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Brauchen wir eine Yoga-Polizei?
Bild: a katz / Shutterstock.com

Brauchen wir eine Yoga-Polizei?

Von Kristin Rübesamen
Es stimmt, was der amerikanische Yogalehrer James Brown in seinem Blog "American Yoga School"  schreibt. Die große Erfolgsgeschichte von Yoga hat auch Schattenseiten. Viele Yoga-Lehrer haben selbst keine fundierte Übungspraxis, machen irgendwo eine dubiose, schnelle Ausbildung und kaschieren ihre Unzulänglichkeiten mit lauter Musik, Lächeln und gutgemeinten Sprüchen.

Der Lehrer, jahrelang einer der erfolgreichsten Yogalehrer-Ausbilder in Los Angeles, Gründer der American Yoga School und Privatlehrer von Al Gore und den Red Hot Chili Peppers, beschreibt in erfrischender Offenheit und ohne einen Funken Selbstmitleid seinen Breakdown, der ihn dazu führte, “meinen Beruf, den ich so liebte, zu hassen.“ Warum? Weil Yoga heute nichts mehr mit Yoga, wie es einmal gedacht war, zu tun hätte. Weil die moderne Form von Yoga und seine Vermarktung dazu führten, dass kaum ein Lehrer tatsächlich die Frage beantworten könne, was Yoga sei. Kaum einer der neuen Lehrer könne erklären, was das Konzept von Yoga eigentlich beinhaltet, warum es ein so gutes Werkzeug ist, Schwierigkeiten zu bewältigen. Stattdessen würden magische Versprechen gegeben. Soweit seine niederschmetternde Bilanz.

Wir sind nicht Amerika. Oder doch?

Wir dachten, seine Abrechnung könnte ein guter Anlaß sein, eine Frau zu fragen, die mehrere gute Ausbildungen gemacht hat und noch dazu beide Welten kennt, die amerikanische und die deutsche, und außerdem mit einem Inder verheiratet ist: die Yogalehrerin Monja Mani, in deren sanftes Englisch sich manchmal noch ein rollendes "R" findet aus ihrer alten Heimat in Süddeutschland.

Fangen wir an mit den Vorwürfen, die James Brown macht: Macht Yoga zu große Versprechungen?

Yoga macht meines Erachtens keine zu grossen Versprechungen.  

Ich glaube, jeder kann im Yoga genau das finden, wonach er sucht. Will jemand zum Beispiel nur flexibler oder fitter werden, dann kann er das durch eine regelmässige Asanapraxis erreichen. Ist jemand auf der Suche nach mehr mentaler Stabilität und Ausgeglichenheit, dann kann man dies durch eine regelmässige Meditationspraxis finden.

Wer allerdings bereit ist, den Weg des Yoga wirklich zu leben und in den Alltag zu integrieren - on and off the mat, dann ist das nur durch eine regelmässige und intensive Yogapraxis möglich, wie es der achtgliedrige Pfad nach Patanjali vorschreibt. Kurz zur Erinnerung: es beginnt mit den Yamas (der Umgang mit der Umwelt), Niyamas (der Umgang mit sich selbst), Ãsanas (der Umgang mit dem Körper), Prãnãyãma (Atemkontrolle), Pratayãhãra (Disziplinierung der Sinne), Dhãranã (Konzentration), Dhyãna (Meditation) und endet mit Samãdhi (das Höchste: die innere Freiheit).

Gab es nie Enttäuschungen?

Meine eigene Yogapraxis begann vor über 15 Jahren in München und ich habe in den letzten 10 Jahren an renommierten Yogastudios in München, New York City, London und jetzt Berlin unterrichtet. Es gab einige Hochs und Tiefs in meiner eigenen Yogapraxis und Unterrichtserfahrung. Sowohl meine Praxis hat sich über die Jahre hinweg verändert, sowie ich mich auch selber verändert habe. Ich muss zugeben, dass ich auch das Gefühl von Enttäuschung in Bezug auf Yoga, wie James Brown es beschrieben hat, kenne. Aber das liegt nicht am Yoga, sondern daran, was wir im Westen aus Yoga gemacht haben. Wobei ich es etwas arrogant finde, zu behaupten, dass noch vor ein paar Jahren in der "Yogawelt des Westens" alles besser war als es jetzt ist, und dass Yoga Alliance daran schuld sein soll. Sich als Yogalehrer selbst auf einen Sockel zu stellen und andere zu kritisieren, kann einfach sehr gefährlich werden. 

