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„Die glauben an Einhörner“: Mike Erler über Yogis

„Die glauben an Einhörner“: Mike Erler über Yogis

Von Kristin Rübesamen

Mike Erler trägt keinen Heiligenschein, sondern tiefe Falten unter seinem Namaste-Käppi spazieren. Er könnte Drogen verkaufen, Türsteher sein oder jemand, der anderen hilft, Wettschulden einzutreiben. Er könnte auf keinen Fall im Schneidersitz sitzen und andere dazu bringen, sich ebenfalls mit Atemübungen zu beschäftigen. Aber genau das tut er, zusammen mit seiner Freundin Sabine Peters im „Pur“ in Lübeck oder Andalusien. Sein Stil: entwaffnend, ehrlich, bescheiden, sanft. Kein Wunder, dass die anderen Yogalehrer nervös werden.

Darf ich sagen, dass ich am Erstaunlichsten an deiner Biographie nicht finde, dass Du Yogalehrer geworden bist, sondern, dass Du egal, was Du anpackst, früher oder später der Boss bist?

Lustig, stimmt.

Du hattest drei Handwerksbetriebe, konntest eine Menge Angestellter herumschuben und hast dann alles verkauft. Warum?

Ich wollte eine Veränderung und dachte, ein schlichter Tresenjob bei einem Kumpel genügt mir. Ich habe mir das herrlich vorgestellt, einfach Bier verkaufen und fertig. Dann sah ich das Personal da rumstehen,  überlegte, wie man Abläufe verbessern könnte, und auf einmal stand ich da als Manager mit 7000 Gästen.

Dann hast du wieder alles aufgegeben, um Yogalehrer zu werden, und jetzt kannst Du dich schon wieder nicht retten vor lauter Erfolg. Was läuft da schief?

Halt, so ist es nicht. Im Grunde habe ich schon als Handwerksmeister den Leuten erklärt, wie es geht. Für mich zählt Wissen nur, wenn ich es weitergeben kann. Auch in der Gastronomie habe ich meine Leute angeschaut und überlegt, wo ich sie einsetze, was sie können und was ihnen Spaß machen könnte, ebenso beim Surfen. Eigentlich war ich schon immer Lehrer. Wobei mir das Wort zu hochgestochen ist. Nennt mich „Instruktor“, das genügt völlig.

Was geht dir in der Yogawelt am meisten auf die Nerven?

Die vielen Versprechungen von jungen Lehrern, meist Frauen, sorry, ist einfach so, die sich im Bikini fotografieren lassen und glauben, sie verstehen das Leben.

Glaubst Du nicht an die Wirkung von Yoga?

Doch, absolut. Ich bin das beste Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man ein bisschen aufpasst, wie man miteinander und sich selbst umgeht.

Geht es noch abstrakter?

Sagen wir einfach, ich hatte nicht gerade eine einfache Kindheit und auch später war ich nicht gerade der Wellnesstyp. Mit 20 hatte ich in Lübeck in praktisch allen Lokalen Lokalverbot,- lebenslänglich. Für mich war es kein gutes Wochenende, wenn ich nicht drei Leute ins Krankenhaus geschickt habe. Mit der Geburt meiner Tochter hat sich das radikal geändert, mit der Yogapraxis ging es weiter: Ich habe Liebe in einem Ausmaß erfahren, dass ich gar nicht wußte, wohin mit mir. Yoga kann also eine Menge, aber nicht,- und das waren mal deine Worte- alles.

Diese Transformation, über die andere in ihrer rosa Welt nur reden, hast Du am eigenen Leib erfahren. In welcher Weise profitieren die Männer, die zu Dir zum Unterricht kommen, von dieser Erfahrung?

Ich quatsche sie nicht zu. Ich gebe ihnen einfach einen Raum, in dem sie ein bisschen von dem Druck, den sie privat und im Job erfahren, abbauen, physisch stark und flexibel und mental klar werden können.

Du sagst, Verzeihung, „Arsch und Titten“? Steht weder bei Patanjali noch im Yoga Journal.

Dafür ist es real. Was ich aber vor allem sage ist: Macht was aus eurem Leben. Habt Spass! Glaubt nicht an Einhörner. Werdet gute Männer, gute Liebhaber, gute Chefs, gute Väter, gute Freunde, verdammt noch mal.

Kurz: „Wilde Kerle“?

Ach, meine Tochter mochte das Bilderbuch so gerne. Deswegen habe ich meine Kurse so genannt. Zu mir kann jeder kommen. Ich habe keine Vorurteile. Mir ist auch nichts fremd und mir ist auch nichts peinlich.

Wirklich? Mit deinen Muskeln, den Tattoos, der Sprache könnte man meinen, du nimmst dich ganz schön wichtig.

Unsinn. Ich habe sogar mal eine Familienaufstellung gemacht. Am Anfang dachte ich, ist ja klasse hier, alles Körnerfresser mit fettigen Haaren. Am Ende habe ich mich hingekniet vor die und mich bedankt, weil die mir so geholfen haben.

Kann es sein, dass Du in Wirklichkeit kein Punk, sondern Deutschlands größter Humanist bist?

Keine Ahnung. Ich weiß nur, ich liebe die Männer, die zu mir kommen. Es ist das ehrlichste Pack, das du dir vorstellen kannst. Und ich werde den Teufel tun, sie von mir abhängig zu machen. Sie sollen alleine stehen können.

Wenn das kein Humanismus ist. Vielen Dank für das Gespräch.

 

Und hier erfahrt ihr mehr über Mike sowie seine Workshops und Reisen:
www.mikeandmore.net
Facebook: Mike Erler-Yoga Pur
Instagram: Mike Yoga Pur
Twitter: Mike Yoga Pur 

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