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Barbra Noh: Auf der sanften Jagd nach Erleuchtung

Von Kristin Rübesamen

Seit wann machst du Yoga?

Ich übe seit etwa fünfzehn Jahren Yoga.

Erinnerst du dich an deine erste Yoga-Erfahrung?

Irgendwie war ich neugierig und machte eine Probestunde im Sivananda Center in München. Nach dieser erster Stunde fühlte ich einen inneren Frieden und betrachtete meine Umgebung ebenfalls viel entspannter; ich wusste sofort, das ist es, meldete mich für einen vierwöchigen Kurs an und began, täglich zu üben.

Wie lange hat es gedauert, bis du wusstest, das ist meine Bestimmung?

Eigentlich fühlte ich diese „Bestimmung” als Schülerin des Yoga bereits in meiner ersten Klasse. Schon nach einem Jahr fragten mich die Leute, ob ich nicht unterrichten wollte. Nach zwei Jahren Unterrichten sah ich mich um und merkte, dass ich eine Menge Schüler hatte und dass mich das Unterrichten so glücklich machte, dass ich entschied, mich tiefer mit Yoga zu beschäftigen. Es ist wirklich ein großer Segen, Yogalehrerin zu sein.

Warum Yoga und nicht Springreiten oder Golf?

Well, wenn dir Springreiten oder Golf Spaß macht, solltest du es definitiv tun.

Ein Grund, warum ich mich so für Yoga begeisterte, war schlicht, dass ich als professionielle Tänzerin ein sehr erschöpfendes Leben führte. Wenn dein Job physisch so anstrengend ist, dann willst du in deiner Freizeit keinen Sport machen.Yoga dagegen war etwas, das ich tun konnte, selbst, wenn ich müde war. Es half mir dabei, Energie zurückzugewinnen, und saugte nicht noch mehr Energie aus mir heraus. Man braucht keine Golfschuhe oder sonstiges Zeugs dazu. Ich konnte es jederzeit und überall üben. So weit es körperliches Training betrifft, gibt es einiges, was man machen kann, aber der Unterschied zwischen Yoga, Fitness oder anderen Sportarten liegt für mich darin, dass ich durch Yoga emotional ins Lot komme und spirituell auftanke.

Wie hat Yoga dein soziales Leben geändert?

Yoga und ganz besonders die tantrische Philosophie haben mich als Mensch stark beeinflusst. Yoga hat mir geholfen, sensibler in meinen Beziehungen zu sein und besser auf die anderen einzugehen. Durch Yoga habe ich wunderbare Leute getroffen, und viele von ihnen wurden zu Freunden. Yoga hat mir eine große internationale Familie geschenkt. Ich bin da ziemlich eingebunden in die Yogawelt, habe aber immer noch enge Freunde, die nichts mit Yoga zu tun haben, und finde das auch wichtig. Ich hätte es nicht gerne, wenn mich meine Leidenschaft für Yoga vom „normalen” Leben isoliert.

Ein typischer Tag im Leben der Barbra Noh?

Nun, es gibt bei mir keinen typischen Tagesablauf. Mein Lehrplan hält mich ziemlich auf Trab und lässt keine Routine zu. Es gibt Tage, an denen ich unterrichte, Tage, an denen ich im Büro organisiere, Tage, an denen ich reise. Aber ich habe mittlerweile gelernt, sogar freie Tage in meinen Terminkalender einzutragen, und Dinge zu unternehmen, die nichts mit Yoga zu tun haben, um mein Leben nicht einseitig werden zu lassen, sondern im Gleichgewicht und abwechslungsreich. Es ist absolut wichtig, sich auch mal ein Fussballspiel zwischen Deutschland und Italien im Biergarten anzuschauen.

Die Asana, mit der du dich am schwersten tust?

Ich finde alle Drehungen wirklich herausfordend, weil sie die richtige körperliche Ausrichtung verlangen und gerne die Atmung beeinträchtigen.

Wie wichtig ist Meditation für dich?

Sehr wichtig. Ich meditiere am liebsten zu Hause oder an einem ruhigen Platz. Ich versuche auch ganz spontan zu meditieren, wärehnd ich reise – wenn ich im Zug fahre oder am Flughafen warten muss, zum Beispiel. Ich finde es auch meditativ, oder sagen wir eine gute Übung in Achtsamkeit, einem Freund gut zuzuhören, ganz offen zu bleiben und aufmerksam, während er seine Geschichte erzählt, meinen eigenen Atem und meine Gefühle währenddessen wahrzunehmen.

