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Yoga & Familie: 5 Tipps für friedliche Feiertage

Yoga & Familie: 5 Tipps für friedliche Feiertage

Von Kristin Rübesamen

Werbung vs. Realität

Aufgepasst, was fehlt in diesem Bild? Die süßen Kinder, geduldig der Weihnachtsgeschichte (Luther!) lauschend, die Mama, schlank in schwarzem Samt, einen Teller mit Nussmakronen herumreichend, der Vater, fein im Kaschmir, die angereiste Verwandtschaft, das Klingeln der Champagnergläser, im Hintergrund das Weihnachtsoratorium von Bach.

Das fehlt: die angetrunkene Erbtante im Gästeklo, die geronnene Buttersauce für den Hauptgang im Topf, die Tavor-Rückstände im Whiskeyglas des Vaters, Tinder-Alarm bei der Tochter, die Amazon-Verpackungen auf dem Balkon, und wer ist eigentlich der Typ, der die ganze Zeit Online-Poker spielt?

„Frieden auf Erden” heißt der Suchbegriff für diejenigen, die vergessen haben, worum es an Weihnachten geht. Frieden auf Erden klingt gut. Wir brauchen ihn dringender denn je. Frieden auf Erden kann nur entstehen, wenn wir mit der Liebe zu Hause anfangen. Deshalb hier eine Liste mit fünf Ratschlägen (radikal von mir gekürzt, denn ich gehe davon aus, dass du schon genug Listen angelegt hast...)

1. Mach' Platz

So sehr es darum geht, eng zusammenzurücken als Familie an Weihnachten, so wichtig ist es, Platz zu schaffen, um sich aus dem Weg zu gehen. Sei kreativ. Nutze Ecken und Räume, die normalerweise einen anderen Zweck haben (Büro, Wäschekammer, Bibliothek, ähem) und verteile deine Gäste weiträumig. Wer in der Nähe wohnt, geht abends nach Hause. Die Gastgeber könnten auch zu Freunden/ins Hotel ziehen und den angereisten Eltern/erwachsenen Kindern das Terrain überlassen.

2. Geh' raus

Setz' durch, dass alle mindestens einmal am Tag an die frische Luft müssen! Ein Spaziergang gemeinsam oder alleine lüftet den Kopf und hilft der Verdauung vor der nächsten Runde Punsch.

3. Klare Ansagen helfen

Zu viel Freiheit macht nervös. Mach' einen Plan, was wann und wo passiert, damit alle Bescheid wissen, und gib ihn auch bekannt. Mit Glück wird es ein bisschen wie in einem strengen Internat: Eiserne Regeln provozieren Kreativität und stacheln zum Widerstand auf. Dann einen Spaziergang (siehe oben) und die Sache läuft.


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4. Gib nicht so viel Geld aus (und nicht mehr als, sagen wir, an einem Geburtstag)

Es ist ja auch eine Geburtstagsfeier: Jesus' Geburtstag. Wenn die Evangelisten auch nur halbwegs recht haben, bevorzugte Jesus einen bescheidenen Lebensstil. Warum? Weil die besten Dinge im Leben sowieso mit Geld nicht zu kaufen sind. Wer sich für Weihnachten verschuldet, was immer noch viele Leute machen, hat die Botschaft nicht verstanden. Und jetzt kurz Spaß beseite: Alles, was du schenkst, sollte von Herzen kommen, nicht von DHL. Back' einen Kuchen, mal' ein Bild, schreib' ein möglichst peinliches Gedicht, auch ein Klassiker: Topflappen häkeln. Wenn ich das hinkriege, schaffst du das mit links. Aber verschon' unsere Erde von noch mehr Plastikschrott.

5. Sharing is caring

Wenn du denkst, du machst dich beliebt, wenn du bis zur letzten Sekunde schuftest und über den 78 Fondue-Saucen zusammenklappst, vergiss es. Niemand mag Märtyrer (abgesehen von Jesus). Schreibe alle Aufgaben auf einen Zettel und delegiere. Schon die Kleinen können helfen (zum Beispiel aufpassen, dass niemand das Christkind stört). Schwiegermütter können Kartoffeln schälen oder mit den Kindern Latein lernen, Männer können sich mit dem Müll beschäftigen, Betten machen, Geschirrspülmaschine ausräumen. Delegiere so, dass dir genau der Job bleibt, den du gerne machst: Tisch decken, Plätzchenteller auffüllen, zur Tankstelle fahren (herrlich!), was auch immer.

We're only human after all...

Es sind Rituale wie Weihnachten, die die Gesellschaft zusammenhalten, wie Bundestagswahlen, der TÜV, der Tatort und der Winterschlussverkauf, ob es uns gefällt oder nicht. Es sind Rituale, die Übergänge illustrieren. Weihnachten markiert einen Moment, an dem alles zum Stillstand kommt, einen Fixpunkt, auf den alles (zumindest in der Zuckerindustrie) zuläuft. Es ist die Vorstellung vom perfekten Moment, die uns vorher verrückt macht. Denn was, wenn dieser Moment nicht perfekt ist? Wenn das Bild einen Riss bekommt? Dann hätten wir alle die Chance, wieder Menschen zu sein. Auch darum geht es bei diesem Geburtstag.

Und weil wir alle Yogis sind, zuletzt ein handfester Tipp: Wenn gar nichts hilft, lasst alle so lange die kleine Kobra machen, bis Ruhe einkehrt (und lest währenddessen aus dem ungemein erleuchtenden Ratgeber-Buch „Gewaltfreie Kommunikation” von Marshall B. Rosenberg vor). Kulturgeschichtlich steht die Schlange nämlich nicht nur für Weisheit bei den Christen, sondern auch für den Teufel. Genau so ambivalent ist auch Weihnachten. Für viele ist es ein Horrortermin. Deshalb ein allerletzter Vorschlag: Ladet jemanden ein – vielleicht nicht für die ganze Zeit, aber wenigstens an einem Abend oder zu einem Essen – der alleine ist.

Frohe Weihnachten!

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