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Gesundheit & Yoga

12.01.2012

Wasser – von der Dusche bis zur Dürre

Quell des Lebens, Symbol der Reinheit, ökologische Herausforderung: Wasser ist ein vielfältiges und sagenumwobenes Element. Katharina Klofat hat interessante Antworten zu dem Phänomen Wasser gefunden, die uns Yogis bewegen sollten. Von wegen: "Lass die Badewanne ein."

Wasser als Lebenselixir

Die Baywatch-Blondine Pamela Anderson verkündete vor einigen Jahren in einem Interview, jeder Tag, den sie nicht am Meer verbringen könne, ließe sie um Jahre altern. Auch wenn ich grundsätzlich wenig von Pamela Andersons Meinung halte – in diesem Fall gebe ich ihr Recht. Sobald ich beim Thema “Traumreisen” an einen schönen Ort denken soll, lande ich fast immer an einem Strand, in Ausnahmefällen auch an einem See. Und wer sich die Top Ten der beliebtesten Urlaubsziele durchliest, merkt schnell, dass es nicht nur Pam und mich ans Wasser zieht. Denkt an Odysseus, Kolumbus, Aga Khan – kein Zweifel, Wasser macht uns an.

Woher kommt diese intensive Bindung zwischen Mensch und Wasser?

Klar ist, dass wir auf Wasser angewiesen sind. „Wasser ist Leben“ heißt es und das ist keine Übertreibung. Unsere Nahrung (Pflanzen, Tiere etc.) braucht Wasser, um zu überleben, und wir Menschen sterben durchschnittlich schon nach drei Tagen ohne Wasser. Gut 60 Prozent des menschlichen Körpers besteht aus Wasser, und 70 Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt.

Aber steckt da noch mehr hinter unserer Sehnsucht nach Wasser? Warum wirken Meeresrauschen und Seegeplätscher so beruhigend? Warum war der Ort, der mich am glücklichsten gemacht hat, ein Wasserfall – und nicht etwa eine der beeindruckenden Kirchen oder Brücken oder modernen Museen, die ich im Laufe meines Lebens bewundern durfte?

An Flüssen wurden Städte gebaut. Wasser als Verkehrsweg hat Handel und Zivilisation vorangetrieben, zu einer Zeit, als die Waren des Kapitalismus’ noch im Schiffsbauch und nicht an der Wall Street transportiert wurden. Wasser bedeutet jedoch noch immer Reichtum. Das kann man sich am Rhein genauso wie am Nil anschauen, deren touristische Schifffahrt von unserer Sentimentalität lebt.

Wasser als Symbol

Ich habe keine wissenschaftlichen Antworten auf diese Fragen gefunden. Aber es ist offensichtlich, dass es sich bei der menschlichen Liebe zum Wasser um kein neues Phänomen handelt. Wasser wird seit Jahrhunderten bei wichtigen Ritualen wie Taufen und symbolischen Waschungen verwendet und gilt seit jeher als Symbol der Reinheit. Das mag seinen Ursprung ganz profan in der Hygiene, als einer der wesentlichen praktischen Funktionen von Wasser, haben – trotzdem ist es erstaunlich, wie viel Macht dem nassen Element zugesprochen wird.

Im alten Ägypten etwa wurde der Nil als Gott verehrt. Der Fluss Ganges machte der hinduistischen Legende nach die Erde erst fruchtbar und steht seither in Gestalt der Flussgöttin Ganga für Wohlstand, Gesundheit und Erlösung. Auch die chinesische Philosophie Feng Shui rät allen, die in Harmonie leben wollen, sich in der Nähe eines Gewässers anzusiedeln – „Shui“ heißt übrigens „Geist des Wassers“.

Aber nicht nur die lebenserhaltenden und hygienischen Aspekte des Wassers haben uns Menschen inspiriert – auch seine Eigenschaften werden für ihren Symbolcharakter geschätzt und haben metaphorische Kraft.
Es war angeblich Heraklit, der den Ausspruch „Pantharei“ prägte – übersetzt: „Alles fließt“. Vom „Fluss des Lebens“ bis zum „Flow“ (ein von dem Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi beschriebener Zustand absoluter Konzentration während einer Tätigkeit) beziehen sich hunderte von Sprichworten, Metaphern und Ausdrücken („im Fluss“, „Ideen sprudeln“, „reden wie ein Wasserfall“, „die Zeit plätschert dahin“ etc.) auf das Element Wasser. Und unsere Yoga Flows, die so beliebten Yoga-Stunden, in denen alle Haltungen miteinander verbunden werden, ahmen den scheinbar mühelosen, natürlichen Fluss des Wassers nach.

