht, aber konstant weggegangen sind die Rückenschmerzen und meine generelle Verletzungsanfälligkeit erst durch Yoga.

Ich kann mich noch genau an meine erste Stunde erinnern. Sie war bei Patricia im Spirit Yoga hier in Mitte. Damals waren noch nicht viele Leute da, das Studio gab es noch gar nicht so lange. Jedenfalls hat mich eine Freundin mitgenommen mit den Worten: „Yoga wird dir gut tun“.

Bis dahin wusste ich eigentlich nichts über Yoga und dachte, Yoga sei etwas Komisches, etwas Esoterisches. Ich hatte keinen Schimmer, dass es dann so anstrengend sein würde. Den Muskelkater, den ich anfänglich nach den Yogastunden hatte, werde ich nicht vergessen.

Heute nutze ich Yoga aus drei Gründen: Weil es mir generell beim Sport hilft (ich würde sogar sagen, dass ich jetzt besser Tennis spiele als früher, da ich beweglicher bin), als Prävention gegen Rückenschmerzen und Verletzungen und schließlich auch, um meinen Kopf frei zu bekommen.

Das beim Yoga so besondere Atmen finde ich nach wie vor etwas schwierig, aber ich verstehe langsam, wie jede Bewegung durch Atmung leichter wird, und dass sich letztlich auch Stress wegatmen lässt - manchmal benutze ich dieses Atmen tatsächlich im normalen Leben als Technik zur Stressbeseitigung, und es funktioniert!

Ich würde sogar behaupten, dass ich durch Yoga ein ruhigerer Mensch geworden. Früher war ich leichter gestresst und ungeduldiger, aber ich denke, das ist jetzt besser geworden, auch dank Yoga.

Ich habe, weil es mir gut getan hat, auch mal den einen oder anderen meiner Kumpels mitgenommen, aber keiner von denen hat durchgehalten. Mir ist das recht, denn Yoga übt man sowieso eher alleine.

Und ich übe Yoga nicht nach dem Leistungsprinzip, das sollte niemand tun. Ich musste allerdings erst lernen, dass es nichts bringt, sich mit den anderen in der Yogaklasse zu vergleichen. Es ist beim Yoga egal, wie groß, wie klein, wie dünn, wie dick oder wie alt man ist (wobei mir bei meinen Aufenthalten in den USA aufgefallen ist, dass dort wesentlich mehr ältere Semester - und auch deutlich mehr Männer - Yoga machen als in Deutschland). Und auch vor den Yogafrauen um mich herum, von denen immer so viel die Rede ist, brauchen Männer keine Angst zu haben, die sind alle sehr nett! Man nimmt während der Yogastunden sowieso nicht besonders wahr, wer sonst noch so im Raum ist, da man schon genug mit sich selbst zu tun hat.

Mir gefällt am Yoga, dass man für alles, was man gut findet, über die Zeit Alternativen entwickeln kann und die Asanas ebenso übt, wie es für einen selbst am besten geht. Und ich finde es auch gut, wenn die Atmosphäre im Studio freundlich, aber auch ein bisschen großstädtisch und anonym ist. Es gibt auch beim Yoga wie in jeder Szene eine gewisse Etikette, die man schnell lernt. Jeder übt für sich, man sieht sich dabei nicht direkt an, und deswegen gibt es auch keine Konfrontationen, und trotzdem übt man nicht allein.

Eine meiner Lieblingshaltungen ist der Krieger 2. In dieser Haltung kann ich Stärke, Koordination und Ruhe üben, ich bewege mich in alle Richtungen, dehne Körper und Geist gleichermaßen.

Das Esoterische, auch das Philosophische am Yoga kann abschreckend wirken, das muss ich einfach sagen, und selbst nach zehn Jahren muss ich gestehen, dass ich mich noch nicht allzu sehr damit befasst habe, obwohl ich regelmäßig ein- bis zweimal die Woche übe. Meistens morgens oder mittags übrigens, seltener abends.

Mein Tipp an alle Männer: Probiert es einfach aus. Es wird euch nichts passieren. Alle Menschen, die Yoga machen, sind sehr nett.

Dass so wenig Männer Yoga machen, liegt wohl an ihrem Unwissen. Dabei könnten sie es mit Sicherheit gut brauchen. So wie ich."

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