Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Large mag anna troekes

Anna Trökes - Die Weise des deutschen Yoga

Von Kristin Rübesamen

Kannst Du dich noch an eine Zeit im Leben ohne Yoga erinnern?
Ja! Das war die Zeit meiner Pubertät und danach bis ich etwa 19 Jahre alt war. Ich war ziemlich depressiv und nonstop von irgendeinem schrecklichen Liebeskummer geplagt. Ich war reizbar und cholerisch, extrem unsicher - und hatte keine Ahnung, wie ich mir selber hätte helfen können.... Kurz: Ich bin nicht wirklich scharf darauf, noch mal 20 zu sein - also ein Leben ohne Yoga zu führen!

Du gilst als Pionierin für Yoga in Deutschland. Was für ein Yoga gab es denn, als Du angefangen hast?
Es gab Yoga mit vielen Asanas, es gab YESUDIAN-Yoga (mit strengster Atemführung und Affirmationen), es gab Eutonie- (Spür & Einfühl) Yoga, es gab schon sehr viel Iyengar Yoga, noch viel mehr Sivananda Yoga, und dann waren da noch - zumindest in Berlin und auch am Institut für Hochschulsport der TU Berlin, wo ich ab 1974 Yoga unterrichtete - jede Menge "Sekten-Yoga". Ananda Marga vor allem, aber auch TM und Hare Krishna Gemeinschaften....

Was hat Dich an Yoga gereizt?
Es tat mir selber immer wieder unendlich gut. Es half mir, das "Gefängnis" meines Gewordenseins zu verlassen. Yoga ließ mich erkennen, wie viel Verantwortung ich selber für mein Wohlergehen trage und gab mir Mittel, meinen verstörten Geist zu stabilisieren und mir selber nahe zu kommen. Das war - und ist es noch heute - absolut - überzeugend!!! Und ich hatte gleich am Beginn schon super tolle Lehrer, die immer auch schon die Philosophie mit einbezogen und die mich an ihrer Begeisterung teilhaben ließen.

Du hättest doch auch demonstrieren oder kiffen gehen können wie viele andere Studenten...
Demonstriert habe ich schon. Meistens ging mir aber der Dogmatismus der K-Gruppen schwer auf den Geist. Ich habe zu dieser Zeit studieren wollen, aber es wurde fast jede Vorlesung bei den Germanisten in eine Agit-Prop-Veranstaltung umgewandelt. Ich bin dann - um lernen zu können - in die "Elfenbeinturm-Fächer" ausgewichen, wie Religionswissenschaft, Hermeneutik, Linguistik und vergleichende Literaturwissenschaften. Und Kiffen war mir immer unheimlich. Ich wurde so grottenmüde! Yak! Es war und ist einfach nicht mein Ding.

Welche Widerstände sind Dir im Laufe der letzten Jahrzehnte begegnet?
Jede Menge, jeder Art, vor allem, seitdem ich bekannter bin und für den BDY und die EYU, den deutschen und europäischen Yogalehrerverbund,
aktiv geworden bin. Das waren nicht nur Widerstände, sondern teilweise massive Anfeindungen und sogar Mobbing jeder Art. Ich war immer wieder erschüttert, aber sich selber sieht man ja nicht und kann auch nicht erkennen, wie man selber in seinen alten Mustern rumzappelt...

Welche Rolle spielte Indien auf Deinem Yogaweg?
Erst mal gar keine! Ich hatte schon fast 20 Jahre Yoga gemacht, als ich das erste Mal in Indien war.
Aber ich habe seit Mitte der 70ger Jahre ganz viele großartige Meister auf dem Europäischen Yogakongress in Zinal kennen gelernt, wie z.B. Swami Satyananda Saraswati.
Meine wirklich wichtigen Yogalehrer und Meister waren aber immer Europäer, wie z.B. Patrick Tomatis, Boris Tatzky und Roger Clerc oder andere "Westler" wie Mark Whitwell, Gurmukh Kaur Kalsa, usw.