Wasser als Ressource

Wasser spielt nicht nur als Symbol beim Yoga eine Rolle. Während in Bikram-Stunden Wasser-Trink-Pausen angemahnt werden, weil durch die hohen Raumtemperatur bei diesem Yoga-Stil viel Schweiß fließt, ist Trinken beim Jivamukti Yoga, ausser für Schwangere, untersagt, weil der Reinigungsprozess, der durch das aufgebaute Agni (Feuer) entsteht, nicht durch Wasser gelöscht werden soll. Nach der Stunde allerdings soll viel Wasser und Kräutertee getrunken werden, um die gelösten Giftstoffe auszuscheiden. Der Entgiftungsprozess funktioniert am besten bei qualitativ hochwertigem Wasser. Reines Quellwasser soll es am besten sein, da sind sich die meisten Yogalehrer einig, nicht behandelt, und mit natürlichen Mineralien aus den Gesteinsschichten, durch die es geflossen ist. Wasser ist ein Markenartikel geworden.Selbstverständlich darf es nicht aus einer Plastikflasche kommen.

Der Feind: Plastik

Schließlich verunreinigen die meisten Plastiksorten das Wasser mit Giftstoffen wie Weichmachern und hormonell wirksamen Stoffen, die sich im menschlichen Organismus anreichern können. Und nicht nur unser Blut und unsere Organe werden vergiftet. Im Pazifik hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre ein drei Tonnen-schwerer Teppich aus Plastikmüll gebildet – Plastikabfällen, die wir produziert und dann nicht korrekt entsorgt haben. Fische, die sich durch das Filtern von Mikroorganismen ernähren, verhungern nicht selten mit einem Magen voller Plastikteilchen. Robben ersticken an verschluckten Plastiktüten. Fischer können die gefangenen Fische nicht mehr verkaufen, weil sie zu stark mit Giftstoffen aus dem Plastikteppich belastet sind.

Der blendend aussehende Brite David de Rothschild protestierte, anstatt das Familienvermögen wie andere Erben in Yachten anzulegen, gegen Verschmutzung der Meere und verschwenderischen Konsum, indem er mit seiner Crew den Pazifik auf dem Katamaran „Plastiki“ überquerte, der aus 12.500 alten Plastikflaschen und anderem PET-Abfall bestand

Etwa eine Milliarde Menschen auf unserer Erde haben ein existentielles Problem – sie haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser. In ihrer Verzweiflung greifen viele dieser Menschen auf verunreinigtes Wasser zurück. Rund 80 Prozent der Infektionskrankheiten weltweit sind auf verseuchtes Wasser zurückzuführen. Krankheiten, die vor allem schwachen, jungen und alten Menschen nicht selten das Leben kostet.

Nach Angaben der Unesco haben mehr als zwei Milliarden Menschen nicht genug Wasser zum Leben. Über eine Milliarde muss ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Der größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft – insbesondere die Landwirtschaft zur Erzeugung tierischer Produkte. Zur Erzeugung von 1 Kg Fleisch werden je nach Tierart und Berechnungsverfahren 3.500 bis 32.000 Liter Wasser verbraucht. Dies ist zum einen bedingt durch die Futtermengen, die einen hohen Anteil des Grundwassers bzw. Regenwassers verschlingen. Dazu kommen Wasserverbrauch in den Haltungsbetrieben und den Schlachthäusern, die mitunter zur Schlachtung nur eines Huhns 14 Liter Wasser verbrauchen.

Den Zusammenhang zwischen Wasser und Essen, zwischen den schwindenden Wasserreserven und unseren Essensgewohnheiten untersucht die World Water Week 2012 , die jährlich alle Spezialisten zum Thema in Stockholm versammelt.

Vielleicht gibt es Hoffnung. Das Problem der Wasserknappheit wird endlich zur Kenntnis genommen. Bei einem Erfinder-Wettbewerb gewann kürzlich ein junger Inder, der eine Dusche entwickelt hatte, die tatsächlich nur mit Tauwasser funktioniert, es gibt mittlerweile mehrere gut umsetzbare Konzepte für wasser- und chemielose Toiletten, und der Österreicher Sepp Holzer baut weltweit in Trockengebieten Wasser-Retensions-Räume – diese künstlichen Seen machen innerhalb weniger Jahre aus harten, dürren Böden grüne Landschaften, die Menschen und Tiere mit Wasser und Nahrung versorgen.

Neujahrs-Wasser-Vorsatz

Während ich diesen Artikel schreibe, wird mir klar, dass ich das Jahr 2012 in das Zeichen des Wassers stellen möchte: Hiermit nehme ich mir feierlich vor, mit diesem wunderbaren Element sparsamer umzugehen.

Ich muss nicht jedes Kleidungsstück sofort waschen, wenn ich es ein Mal getragen habe.

Ich werde kürzer duschen und das Wasser nicht laufen lassen, wenn ich es gerade nicht nutze.

Ich werde endlich Schluss machen mit dem blöden Plastik. Keine Plastikflasche wird den Weg in mein Zuhause finde. Ich werde eine Gemüse-und Obstkiste abonnieren statt in Plastik verpacktes Bio-Obst aus dem Supermarkt zu kaufen und wenn ich mal meine hippe Jute-Tasche zu Hause vergesse, dann muss ich meine Einkäufe eben unter die Arme klemmen, denn Plastiktüten kommen nicht mehr in die Tüte!

Und dann mache ich mich auf die Suche nach einem Haus am Meer, oder am See, oder an einem Fluss…

PS: Aga Khan will seine 200 Milliarden Dollar Yacht, die sicher jede Menge Dreck macht, auch nicht mehr.


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Katharina Klofat

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