Was war denn früher besser?

Yoga wurde ursprünglich eins zu eins gelehrt, von Lehrer (Guru) zum ausgewählten Schueler. Mein Lehrer zum Beispiel aus Indien, A.G. Mohan, wurde über 18 Jahre direkt von Sri T. Krishnamacharya unterrichtet. Ich möchte ihn an dieser Stelle ins Spiel bringen, weil er mir an einem Tiefpunkt dabei geholfen hat, die Dinge klarer zu sehen. Seiner Meinung nach gibt es kein "One size fits all" Yoga, so wie es im Westen unterrichtet wird. Jeder Schüler kommt mit einem individuellen Paket an Praxiserfahrung, körperlicher und mentaler Verfassung, sowie Erwartungshaltung zum Unterricht. Wie sollte diese "One size fits all" Sequenz einer Yogaklasse wirklich allen Schülern gleichermassen dienen können? Das schafft das Mainstream Yoga der grossen Gruppenklassen einfach nicht. 

Was hat er dir geraten?

Auf die Frage hin, ob die Gruppenklassen überhaupt Sinn machen bzw. ob ich meinen Beruf eigentlich gleich an den Nagel hängen sollte, meinte er, dass es wichtig ist, dass wir uns als Lehrer und Schüler darüber bewusst sind, was, warum und für welches Ergebnis wir üben. Eine Vinyasaklasse mit Pranayama und Meditationspraxis, untermalt mit schöner Musik, kann auf jeden Fall eine "Feel good" Praxis mit vielen Benefits für Körper und Geist sein, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit ist es kein direktes Ticket zur Erleuchtung. Solange dieses Bewusstsein da ist, und man als Lehrer sowohl auch als Schüler den richtigen (Yoga)Weg zum erwünschten Ziel wählt und verfolgt, kann der Yoga die individuell entsprechenden Erwartungen erfüllen. Wie bei allem im Leben findet sich mit etwas Geduld und Urvertrauen zum richtigen Zeitpunkt der richtige Weg, wenn man bereit dazu ist. 

Was hast Du Dir erwartet, als Du angefangen hast?

Ich bin 2002 eher zufällig zum Yoga gekommen, weil ich damals während meiner Fitnessstudiomitgliedschaft verschiedene Gruppenkurse ausprobiert habe. Einer davon war Yoga und ich habe mich sofort verliebt. Zu der Zeit war es mir persönlich sehr wichtig, eine gute Figur zu haben, sportlich und fit zu sein. Zudem hatte ich gehört, dass man durch Yoga nicht nur körperlich flexibler und fitter werden, sondern auch durch die Praxis mehr Gelassenheit und Ruhe finden kann. Nachdem ich von Natur aus sehr emotional, unsicher und leicht aus der Bahn zu werfen bin, habe ich mich nach mehr Stabilität, Vertrauen auf meine eigene Intution und innerlichen Frieden gesehnt. Als zeitgenössische Tänzerin habe ich mich schon immer mit dem Körper beschäftigt und damit gearbeitet. Aber beim Tanzen bzw. dem harten Tanztraining, bleibt meistens der Atem, sowie auch der energetische Aspekt für Seele und Geist auf der Strecke. Ich habe bereits nach den ersten paar Yogastunden erfahren, wieviel ausgeglichener und entspannter ich mich nach der Yogapraxis körperlich, emotional und geistig fühlte. Das hat mich sehr neugierig auf "mehr" gemacht und ich bin immer häufiger zum Yogaunterricht gegangen. Erst einmal wöchentlich und dann ganz schnell mehrmals pro Woche, weil ich die Praxis und die damit verbundenen positiven Auswirkungen auf meinen Körper, mentalen und emotionalen Zustand mehr und mehr in meinen Alltag integrieren wollte. Das ist bis heute so geblieben. Ich versuche täglich Zeit auf der Matte zu verbringen und wenn es nur 5 Minuten sind, weil mir an manchen Tagen mein Alltag bzw. meine Rolle als Mama nicht mehr Zeit lassen.

Was ist von deinen Erwartungen in Erfüllung gegangen und was nicht?

