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Baby, Baby – Patricia Thielemann im Interview

Von Kristin Rübesamen

YogaEasy: Du bist Yogalehrerin und Mutter. Wie alt sind deine Söhne?

Patricia Thielemann: Vier und sieben.

Welche Erinnerung hast du an deine erste Schwangerschaft?

Vor allem die Illusion, dass alles so bleiben würde wie es vorher war, und dabei (lacht) das zwanghafte Bedürfnis, der Welt zu beweisen, dass ich die alte bleiben würde: „Seht her, ich schaffe alles wie gewohnt!” Ich dachte wirklich, ich bleibe die Macherin, die ich vorher, ich habe das alles in der Hand.

Du warst damals bereits Geschäftsfrau, Yogalehrerin und hattest alle Hände voll zu tun. Genug Gründe, die Babyfrage erst mal zu verschieben. Warum hast du es trotzdem gemacht?

Das war eigentlich eine yogische Entscheidung, Kinder zu bekommen. Ich hatte 37 Jahre Zeit gehabt, mich und ein paar Antworten fürs Leben zu finden, überall auf der Welt, zuletzt in Amerika, und dann nach der Eröffnung von Spirit in Berlin zwar nicht zwingend das Bedürfnis, ein Kind zu bekommn, aber aus pragmatischen Gründen dachte ich: Vielleicht sollte ich mich dem stellen, und wenn der liebe Gott es will, dann wird es auch passieren. Es war in keiner Weise eine dramatische Entscheidung, das liegt mir auch gar nicht so. Eher so, als wenn jemand einmal ins Casino geht, der sich sagt, ich glaub nicht dran, aber heute Abend spiele ich…

Und dann hat es gleich geklappt?

Ja.


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Viele Frauen tun alles, um schwanger zu werden, aber es klappt nicht. Wie viel hat das Schwangerwerden damit zu tun, locker im Kopf zu bleiben, wie man immer hört?

Nun, das ist so wie mit allem, dem Fluss des Lebens, wie man so sagt: Entweder soll es sein oder nicht. Ich habs nicht mal unbedingt gewollt, und wenn es nun nicht geklappt hätte, muss man sich auch beugen. Im Grunde lag darin für mich eine wichtige Erkenntnis fürs Yoga. Ich habe all die Jahre vorher Yoga vor allem als Kontrollwerkzeug verstanden über Körper und Geist, was es ja auch sein kann. Aber es ist eben auch viel mehr. Und mein Verständnis von Yoga hat sich tatsächlich mit dem positivem Schwangerschaftstest gewandelt.

Inwiefern?

Ich hab mich vorher in meinem Macherdasein als männlich empfunden, während das Weibliche viel mit Hingabe und Loslassen zu tun hat. Meine Schwangerschaften waren ein später Versuch, genau diese Seite zu integrieren.

Was sagst du Frauen mit einem starkem Kinderwunsch?

Viele Frauen mit Kinderwunsch kommen zu mir. Ich sage ihnen, dass das ganze Leben ein „letting go” ist, dass auch die Frage „Baby, ja oder nein?” zu einem so großen Thema wird, von dem man sich unter Umständen verabschieden muss. Welche Rolle diese Frage spielt, hängt mit dem Selbstbild einer jeden zusammen. Wer will ich sein? Im Grunde wartet hier eine große Lehre fürs Leben. Indem ich den zwanghaften Wunsch loslasse und mich doch der Tatsache stelle, ein Kind zu wollen, stelle ich mich der Realität. Ich nehme den Wunsch als solchen war, versuche aber nicht am Ergebnis festzuhalten und mich vom Ergebnis terrorisieren zu lassen.

Wie gehen die Frauen damit um, wenn ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt?

Das ist natürlich mitunter hart, aber ich sehe aber auch die Frauen, die Kinder haben, die das Leben einholt und die eigentlich nur mehr über die wachsenden Anforderungen stöhnen, das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse. Entweder ist es ohne Kinder schlimm oder mit, oder aber, und hier kommt das Yoga ins Spiel, so oder so gut.

Es ist also nicht alles eine Frage der Durchblutung?

Nein, das hieße Gott zu spielen. Was allerdings mehr als Gott oder die Durchblutung eine Rolle spielt, ist das Frauenbild, das wir von uns selbst haben. Wenn ich sehe, wieviele Hardcore-Yoginis Probleme haben, schwanger zu werden, oder Fehlgeburten haben, dann ist hier das Bild der toughen Frau, die alles hinkriegt, durchaus mitverantwortlich. Das bedeutet nicht, dass man sich nur mehr zurücklehnt und Kekse isst, aber vielleicht ist es gut sich, bevor man schwanger wird, zu fragen: Mit was identifiziere ich mich da? Und dieses Selbstbild loszulassen und die Dinge auf sich zukommen zu lassen.

Viele Frauen, die einen anstrengenden Beruf haben, erleben die Schwangerschaft als Phase, in der sie notgedrungen auf sich selbst hören müssen – etwas, das wir im Yoga sowieso üben. Wie ging es dir?

Genauso. Und hier kann Schwangerschaftsyoga tatsächlich der Ort sein, wo man genau das thematisieren und üben kann. Man lebt in einer Zeit kompletter Veränderung, und natürlich ist es da nur menschlich, Kontrollmechanismen einzuführen, und sich an irgendetwas festhalten. Sich in dieser Phase die Zeit zu nehmen, sich ganz und gar auf das Kind im Bauch einzustellen, ohne an bestimmten Vorstellungen festzuhalten, ist wichtig. Selbst, wenn das Kind erst ein paar Wochen alt ist, versteht es zwar noch nicht intellektuell , wie die Mutter tickt, trotzdem spürt es diese Innigkeit.

Wie hast du deine körperliche Veränderung wahrgenommen?

Während und nach der Schwangerschaft fand ich es beim ersten Kind etwas bedenklich, eben nicht alles kontrollieren zu können und dann auch irgendwann die 80 Kilo Hürde zu nehmen. Beim zweiten Kind habe ich mit dem Wissen und Vertrauen, dass sich tatsächlich alles zurückbilden kann, die Veränderungen in vollen Zügen genossen. Ich fand es auch in meiner Rolle als Yogalehrerin geradezu herrlich, auf die Außenwahrnehmung mal für ein Jahr zu pfeifen, es war mir egal, wie dick ich war, denn darum ging es ja nun wirklich nicht in dieser Zeit.

Die Rückbildung wird oft nicht wirklich ernstgenommen? Warum ist sie so wichtig?

Rückbildung ist tatsächlich sehr wichtig. Während es beim Pränatal-Yoga mehr darum geht, sich mental auf die Geburt vorzubereiten und die Veränderungen, die einen erwarten, geht es bei beim Postnatal-Yoga tatsächlich mehr um den physischen Aspekt. Viele Yoginis stürzen sich so schnell es geht auf die Hardcore-Bauchmuskelübungen in der Hoffnung, schnell wieder einen Waschbrettbauch zu haben und schwäche dadurch den Beckenboden ganz beträchtlich. Der langsame Aufbau dieser Muskulatur, die Zurückbildung der Gebärmutter aber ist die Voraussetzung, körperlich wie geistig langfristig Kraft aufzubauen. Das wird leider oft vergessen.

Vielen Dank.

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