Du unterrichtest jetzt seit wieviel Jahren?
Seit November 1974.

Wie haben sich die Schüler geändert im Vergleich zu damals?
Wir waren damals wahrscheinlich alle etwas unbedarfter und leichtgläubiger. Wenn in einem klugen Buch stand, dass dieses Asana bei den Beschwerden wirkt, hat das einfach jeder geglaubt, denn wir waren alle eher unwissend. Wir hatten keine Ahnung, dass Körper auch Fürsorge und Nachsicht brauchen und dass Menschen "klassische" Asanas an die Bedürfnisse ihrer Körper anpassen sollten. Deshalb haben wir uns alles gefallen lassen: in den Lotussitz gezerrt zu werden, in Gurte gespannt zu werden, unsachgemäße Korrekturen zu ertragen (nachdem ich den Lotussitz gezwungen worden war, stieg jemand auf meine Knie, damit sie endlich runter kamen...) Selbstverantwortung war noch ein Fremdwort damals und Yoga hatte noch ganz viel Magie!

Teilst Du den Vorwurf vieler Yogis der ersten Stunde, das Yoga von heute sei zu körperlich und das Spirituelle bleibe dabei auf der Strecke?
Neeeee! Man kann den Yoginis und Yogis heute nicht vorwerfen, dass sie nicht "spirituell" genug sind. In welchem Maße sie sich den Konzepten des Yoga öffnen können, hängt doch vor allem davon ab, wie ihre LehrerInnen es ihnen vermitteln und was sie davon ins Leben umsetzen.
Ich finde ganz im Gegenteil, dass insgesamt der Umgang mit den Werkzeugen des Yoga viel bewusster und reifer geworden ist.

Worin liegt die Stärke von Online-Yoga und YogaEasy.de im Speziellen?
Jede/r kann es jederzeit üben. Das ist SUPER für all diejenigen, die immer Mühe haben, oder denen es ihre Arbeitszeiten unmöglich machen, dass sie regelmäßig einen Kurs besuchen.
Es ist SUPER für alle Menschen, die gerne regelmäßig üben möchten, aber in einem Teil der Welt (und das kann sogar in Deutschland sein) leben, wo es keine oder kaum Yogalehrer gibt.
Und noch etwas: Ich kann auf YogaEasy.de ganz viele unterschiedliche Yogastile kennenlernen und ausprobieren. Ich kann extrem viele LehrerInnen kennenlernen - wie sonst nur auf Yoga-Kongressen. Da habe ich diese LehrerInnen aber nur ganz kurz. Bei YogaEasy.de kann ich mich wochenlang in viele ganz unterschiedliche Hatha-Yoga-Stile einschwingen. Und dann eventuell entscheiden, ob ich tiefer in einen eintauchen möchte, ob ich den Leher oder die Lehrerin kennenlernen möchte.

Was zeichnet den Anfängerkurs aus, den Du gerade gedreht hast?
Er ist wirklich für AnfängerInnen konzipiert. Hier gilt das Motto des Ashtanga Yoga-Gründer Pattabhi Jois: "Jede und jeder kann Yoga üben - solange sie und er atmen kann!"

Für wen eignet es sich besonders?
Für AnfängerInnen und für alle die Menschen, die Angst haben, dass Yoga üben zwangsläufig heißen muss, sich zu verbiegen....

Dein Rat an alle, die sich nicht so richtig trauen?
Trau Dich! Probier es einfach mal aus! Und hab Spaß!

Welches ist Dein Lieblingsvideo des Anfänger-Kurses?
Im Ensemble der zehn Videos mag ich jedes auf seinen Weise. Das war eine weise Antwort!

Wenn Du nur mehr ein Asana machen dürftest für den Rest deines Lebens, welche wäre es?
Uff! Was für eine schreckliche Vorstellung!!! Ich würde mich aber wahrscheinlich für "yogi's best friend" entscheiden: den Hund!