Interessante Frage, darüber hatte ich bisher noch nie im Detail nachgedacht. Körperlich gesehen, hat sich meine Figur wirklich positiv durch die regelmässige und jahrelange Yogapraxis verändert. Mein Körper ist gleichzeitig stärker und leichter zugleich geworden. Aber das liegt natürlich auch an einem entspannteren Verhältnis zu meinem Körper, das ich nun mit über Mitte 30 und der jahrelangen Praxis habe. Zudem spielt die Ernährungsumstellung und eine bewusstere Lebenshaltung eine grosse Rolle, die Hand in Hand mit der regelmässigen Yogapraxis in mein Leben kam. Bitte nicht falsch verstehen, ich habe keine perfekte Modelfigur, aber ich fühle mich einfach wohler in meinem Körper: stark, flexibel und leicht zugleich. 

Emotional und geistig gibt mir die Praxis mehr Stabilität, Balance und inneren Frieden. Ich empfinde mich viel ausgeglichener und entspannter, wenn ich regelmässig Yoga übe. Natürlich gibt es immer wieder mal Dinge und Situationen, die mich aus der Bahn werfen können und meine Praxis "testen". Aber aufgrund der Praxis und der Fähigkeit, mich zurücknehmen und die Situation als Beobachter einnehmen zu können, finde ich immer wieder schnell zu mir, zu meinem wirklichen Kern zurück. Meine Praxis bietet mir einen sicheren Ort, an den ich mich jederzeit "zurückziehen" kann, wenn es in der Außenwelt zu turbulent, herausfordernd oder verletzend zugeht. Als Yogis lernen wir, dass "bereits alles da ist" und wir unsere eigene Realität kreieren. 

Das klingt ja nach einem inneren Reifeprozeß. Unbestritten brauchen Yogalehrer aber auch eine gute Ausbildung. Wie definiert sich gut?

Yogalehrer brauchen eine gute und solide Ausbildung, die alle Aspekte des Yoga gemäss dem achtgliedrigen Pfad nach Patanjali miteinbezieht und nicht nur den Fokus of Asanas legt. Des Weiteren sollte die Ausbildung von erfahrenen Lehrern geleitet werden, die sowohl eine starke Praxis, jahrelange Unterrichtserfahrung und ein gutes Gefühl fuer Menschen haben. Meiner Meinung nach, sollten folgende Aspekte in einer Ausbildung behandelt werden: Asanas (Praxis und Unterrichten), angewandte Anatomie, Pranayama, Meditation, Scriptures (Yoga Sutra of Patanjali, Bhagavad Gita, Hatha Yoga Pradipika, etc.), Sanskrit Basics, Assists (Wie gibt man hilfreiche und sichere, verbale und körperliche Assists), Chanting, Ernährung, Verhaltenskodex (z.B. Yamas, Niyamas) und Unterrichtspädagogik.

Wichtig ist, dass die Gruppe der Auszubildenden nicht groß ist. Wir sollten nicht vergessen, dass ursprünglich ein Schüler direkt vom Lehrer ausgebildet wurd. Idealerweise sollte auch das Verhältnis zwischen Ausbilder und werdendem Yogalehrer oder wie wir sagen, zwischen Lehrer und Trainee, über die Ausbildung hinausgehen. An wen wendet sich ein junger Yogalehrer, der zwar auf dem Papier fertig ist mit seiner Ausbildung, aber dennoch Probleme hat?

Welche Ausbildungen hast Du selbst gemacht und warum?

Qualifications: WOYO (2003), Iwanson Contemporary Dance (2004-2006), Jivamukti Yoga - 800hrs (2009), Prenatal Khalsa Way (2013), Advanced Jivamukti certification (2014), Kula Yoga Advanced certification (2016)

  • WOYO ®  Mein Einstieg in die Welt des Yoga. Ich bin da einfach irgendwie "reingerutscht" und jetzt würde ich sagen "it was meant to be". Ich bin dankbar für meine erste Ausbildung, weil ich damit die Yoga Basics (richtige Ausrichtung in den Asanas, Einsatz von Hilfsmitteln) gelernt habe.
     
