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Bild: iStockphoto.com

Ehe, Yoga und das Kreuz mit der Liebe

Von Kristin Rübesamen

Es gibt diesen Moment auf jeder Hochzeit, an dem sich das Brautpaar nach der Trauung umdreht, den Altar im Rücken, und glücklich in die Menge lächelt. Jedes Mal denke ich, oh je, wenn die wüssten. Genauso geht es mir mit den Menschen, die mit Yoga beginnen, voller Enthusiasmus ihre Matte ausrollen, und am liebsten über nichts anderes reden möchten. Schon klar, ich höre mich an wie ein Spielverderber, aber nach über zwanzig Jahre Ehe und fast zwanzig Jahren Yogapraxis bin ich in beidem, ob mir das gefällt oder nicht, eine Art Veteranin.

Was wird passieren?

Er wird zuviel arbeiten und genau in dem Moment, wenn das Baby da ist, eine Beförderung annehmen, die mit noch mehr Arbeit verbunden ist. Sie wird zuviel arbeiten und trotz aller guter Vorsätze diejenige sein, die trotz Kind und Arbeit abends noch die Tischdecke bügelt, einfach, weil es schöner aussieht. Nach ein paar Jahren sehen sie den Anderen heimlich an, und fragen sich, warum eigentlich gleich noch mal dieser Typ, diese Frau?

Yogis wiederum, wenn es sie schlimm erwischt hat, ignorieren die Hinweise, die für Anfänger gelten. Warum nicht gleich in die Klassen für die Fortgeschrittenen gehen? Chaturanga Dandasana, Kopfstand, Armbalancen, bitte gleich im ersten Jahr. Und sobald die erste Sehnenscheidenentzündung abgeklungen ist, geht es mit doppelter Kraft weiter, um die versäumte Zeit einzuspielen.

Als nächstes, während das Paar im 7. Jahr der Ehe nach gestandenem Seitensprung eine Auszeit nimmt, melden sich bei den Yogis die Schulterrotatoren: Sie haben beim aufwärtsschauenden Hund nicht aufgepasst. Egal. Sie vernachlässigen ihre Freunde, ernähren sich einseitig, bekommen einen starren Blick.

Gott sei Dank gibt es die Kinder. Und die Erbtante, die mahnt („Redet miteinander, wenigstens einmal in der Woche“).

Die Yogis sind längst abhängig vom seelischen Frieden, den ihnen ihre Praxis bringt, sie wechseln den Lehrer, versuchen eine neue Methode. Tatsächlich fühlen sich plötzlich Rückbeugen wieder gut an, der Nacken schmerzt nicht, und sie lassen einfach den Kopfstand weg, ohne etwas zu vermissen. 

Und dann? Sitzen an einem schönen Abend im Frühsommer Mann und Frau nebeneinander und teilen sich müde ein Bier. Schweigen. Lachen. Reden. Auch mal eine Pause, in der gar nichts passiert. Und es ist diese Pause, in der ein Gefühl an die Oberfläche steigt, ähnlich jenem, wenn man nach einem grauen Winter zum ersten Mal wieder die Sonne auf der Haut spürt. Ohne „Anhaftung“ an das, was schiefgelaufen ist, ohne Anhaftung an schlechte Gefühle, an Eifersucht, Überdruss, Wut und Ärger, weil er oder sie wieder keine Küchenrolle gekauft und den Steuerberater bezahlt hat. 

Das Gefühl, das auch unsere Yogis haben, nach einer saftigen gleichwohl ruhigen Sequenz, in der Körper und Geist gut durchgearbeitet wurden, in der sie sich fordern, aber auf fürsorgliche Weise, das Gefühl: wach und ruhig und friedlich zu sein, mit dem winzigen Anflug eines Lächelns in den Mundwinkeln. Man könnte es bedingungslose Liebe nennen, aber lustig, es müssen gar nicht mehr so große Worte sein.

Für Yogis wie Ehepaare gilt: Es ist eben nicht nur Arbeit, es macht auch Spass.