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Chronischer Stress - wenn der Körper aufgibt
Bildquelle: Istockphoto.com

Chronischer Stress – wenn der Körper aufgibt

Von Nadja Polzin

In der psychiatrischen Medizin gibt es einen Begriff, der für Außenstehende zunächst befremdlich klingt: Anpassungsstörung. Unter diesem Begriff verstehen Mediziner Erkrankungen, die durch chronischen Stress hervorgerufen werden. Der Begriff legt nahe, dass der Mensch nicht in der Lage ist, sich an Umweltbedingungen anzupassen. Zu diesen Erkrankungen gehört die Depression, genauso wie der Burnout, die Schlafstörungen oder auch Angstzustände. Neben den klassischen Volksleiden wie Rücken- und Kopfschmerzen haben sich psychische Überlastungsstörungen in den Statistiken der Krankenkassen in den letzten Jahren einen sicheren Platz unter den Top 10 der Erkrankungen der Deutschen erarbeitet. Fünf der zehn häufigsten Diagnosen bei Arbeitsunfähigkeit stehen im Zusammenhang zu chronischem Stress. Dass die Beschwerden der Betroffenen nicht nur psychischer Natur sind, sondern dass chronischer Stress auch handfeste körperliche Folgen hat, ist vielen nicht bekannt.

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind Menschen, die dem Tempo nicht mehr standhalten oft stigmatisiert. Dabei ist das, was ihr Körper da tut völlig normal. Diese Menschen und ihre körperlichen und seelischen Reaktionen sind sehr gesund, nur: das, was sie ihrem Körper und ihrem Geist zumuten, ist es eben nicht.

Leben im Dauerlauf

Das Leben über Jahre im Dauerlauf zu absolvieren, nie Pause zu machen und sich selbst auch noch mit eigenen Vorstellungen von einem optimalen Leben anzutreiben, ist ein Phänomen der Neuzeit. Tag und Nacht halten wir uns vor, was wir noch alles erreichen können; Eltern drängen uns den Wunsch nach Kindern, Haus und Hund auf, obwohl unsere Einkommen den Luxus unserer Eltern kaum noch zulassen; Freunde klettern scheinbar mühelos die Karriereleiter nach oben und wir glauben, wir müssten nur noch mehr tun, um mithalten zu können. Hinter uns hupt ein Linienbus, nachts sind unsere Städte so hell erleuchtet, dass selbst die Vögel morgens um drei Uhr zwitschern und während wir im Gehen unseren morgendlichen Kaffee trinken, checken wir, was alle anderen in mindestens drei (a)sozialen Netzwerken so treiben. Unser Lebensumfeld könnte kaum weniger mit dem zu tun haben, wofür wir eigentlich gemacht sind: der Natur.

Burnout, Schlafstörung, Depression – sie alle sind Zeichen einer chronischen Überlastung unserer natürlichen körperlichen Kapazitäten; Zeichen der Ignoranz gegenüber unserem evolutionären Erbe.

Was chronischer Stress mit deinem Körper macht

Diese Überlastung hat selbstverständlich Folgen für unseren Körper und damit auch für unseren Geist. Die emotionale Erschöpfung ist vergleichbar mit dem Zustand der Depression. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten anderen gegenüber Empathie aufzubringen, fühlen sich leer und emotionslos. Die kognitive Ermüdung, die gleichzeitig auftritt, führt zu einem Mangel an mentalen Fähigkeiten und Leistungen. Die Konzentration kann nur schwer aufrechterhalten werden, anspruchsvolle Aufgaben sind kaum noch zu bewältigen und die Ergebnisse der Denkarbeit werden schlechter.

Wer kein Verständnis für diesen Zustand hat, meint, dass der Betroffene sich doch nur einmal zusammenreißen müsste. Dabei hat die Erschöpfung nicht nur mentale, sondern auch ganz handfeste körperliche Ursachen. Für alle Yogis eine Selbstverständlichkeit: mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.