  • Jivamukti Yoga Teacher Training, 300 Std, Omega Institute, New York, USA - Ich habe jahrelang auf das extrem teure und intensive Yoga Teacher Training in den USA hingespart und wirklich jeden Moment davon genossen. Ich habe mich für dieses Training entschieden, weil ich mich in den Yogastil verliebt und über vier bis fünf Jahre fast täglich in den Jivamukti Yoga Studios in München und Berlin praktiziert habe. Es war für mich ganz klar, dass ich nach dem Training genau diesen Yogastil unterrichten möchte. Ausserdem wollte ich durch das Jivamukti Yoga Training grundsätzlich mehr über Yoga erfahren und irgendwie auch zu dem Jivamukti Yoga "tribe" dazugehören. Da dieses Training auf den fünf Säulen des Jivamukti Yoga basiert - shastra (Schriften), bhakti (Hingabe), ahimsa (Gewaltlosigkeit), nāda (Musik/ Chanting), and dhyana (Meditation), halte ich es bis heute für eines der besten Yoga Teacher Trainings, das derzeit im Westen angeboten wird.
     
  • Jivamukti Mentorship Programm, 500 Std, Jivamukti Center NYC, USA - Ich habe mich ein Jahr nach dem Teacher Training zu dem Mentorship Programm (500 Stunden) mit meiner Lehrerin Sangeeta Vallabhan am Jivamukti Center in NYC entschieden, weil ich eins-zu-eins von einer erfahrenen Lehrerin lernen und Feedback bekommen wollte. Ich konnte in dieser Zeit meine eigene Praxis intensiv vertiefen, mich mit anderen Lehrern austauschen und an meinem Unterrichtsstil feilen. Eine wirklich wunderbare Erfahrung, in der ich viel über mich selbst als Praktizierende und Lehrerin gelernt habe.
     
  • Prenatal Khalsa Way ®  75 Std, Golden Bridge Yoga, NYC, USA - Nachdem ich angefangen hatte, regelmässig auch Kundalini Yoga in NYC zu praktizieren und ich nur Gutes über das Pränatale Teacher Training von Gurmukh gehört hatte, habe ich mich 2013 dazu entschlossen teilzunehmen. Es war eine gute Entscheidung, weil es mich persönlich sehr gut auf das Thema Schwangerschaft und Geburt vorbereitet hat, bevor ich ein Jahr später selber schwanger wurde.
     
  • Advanced Jivamukti certification - Diese Zertifizierung macht meines Erachtens nur in der internen Welt des Jivamukti Yoga Sinn, hat "ausserhalb" allerdings keine Bedeutung.
     
  • Kula Yoga Advanced certification, 75 Std, Kula Yoga Project, MA, USA - Nach jahrelangen Unterrichten wollte ich die Chance nutzen, meinen Unterrichtsstil von einer erfahrenen Mentorin wie Schuyler Grant ansehen und bewerten zu lassen, um "neuen Wind" in meinen Unterrichtsstil zu bringen und mich als Lehrerin zu verbessern. Das Training beinhaltete Infos zur Strukturierung einer klassischen Kula Yoga Klasse (wie ich im Moment unterrichte), angewandte Anatomie, Unterrichtstips, Austausch mit anderen erfahrenen Yogalehrern, etc. Eine wirklich tolle Erfahrung, die ich jedem Lehrer nach ein paar Jahren des Unterrichtens ans Herz legen kann.
     
  • Mindfulness Training with A.G. und Indra Mohan, Berlin - Ich versuche grundsätzlich soviel Zeit wie nur irgendwie möglich mit A.G. und Indra Mohan zu verbringen. Die beiden verkörpern für mich als Person und Lehrer genau das was Yoga eigentlich sein sollte bzw. ist. Die beiden haben eine starke Praxis, unglaublich viel Wissen und Erfahrung im Bezug auf Yoga & Ayurveda, sind demütig, liebevoll und diszipliniert was ihre Praxis und Lebensweise betrifft. Das Training war ein gutes Zusatztraining, wie man Mindfulness in die eigene Praxis und den Alltag bringen kann.

Was hältst Du von der Registrierungspolitik der Yoga Alliance?

Ich finde die Idee in der Theorie grundsätzlich nicht schlecht, aber die Umsetzung in der Praxis scheint leider mangelhaft zu sein. Man muss wissen: Yoga Alliance bietet keine Zertifizierung, sondern nur eine Registrierung an. Aber anscheinend sind die Anforderungen an Yogatrainings nicht ausreichend. Es fehlen z.B. meistens wirkliche Mindestanforderungen für die Teilnahme an einem Teacher Training, sowie auch eine ernsthafte Prüfung am Ende des Teacher Trainings. Hinzu kommt, dass es nach dem Teacher Training keine wirkliche Qualitätskontrolle für Yogalehrer gibt.

Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn, dass wir uns hier in Deutschland über eine Organisation in den USA registrieren lassen. In den sechs Jahren, während ich in NYC gelebt und unterrichtet habe, wurde ich nur einmal nach meiner YA Zertifizierung gefragt. Das Jivamukti Teacher Training ist nicht YA zertifiziert. Aus dem Grund konnte ich zum Beispiel bei Pure Yoga kein Ausbilder für das Teacher Training werden, was ich damals natürlich sehr schade fand. Aber mittlerweile lebe und unterrichte ich wieder in Deutschland und lege persönlich keinen besonderen Wert auf eine Yoga Alliance Registrierung, weil ich sie schlichtweg nicht brauche.

Wünscht Du dir eine Regulieren oder Registrierung für Deutschland?

Ich denke, es wäre gut, wenn jedes Land eine eigene Yoga-Registrierungspolitik festlegen würde. Daneben sollte es einen internationalen Dachverband der teilnehmenden Yogaländer geben, der sich regelmässig trifft, weitere Herangehensweisen und Richtlinien bespricht und verabschiedet und somit als Qualitätskontrolle fuer Yogalehrer und -schulen dient. Ähnlich wie die globale internationale Organisation United Nations, UN mit einem gemeinsamen Auftrag und einer gemeinsamen Vision.

In Deutschland gab es vor einigen Jahren ebenfalls einen Versuch, eine Registrierung einzuführen. Eine gute Idee?

Ich habe das damals am Rande mitbekommen, weil ich zu der Zeit in Deutschland gelebt und bereits unterrichtet habe. Allerdings gab es nicht wirklich viel Info darüber und es schien auch noch nicht 100%ig klar zu sein, wo es hingehen soll. Es wurde aber das Gerücht verbreitet, dass man wahrscheinlich bald nur noch mit dieser Registrierung in Deutschland unterrichten könnte, was damals Unbehagen in der Yogaszene erzeugt hat. Letztendlich ist dieses Projekt im Sand verlaufen und ich war froh, dass ich nicht gleich auf den Zug mitaufgesprungen bin. Es ist komisch, dass so wenig darüber bekannt wurde. Ich denke jedoch, dass die Idee und Intention dahinter grundsätzlich gut waren und es wahrscheinlich nur an der Umsetzung gescheitert ist.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Regulierungswünschen und der wachsenden Zahl an Yogalehrern?

Es gibt mittlerweile wirklich Yogalehrer wie Sand am Meer. In New York City hatte wohl gefühlt jede dritte Person schon mal eine Yogaausbildung gemacht. Vor allem für Anfänger ist es schwierig einen Überblick zu behalten und den "richtigen" Lehrer zu finden. Im Grunde kann sich jeder Yogalehrer nennen, da dies keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Hinzu kommt, dass in den Zeiten des Social Media viele Lehrer populär und erfolgreich sind, die sich einfach gut vermarkten können, aber vielleicht nicht unbedingt "gute" Lehrer sind. Schliesslich ist nicht gleich ein guter Lehrer einer, der auch eine gute Praxis hat bzw. einfach nur von Natur aus gelenkig ist. Mein Mann, der aus Indien stammt und schon früh mit seiner Yogapraxis begonnen hat, macht gerne die folgende Anspielung, die ich sehr passend und anschaulich finde: Würde es im Yoga darum gehen, wie sehr man den Körper verrenken kann, dann wären wohl alle Cirque du Soleil Akrobaten bereits erleuchtet. Einer guter Punkt darüber nachzudenken...

Die grosse Menge an Yogalehrern, vor allem mangelhaft ausgebildeten Yogalehrern, kann unter Anderem folgende Probleme mit sich bringen:

  • Grosse Verletzungsgefahr für Schüler durch eine falsche Asana- und Pranayamapraxis
     
  • Verbreitung von falschem Wissen bzw. Halbwissen
     
  • Ungesunder Ego Boost anstelle von Transzendierung des menschlichen Egos durch die Yogapraxis
     
  • Schlechte Bezahlung für Yogalehrer - Yogastudios können die hohe Fluktation von Yogalehrern dahingehend ausnutzen, dass sie nur den Mindestlohn für Yogaunterricht zahlen. Schliesslich folgen ja pro Teacher Training wieder genügend neue Lehrer, die erst mal bereit sind für wenig Geld zu Unterrichten.

