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Was wirklich glücklich macht
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Was wirklich glücklich macht

Von Kristin Rübesamen

Die Suche nach Glück ist so alt wie die Menschen. Seit jeher rätseln wir, was Glück ist und wie wir es festhalten können. Die Glücksforschung der letzten Jahrzehnte hat endlose Ratgeber in die Regale gespült, ohne die Frage befriedigend zu beantworten. Ist die Beschäftigung mit dem Thema „Glück“ überhaupt sinnvoll, oder lauert da nur die nächste Depression? Jetzt im Januar, wo die Menschen statistisch besonders niedergeschlagen sind, haben wir einen Vorschlag: Wir stellen dir einige Rezepte vor und du schreibst auf, was dir dazu einfällt.

Auf der Suche nach Glück: Was Philosophen und Psychologen sagen

Was ist Glück? Die Hedonisten haben vor über 2.000 Jahren darauf geantwortet, dass nur Lust und Vergnügen das Leben wertvoll machen. Allerdings nicht, wie gerne falsch verstanden wird, nur körperliche Lust, sondern im Gegenteil das, was als „gutes Leben“ für alle Menschen gelten kann. Ein gutes Leben als ein vernünftiges, das viel mit Maßhalten und Vernunft, aber auch mit einfachen Freuden zu tun hat. Geld zum Beispiel ist an sich nicht wertvoll, sondern nur, wenn es dazu dienen kann, beispielsweise im Restaurant einen herrlichen frisch gekochten Linseneintopf zu bestellen.

Wir ahnen schon, und die Psychologie hat es längst bewiesen, dass uns Facebook-Likes nicht nachhaltig glücklich machen können, sondern im Gegenteil abhängig durch die Art und Weise, wie der Körper Dopamin ausschüttet, sobald ein Like dazu kommt. Dasselbe gilt für Shopping, Medikamente, Alkohol und Drogen. Glück hängt also, so viel wissen wir jetzt bereits, irgendwie mit Freiheit zusammen. Ob aber Unabhängigkeit alleine schon glücklich macht? Hmm, schon irgendwie, denken wir intuitiv, aber irgendetwas fehlt.

Der griechische Philosoph Aristoteteles – wir bleiben noch einen Moment in der Antike –, definierte ein glückliches Leben als „dasjenige, das der essenziellen menschlichen Natur am besten entspricht”. Ein gutes Leben besteht demnach darin, alle Funktionen in möglichst vollkommener Weise auszuüben, die für den Menschen wesentlich sind. Bringt uns das weiter? Was ist denn für uns wesentlich?  Familiengründung, Karriere, Tod? Hier könnt Ihr ruhig euren Zettel nehmen und ein paar Notizen machen. Auf meinem steht „Blumen gießen“, also keine Hemmungen.

Meine Großmutter, eine kluge und tüchtige Geschäftsfrau, hatte ein viel handfesteres Rezept: „chaque jour dés exercises!“: jeden Tag Gymnastik. Ich unterschreibe das sofort, und es passt auch in unsere Zeit und zu unserem Schreibtisch-Lebensstil. Aber macht Gymnastik alleine glücklich, machen uns Yoga-Übungen alleine happy? Ändert sich unser Leben, wenn wir Chaturanga Dandasana beherrschen? Und wie sehr können wir überhaupt unser Schicksal bestimmen?

Generell gehen die Meinungen, was Glück sei, auseinander. Es gibt zwei Positionen:

  • „Glück ist Schicksal, Fügung und tja, Glückssache.“
  • „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Was denkst du (Zettel!)?

Fußbodenheizung oder Hände in den Schoß?

Ich denke, die Wahrheit liegt in der Mitte. Wo sonst. Was für eine trostlose Vorstellung, die Hände in den Schoß zu legen, und zusammen mit allem Engagement und Abenteuergeist auch alle Verantwortung für sein Handeln abzugeben? Andrerseits wäre es vermessen, so zu tun, als könnten wir alles bestimmen (obwohl in Kalifornien etliche Menschen in Kühlschränken mit Frostschutzmittel im Leib darauf warten, aufgetaut zu werden, und das ewige Leben zu haben...).

Nein, Glück ist Glückssache, aber es ist viel mehr als Zufall und Fügung. Sonst wären nicht manchmal Menschen, die unter widrigen Umständen leben, aber genug zum Leben haben, glücklicher als jene, die verzweifeln, weil im vierten Wohnsitz die Fußbodenheizung klemmt. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es auf eine gute Mischung von Eigenverantwortung und Demut hinausläuft, oder etwas weniger pathetisch gesagt: die richtige Mischung aus Anpacken und Loslassen.

Glück als langfristigen Besitz zu behalten, ist von der Evolution nicht vorgesehen. Unsere Vorfahren, auch die Tiere, haben schmerzliche Erfahrungen gemacht. Die stecken uns noch in den Knochen. Aber Glück kann als Kompass dienen: Schreib auf, wie du deine Arbeit beurteilst, deine Beziehungen, deine romantische Situation. Schreibt auf, was du in deinen wildesten Träumen gerne wärst. Träume können ablenken und so zum Unglücklichsein beitragen. Ehrlichkeit, wie wir sie in der Achtsamkeitsmeditiation üben können, ist wichtig. Ohne geht es nicht. Aber erst, wenn man den wildesten Traum zugegeben hat, kann man sich vielleicht auch von ihm verabschieden.

„Flow“-Theoretiker haben herausgefunden, was wir Yogis schon lange wissen: dass Glück etwas mit Bewegung zu tun hat und zugleich mit Vertiefung und Verdichtung. Flow beschreibt einen mentalen Zustand, in dem wir uns zwischen Unterforderung und Überforderung einer und nur einer Sache widmen, das kann Klavierspielen, Mathematik oder... Yoga sein. Was uns dagegen unglücklich macht, ist etwas, das uns aus dieser Konzentration herausreißt, auf ungute Weise:

Saboteure des Glücks

Was Glück kaputt macht, ist hinlänglich bekannt. Zur Erinnerung:

  • negativer Stress und Überforderung
  • Vergleiche mit anderen
  • versuchen, es allen recht zu machen
  • Isolation
  • Konsum

Was glücklich (oder zufrieden) macht, ist ebenfalls bekannt:

  • soziale Kontake und echte Freundschaften
  • Familie
  • Liebe
  • Arbeit oder alles, bei dem der Mensch mit seiner Tätigkeit verschmilzt
  • Sport
  • Gleichgewicht zwischen Fähigkeiten und Aufgaben
  • etwas, das größer ist als man selbst

Haben wir etwas vergessen? Dann schreib' es uns. Und zum letzten Punkt noch eine Anmerkung und eine Liebeserklärung an Yoga:

Denn Yoga kann dieses Gefühl hervorbringen, dass man sich aufgehoben und verbunden fühlt mit etwas, das größer ist als man selbst. Du kannst es Spiritualismus nennen, für manche hängt es auch mit Natur zusammen oder Musik, oder einfach der Gesamtheit der Menschen. Aber es funktioniert. Und das hat auch schon Aristoteles festgestellt, als er vom Menschen als gemeinschaftlichem Wesen sprach. Als hätte er geahnt, dass einen Kontinent weiter schon die ersten Yoga-Philosophen an ihrer Definition von Samadhi basteln.

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