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Frank Schuler von Vishnus Couch: Frankys Flow

Frank Schuler von Vishnus Couch: Frankys Flow

Von Kristin Rübesamen

YogaEasy.de: Wie war deine Lebenssituation, als Du mit Yoga angefangen hast?

Frank Schuler: Ich war Co-Direktor einer kleinen feinen Werbeagentur, recht gute Einkünfte, interessante Kunden, Anzug, Junior Suite, alles hip und lässig, jeden Winter ein zwei Monate am Strand. Jeder hätte wohl gesagt, dass ich voll in meinem Element sei, aber ich blieb sehnsüchtig. Das ‚Produkt’ stimmte nicht. Werbung braucht man eben, um dem Anderen Dinge anzudrehen, die er gar nicht braucht. Unbefriedigend.

Warum Yoga und nicht Eisstockschiessen oder Salsa?

Sport fand ich schon als Kind irritierend und künstlich, Tanzen, Toben, Laufen natürlicher. Yoga schien mir erst mal extrem uncool, aber es gab eine heimliche Sehnsucht, den Körper und das Herz so elegant mit Kraft und Energie zu füttern. Das Atmen, der Ausdruck, die Gesten haben mich angezogen.

Wie viele Männer gab es zu der Zeit, als Du angefangen hast?

In meinen ersten Yogaklassen praktisch keine. Mit der Eröffnung der Studios aber rasch einen satten Anteil. In meinen eigenen Klassen können es mittlerweile schon mal 40 Prozent werden.

Wie hat Dein Körper reagiert?

Erstmal gab es Suchtanzeichen, zu Beginn konnte ich nicht genug bekommen und war zusätzlich noch in der Muckibude. Damals habe ich mir geschworen, kein einziges Buch über Yoga zu lesen und den Körper machen zu lassen, eine ganz neue Gangart. Nach über 10 Jahren habe ich eher aufgehört zu toben, fühle mich körperlich fast wohler und eine Menge Yogabücher habe ich dann doch noch gelesen.

Wie schwer war die Entscheidung, Yogalehrer zu werden?

Von einer Entscheidung kann ich kaum reden. Wir haben unsere Agentur aufgelöst, ich habe ein selbst verordnetes Sabbatjahr genutzt, um mein Yoga durch die erste Ausbildung zu vertiefen, und dann war es um mich geschehen.

Wie lange braucht man, um ein guter Yogalehrer zu werden, und was ist das überhaupt?

Erst mal braucht man wohl eine Veranlagung, ein Wesen, um die Menschen und das Unterrichten zu lieben. Auf die Art, die zu einem passt, muss man sich mutig auf die Tiefe einlassen, die der Yoga als Schüler und Lehrer bietet, Hingabe und Mitgefühl müssen ebenso wachsen dürfen wie die Erfahrung mit Techniken und Werkzeugen.

Welche Schüler sind die schwierigsten und welche sind dir am liebsten?

Nach den Jahren sind mir eigentlich alle recht. Immer wieder überraschen mich Schüler, da gilt es eher zwischenmenschlich wach und aufmerksam zu bleiben und für sich und den Schüler alles rauszuholen. Freude entsteht gemeinsam, wenn man sieht, dass in den Rollen als Lehrer und Schüler Achtung und eben ein kräftiges Yoga entsteht. Selten passt es mal gar nicht und man lässt sich besser rasch wieder ziehen.

Schon mal jemanden aus der Klasse rausgeworfen?

Nicht willentlich, aber es sind schon Leute gegangen, die mit mir nicht klar kamen. Das bereue ich nicht, es gibt ja so etwas wie unausgesprochene Verabredungen, um miteinander arbeiten zu können, ein heimlicher Grundrespekt. Wenn es schon da nicht klappt ‚Take the money and run!’.

Kann man auch betrunken Yoga üben?

Abends in der Kneipe seine Freunde mitten auf dem nicht abgeräumten Tisch mit einer Angeber-Asana beeindrucken? Ich erinnere mich schwach. Der Reiz verfliegt bald, wenn man sie auch nüchtern beherrscht…

Was kann die Stille, was auch die schönste Musik nicht leistet?

Zuerst Deinen Atem hörbar machen, dann Dein Herz. Den Lufthauch im Vinyasa, das sanfte Wimmern in Deinen Muskeln. Dann die Wärme in Deinen Adern, die Wolken von verfliegenden Gedanken, die Sehnsucht, wenn Du Dich streckst. Die eigene Poesie, die eigene Melodie hörst Du nur in Deiner Stille. In der Praxis kann es trotzdem schön sein, sich zusätzlich auf einen guten Beat einzulassen.

Was machst Du, wenn Dir Yoga auf die Nerven geht?

Yoga geht mir kaum auf die Nerven, aber die Menschen werden manchmal viel. Ich setze mich regelmäßig ab und laufe alleine oder mit wenigen Freunden in der Natur, egal welches Wetter. Ich mag es dann simpel, unglamourös, humorvoll bis albern, und döse und träume auch gerne selbstvergessen ein paar Stunden vor mich her. Erleichternd. Der Ernst der Lage meldet sich dann schon von alleine wieder.

Kann Yoga wirklich Haarausfall stoppen?

Womöglich. Ich denke ja. Wohl auch Fingernägel festigen, lästige Nasenhaare veröden, das Gehalt verdoppeln, die erste große Liebe wiederbeleben, Blumen regnen lassen. Vermutlich kann Yoga so einiges, es sei denn, man hat Besseres zu tun.

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