Wie können sich Schüler vor schlechten Lehrern schützen?

Ich denke, das ist gar nicht so einfach, wenn man als Yoganeuling in die Welt des Yoga eintaucht. Aber hier sind ein paar Dinge, die es zu beachten gilt, die vielleicht hilfreich sind:

  • Am Wichtigsten ist die eigene Intuition - egal ob Yoganeuling oder erfahrener Yogi. Wenn Du zum ersten Mal zu einem "neuen" Yogalehrer in die Stunde gehst, dann sei wachsam im Yogaunterricht und entscheide selber, was Du "mitmachen" willst/ kannst, oder vielleicht auch nicht. Höre auf Dein Bauchgefühl und Deinen Körper, falls sich etwas nicht richtig anfühlt. Gib Dir Zeit, Vertrauen zu dem Lehrer und dem Yogaunterricht aufzubauen. Das geht nicht von Heute auf Morgen. Im Yoga ist die eigene Erfahrung von grosser Bedeutung. Ohne die eigene Praxis macht die ganze Theorie (Schriften) keinen Sinn. Als Yogis sollten wir also immer wieder unsere eigene Praxis in Frage stellen, ob sie uns wirklich dem Ziel des Yoga weiterbringt, oder nicht.
     
  • Schau Dir die Lineage (Abstammung) des Yogalehrers an, sprich wo hat er seine Ausbildung gemacht bzw. von welchem Guru/ Lehrer hat er gelernt und bildet sich noch weiter. Jeder Lehrer sollte auch immer noch Schüler bzw. Praktizierender bleiben
     
  • Practice what you preach - Stell Dir die Frage, ob der Lehrer auch wirklich das selber lebt und praktiziert, was er unterrichtet
     
  • Hat der Lehrer selber eine regelmässige Yogapraxis (und ich spreche hier nicht von einem fitten "Yoga-Körper" bzw. fortgeschrittenen Asanas) und lebt den Weg des Yoga auch im Alltag?
     
  • Schau Dir die Intention des Lehrers an, ob sie aus tiefsten Herzen und Überzeugung kommt, oder ob es mehr Schein als Sein ist.
     
  • Mundpropaganda (Word-of-Mouth) is die beste Werbung und gute Bewertung für einen Yogalehrer und nicht unbedingt das beste Marketingteam des Yogastudios bzw. -lehrers
     
  • Ein Lehrer sollte die Unterrichtsstunde nicht für die eigene Asanapraxis nutzen, sprich er demonstriert nur in seltenen Fällen, falls es einer anschaulichen Erklärung bedarf.
     
  • Ein Lehrer sollte nicht versuchen seine Schüler zu manipulieren bzw. an sich zu binden. Dem Lehrer sollte mehr das persönliche, spirituelle Wachstum des Schülers am Herzen liegen, als seine volle Yogaklasse.
     
  • Ein neuer Lehrer bedeutet nicht gleich ein schlechter Lehrer, nur eben mit weniger Erfahrung - sei als Schüler einfach erst mal offen, weil grundsätzlich jeder Lehrer etwas Gutes zum Tisch bringen kann, wenn es mit der richtigen Intention und Vorbereitung geschieht

Vielen Dank!

Monja Mani ist zertifizierte Jivamukti, Kula und Pränatal Yoga Lehrerin. Sie hat in den vergangenen 10 Jahren in New York City, London, Berlin & München Yoga unterrichtet und sich weitergebildet. 

Sie ist stolze Mama, ehemalige Tänzerin und unterrichtet leidenschaftlich gerne. Ihre Yogastunden zeichnen sich durch einen dynamisch kreativen und meditativen Vinyasa-Stil aus, der gleichermaßen Raum für Atem, Achtsamkeit und Loslassen lässt. Ihr ist es persönlich und als Lehrerin wichtig, Balance zwischen Kraft und Anmut zu finden und Yoga nicht nur auf der Matte zu praktizieren, sondern auch im Alltag zu leben. Be inspired to inspire others.

Mehr Infos unter www.monjamaniyoga.com

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