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Alter Groll und Badewanne: 3 Tipps zum Jahresende

Von Kristin Rübesamen

Der Typ, der dein Fahrrad geklaut hat, der Architekt, dessentwegen es in dein Haus regnet, die Frau, die dir den Mann ausgespannt hat, der Mann, der nicht mit dir tanzen wollte: Die Liste der Menschen, die uns geärgert haben, können wir im Schlaf aufzählen, auch wenn die tatsächlichen Vorkommnisse Jahre zurück liegen. Die liebe Kindergärtnerin, die uns immer auf den Schoss genommen hat, der Nachbar, der uns abschreiben ließ, der nette Verehrer, der sich problemlos abwimmeln ließ - alle vergessen. Die Fieslinge, die Bösen und Gemeinen, die haben wir stets parat, weil wir den Groll gegen sie hegen, sprich pflegen.

Alter Groll erhöht den Blutdruck

Forscher der Emory Universität haben herausgefunden, dass alter Groll der Gesundheit schadet. Schon der Gedanke an das zurückliegende Ereignis und die damit einhergehenden Gefühle versetzen den Körper in eine Stressreaktion und einen Alarmzustand. Was uns in der Gegenwart hilft, aus akuten Gefahrsituationen heil herauszukommen, kann, sobald es sich um vergangenen Ärger handelt, ernste gesundheitliche Konsequenzen haben und zu hohem Blutdruck und Herzerkrankungen führen.

Loslassen ist kinderleicht, leider nicht für Erwachsene.

Alten Groll loszulassen klingt manchmal leichter als es ist. Man kann sich in seinen Feindschaften und Abneigungen einrichten wie in der Kostümabteilung der Londoner Royal Opera. Man kann seinen Hass einmotten und immer wieder herausholen, wenn einem nach Unterhaltung zu Mute ist. Alte Fehden sind mit Sicherheit aufregender als ein leeres, sonniges Gemüt, obwohl... im Grunde eher nicht. Denn das Drehbuch für deine alten Groll-Aufführungen ist immer gleich, du kennst den Anfang, den Höhepunkt und den Schluss. Nicht mal von „Miami Vice“ gibt es mehr als ein Remake, soweit ich weiß.

Drei unorthodoxe Methoden, loszulassen*

  • Schreibe die Namen aller Menschen, gegen die du alten Groll hegst, auf ein Blatt Papier und verbrenne es feierlich, während du ihnen vergibst. (Vielleicht fühlst du dich ein bisschen wie ein Schamane, aber du musst dazu kein teures Seminar besuchen, mach es einfach auf dem Balkon. Oder in der Wohnung, während du ein Büschel trockenes Salbei abbrennst!)
     
  • Übe eine Runde Löwenatem so aggressiv und böse, wie du nur kannst, und vergib deinen alten Peinigern danach.
     
  • Wähle einen bequemen Sitz für eine kurze Meditation und visualisiere die Situation, die den Groll in dir auslöst. Wiederhole nun das Mantra „Lass los“ für fünf Minuten. Einatmen-lass, ausatmen-los. Es werden grausige fünf Minuten, aber danach willst du nie wieder an diesen Menschen denken, außer mit dem Gefühl milder Erschöpfung.

Und dann?

Du wirst vermutlich, sobald du deinen Groll losgeworden bist, erst mal ins Leere starren. Vielleicht wird es dir sogar heimlich etwas langweilig. Aber dann spürst du, wie viel Energie du frei hast für neue Abenteuer, vielleicht wieder mit Fieslingen, vielleicht auch mit einem Happy End. Auf jeden Fall wird es in der Gegenwart spielen, und die ist doch (zumindest hier in Mitteleuropa mit Rechtstaat und Gesundheitsversorgung) das Beste, das wir haben.

(*Für traumatische Situationen ungeeignet)