Deine Ernährung?

Ich war schon Vegetarierin, bevor ich mit Yoga anfing, und bin es immer noch. Ich ernährte mich sogar lange völlig makrobiotisch, keine Milchprodukte, kein Alkohol, kein Kaffee, eine Ernährung, die ich sehr emfpehle, wenn man gesundheitliche Probleme hat. Mittlerweile bin ich entspannter, was Essen betrifft. Ich finde Genuss an und für sich heilend und wichtig. Das Schöne an der Yogapraxis ist doch, dass wir bereits die subtilsten Veränderungen unseres Energielevels wahrnehmen lernen, auch, wie unterschiedliche Lebensmittel uns beeinflussen, und daher von Natur aus zu gesundem Essen tendieren. Im Moment gefällt mir alles, was Ayurveda zur Ernährung der einzelnen Typen herausgefunden hat, sehr hilfreich für mich.

Weshalb brauchen die Menschen deiner Meinung nach im Moment Yoga so besonders?

Kurz und knapp: Yoga hilft den Menschen, sich besser zu fühlen, und jeder will sich besser fühlen.

Etwas ausführlicher: Du fragst sicher, weil Yoga im Westen in den letzten Jahren so unglaublich an Popularität gewonnen hat. Ich denke, dass viele von uns, die wir uns um unser unmittelbares Überleben nicht sorgen müssen, ja sogar im Wohlstand leben, die nächste Stufe in unserer persönlichen Entwicklung nehmen wollen. Jeder möchte schlicht glücklich sein, im Frieden mit sich selbst und seiner Umgebung, und die meisten haben kapiert, dass dieses Glück nicht unbedingt mit dem richtigen Job, genug Geld, einem neuen Auto, einer hübschen Freundin, einem tollen Typen und einer exotischen Fernreise im Jahr kommt.

Die Menschen haben Sehnsucht nach einer tieferen Verbindung zur Welt. Yoga scheint uns dabei zu helfen. Es gibt sicher Leute, die Yoga überhaupt nicht brauchen. Aber der Großteil von uns ist doch sehr glücklich, dass wir diese Methode für körperliches, geistiges und emotionales Wohlbefinden haben.

Wird Yoga auch mal langweilig?

Keine Ahnung, wie viele nach unten schauende Hunde ich in meine Leben schon gemacht habe... Nein, noch ist es nicht langweilig. Ich erfahre immer noch Neues über meinem Körper und auch über mich als Person. Ich hoffe, dieser Lernprozess hört nie auf.

Dein Lieblingsguru?

Das Leben. Solange ich offen bleibe und aufmerksam gegenüber allem, was mir zustößt und um mich herum passiert, lehrt mich das Leben jeden Tag etwas Neues.

Du bist erfolgreich. Ist Ehrgeiz yogisch?

Wenn ich das Wort „Ehrgeiz” und „yogisch” in einem Satz sehe, denke ich an das Sanskritwort „tapas”, das zunächst mit Hitze übersetzt werden kann, aber sich auch auf die aktive Verwirklichung eines übergeordneten Ziels im Leben bezieht. Es beschreibt die Hitze der Anstrengung, die negative Energien „verbrennt”, um den Weg zur spirituellen Entwicklung frei zu machen.

Die Sutren von Patanjali sagen, dass der Schlüssel zum Erfolg im Yoga „prayatna”, höchste Anstrengung, und „abhyasa”, kontinuierliches Üben sei. Patanjali sagt uns einfach, dass wir wirklich hart arbeiten und üben müssen, wenn wir wirklich eine Veränderung wollen. Und das Benzin für diese Anstrengung wird unser Feuer, unser Ehrgeiz, unser verbindliches Bemühen und unsere Leidenschaft für dieses Zeit sein. Also finde ich: Ja, Ehrgeiz kann absolut eine yogische Qualität haben.

Dein Schlusswort für die YogaEasy-Leser?

Seid freundlich, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Verzeiht euch, wenn ihr einen Fehler gemacht habt. Geht jeden Tag auf eure Matte, atmet und gebt euer Bestes. Akzeptiert, dass ihr euch prima schlagt und übt weiter!

Danke für das Gespräch, Barbra!

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