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Ja, ich habe Angst – vor Dummheit

Von Kristin Rübesamen

Angst ist ein scheußliches Gefühl. Es schwappt heran, es breitet sich aus, es nimmt uns den Atem. Viele Menschen haben nach den Terroranschlägen vom 13. November in Paris gesagt, wir lassen uns nicht unterkriegen, und es hat gut getan, in diesen Tenor einzustimmen. Es hat gut getan, dem Gefühl von Angst etwas entgegenzusetzen. Es fühlte sich nach Souveränität an und danach, keine Opferrolle anzunehmen. Auch ein kleines bisschen gelogen, so wie Kinder schwindeln, wenn sie die Ehe ihrer Eltern retten möchten. Trotzdem hatte dieser Refrain eine wichtige Funktion: das Gefühl des Plurals, das darin spürbar wurde, das Gefühl von Zusammenhalt, den jeder Einzelne jetzt sucht, das Gefühl einer Allianz.

Ist die Angst jetzt weg? Nein.

Denn es ist das Wesen des Terrors, Angst zu verbreiten. Wenn es einen Menschen, der T-Shirts auf einem Konzert verkauft, trifft, kann es jeden treffen. Wenn man zur Zielscheibe wird, nur weil man an einem Freitagabend mit einem Freund im Restaurant sitzt, kann es jeden treffen. Wenn Paris als Hauptstadt von Prostitution und Laster ins Visier rückt, dann sind es Berlin und Hamburg ebenso wie London, Rom und Washington.

Was machen wir also dagegen? Einige stecken den Kopf in den Sand, aber die meisten von uns machen das Naheliegende: Sie machen weiter mit ihrem Leben, lesen über die Hintergründe der Anschläge in Ankara, Beirut und Paris und versuchen sich zu informieren. Sie versuchen, im Grau dieser Tage etwas Schönes zu sehen. All das sind, sagen Traumatherapeuten, bewährte Mittel, um mit dem Schock umzugehen. Um unser erschüttertes Sicherheitsgefühl zu restaurieren, hoffen wir auf Politiker, Autoritätspersonen, gute Freunde,  Menschen, die Stabilität verkörpern, an denen wir uns orientieren können.

Der falsche Weg für uns

Was nicht hilft, sind die Trauerposts auf Facebook, die wie PR-Anzeigen wirken, kraftmeierische Slogans, Untergangsbeschwörungen, wir lesen von Menschen, die in einem Moment zu Tode erschüttert sind und im nächsten schon immer alles besser gewusst haben. Besonders laut auch: der Ruf nach Rache und nach Krieg. Der Einwand, dass der Großteil der 1,3 Millionen Menschen, die seit dem 14 Jahre währenden Krieg gegen Terror starben, friedliche Muslime waren, wird nicht gehört. Der französische Präsident schickt noch am selben Wochenende die französische Luftwaffe nach Syrien, „schonungslos“, wie er ankündigt, ohne darüber nachzudenken, was es heißt, dass ein Teil der Terroristen Franzosen waren, ja, dass der größte Zustrom des IS aus Europa kommt, dass der IS im Irak-Krieg geboren wurde. So züchtet man Selbstmordattentäter. Die Kampfansagen, die wir uns in der letzten Woche anhören mussten, wurden vom IS triumphierend aufgenommen. Der Automatismus von Rache und Gewalt, der gerade einsetzt, ist genau, was sie wollten: Zwiespalt in Europa, mehr Angst gleich mehr Waffen gleich mehr Krieg.

Was wir als normale Menschen tun können, ist daher, Ruhe zu bewahren, uns der Angst zu stellen, und die Spaltung der Gesellschaft aufzuhalten. Was wir als Yogis tun können, ist, unsere Erfahrung damit, ehrlich mit sich selbst zu sein, nach außen zu tragen. Sich auf unsere yogischen Wurzeln zu besinnen als Menschen, die die Verbindung suchen, nicht die Abspaltung.

Und so bekämpfen wir unsere Angst

1. Sich seine Angst eingestehen: Der Mensch, der einen anderen tötet, weil er den Tod höher als das Leben stellt, wird immer Macht ausüben über denjenigen, der am Leben hängt. So zu tun, als sei alles normal, wäre absurd. Die jetzt überall gemeldeten „Sicherheitsbedenken“ suggerieren, dass es eine absolute Sicherheit gibt. Die gibt es nicht. Je eher wir das verstehen, desto klarer sehen wir, wie viel Kraft wir haben und welche Schritte wir gehen können, um unsere Kraftquellen wie Familie, Freunde, Musik, Yoga, was auch immer es ist, zu stärken.

WO? AUF DER MATTE. IN DER MEDITATION. BEI EINEM SPAZIERGANG MIT FREUNDEN. IM AUFWÄRTSSCHAUENDEN HUND!

IN BALANCE-ÜBUNGEN. ERST DIE KÖRPERMITTE STÄRKEN MIT ÜBUNGEN FÜR ZENTRUM, VIELEN HUNDEN UND STANDHALTUNGEN, DANN DIE BALANCE TESTEN: VERLIEREN UND WIEDER GEWINNEN!

2. Nur aus einer solchen ehrlich eingestandenen Angst und Sorge kann Solidarität und die vielfach strapazierte Empathie wachsen. Nur wer die Angst in sich fühlt, wird sie im Anderen fühlen und nur so kann jene Einheit zwischen allen Ländern wachsen, die der IS am meisten fürchtet.

GEMEINSAM MIT ANDEREN ÜBEN. DIE NACHBARIN MITNEHMEN. DER OMA EINE NACKENMASSAGE GEBEN. MENSCHLICH SEIN. NICHT ALLEINE.

3. Die Attentäter verachten die Menschen und das Leben. Sie müssen rechtstaatlich mit allen Mitteln verfolgt und verurteilt werden. Wir aber sollten solange das tun, was in unserer Macht steht und wir sind sehr mächtig: kein feindliches Klima zwischen den Kulturkreisen entstehen lassen, friedlich und besonnen bleiben, jedem Versuch zur Radikalisierung trotzen und das tun, was wir Yogis können - Botschafter von Ahimsa sein, Botschafter von Gewaltlosigkeit. Denn am Ende geht es vielleicht weniger darum, dass wir nicht sterben wollen, sondern darum, wie wir leben wollen.

UND WIE WOLLEN WIR LEBEN? FREI, AUTHENTISCH, UNDOGMATISCH. FÜR DIE LIEBE.

Oder wie der Dalai Lama sagt: „So let us work for peace within our families and society, and not expect help from God, Buddha or the governments.”

Und hier noch ein Kommentar von Lieblingsyogi Russell Brand.

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