Aber was passiert mit uns, wenn wir dauerhaft „unter Strom” stehen? Es entsteht ein Mangel an physischen Ressourcen um den Alltag zu bewältigen. Die Betroffenen fühlen sich körperlich erschöpft, schlapp und können auch mit Willenskraft einfach keine Energie mehr für einfache Alltagsaufgaben aufbringen. Die körperliche Ursache dafür ist eine Dysbalance in unserem Hormonsystem und eine Erschöpfung unserer physischen Leistungsfähigkeit. In der Medizin wird diese Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse genannt. Kurz: Nebennierenermüdung oder Nebennierenerschöpfung.

Ermüdung der Hormon-Achse: Nebennierenerschöpfung

Die Nebennieren sind winzig kleine Organe, die wie kleine Halbmonde links und rechts auf unseren Nieren sitzen. Sie haben in etwa die Größe einer Weintraube und sind verantwortlich für die Möglichkeiten unseres Körpers mit Stress umzugehen. In ihnen und ihrer Hülle, der Nebennierenrinde, werden die lebensnotwendigen Hormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin gebildet. Alle drei sind essenziell für die Reaktion unseres Körpers auf Stress.

Sobald wir über unsere Sinne einen Stressor wahrnehmen, leitet das Gehirn den Reiz an die Nebennieren weiter. Um den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen, setzt die Nebennierenrinde Cortisol frei. Dieses Stresshormon sorgt dafür, dass eine Reihe von Körperfunktionen zurückgestellt werden, andere uns hingegen kampfbereit machen. So erweitert sich zum Beispiel unser Sichtfeld um ca. zehn Prozent, unsere Bronchien werden weiter, damit wir mehr Sauerstoff aufnehmen können und unser Herz pumpt schneller, damit der Sauerstoff zügig in die Zellen gebracht werden kann.

Kurzzeitig versetzt diese Reaktion unseren Körper in einen Zustand, in dem er mit dem Stressor besser umgehen kann. Hält der Stress dauerhaft an, wird also chronisch, muss der Körper diese Reaktion aufrechterhalten. Zuerst wird der Körper dauerhaft mit Cortisol überschwemmt, die Verdauung wird schlechter, Infekte treten häufiger auf, der Körper schlägt Alarm.

Später, nach Monaten oder Jahren, für Betroffene aber scheinbar plötzlich und über Nacht, erschöpft die Leistungsfähigkeit dieser Hormonachse. Cortisol kann nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden; andere Hormone, wie unsere Sexualhormone, werden in Mitleidenschaft gezogen. Wir nehmen zu, werden schlapp und können uns einfach nicht wieder aufraffen. Wir finden abends nicht in den Schlaf und kommen morgens nicht hoch, wir versuchen uns mit Zucker und Kaffee handlungsfähig zu halten und verdrücken am Abend gern mal eine Tüte Chips allein. Wir sind sehr schnell reizbar und haben das Gefühl, dass uns alles und jeder nur noch auf die Nerven geht.

Ganzheitliche Therapie als Ausweg aus der Stressfalle

Der wichtigste Weg, sich aus den Fängen des Stresses zu befreien, ist selbstverständlich die Reduktion von Stress. Yoga ist ein wunderbarer Weg, das zu tun. Aber auch andere Faktoren, wie unsere Ernährung, die die Bausteine für unseren Körper liefern soll, unser Lebensumfeld, unser Schlaf, unsere Gedankenwelt und Glaubenssätze sowie unsere Mitmenschen spielen bei der Genesung eine wichtige Rolle.

Mehr über die hormonellen Folgen chronischen Stresses und wie ihr die Genesung aus einem Burnout mit natürlichen Methoden unterstützen könnt, erfahrt ihr im neuen Buch Diagnose: Nebennierenerschöpfung der Biologin Julia Tulipan und der ganzheitlichen Ernährungsberaterin Nadja Polzin. Wissenschaftlich fundiert werden die physiologischen Zusammenhänge erklärt, die Diagnosemethoden erläutert und der Weg zurück in ein glückliches und leistungsfähiges Leben mit weniger Stress gezeichnet. 

 

Diagnose: Nebennierenerschöpfung
Wie chronischer Stress die Hormon-Balance stört
Vitalität und Lebensfreude zurückgewinnen

Julia Tulipan und Nadja Polzin
Weitere Informationen auf www.nebennierenhilfe.de 

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