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Üben mit Yogaeasy

18.03.2011

Sitz mal still!

Katharina Klofat ist eingetaucht: in die hohe Kunst, einfach nur zu sitzen und zur Ruhe zu kommen. Wobei schnell klar ist, dass wir ein überaus geschwätziges Innenleben führen. Wie man das Gedankengeplappere in den Griff bekommt und so in den Genuss innerer Ruhe gelangt – hier könnt ihr es nachlesen!

Meditation ist Sitzen. Und sonst nichts. Warum also gibt es Meditationszentren und -kurse, verschiedene Meditationstechniken sowie spezielle Kissen, Bänkchen und Decken? Tja, weil uns leider kaum etwas so schwer fällt wie einfach da zu sitzen und nichts zu tun. „Nichts zu tun“ bedeutet nämlich nur und ausschließlich den aktuellen Moment zu fühlen – und dabei nicht oder wenig zu denken. Und genau das können wir nicht.
Ständig müssen wir unser Fühlen in Denken umwandeln, und damit in Bewertungen. Das Kribbeln im Fuß wird dann “unangenehm”, das Licht im Raum “grell”. Und dann verlassen wir meistens auch noch die Gegenwart und grübeln über Vergangenes oder die hypothetische Zukunft: die Wut über das Missverständnis im Büro kehrt zurück, oder Angst, der Supermarkt würde doch schon um 20 Uhr schließen und man könnte nichts mehr fürs Abendessen einkaufen. Und dann sitzt da plötzlich nur mehr ein Körper, und der Geist macht das, was er immer macht, nämlich plappern. Und schon hat das ganze mehr mit “Auf den Bus warten” als mit Meditation zu tun.

Türe zu, Augen zu

Wie kann ich dieses Geplapper also ausschalten? Die yogische, die buddhistische, aber auch die christliche Tradition haben dafür etliche Techniken entwickelt. Es gibt mittlerweile hunderte von Wege, in einen meditativen Zustand zu kommen: dynamische Meditationen, in denen geschrien, gesungen und getanzt wird; Achtsamkeitsmeditationen, bei denen jeder Aspekt einer Teezeremonie oder eines Spaziergangs bewusst wahrgenommen wird; Vipassana-Meditationen, bei der fortgeschrittene Meditierer ohne irgendwelche Anweisungen stundenlang völlig bewegungslos sitzen. Am bekanntesten, und für Anfänger am besten geeignet, sind jedoch klassische Meditationsmethoden. Da Reize von außen den Denkapparat aktivieren, empfiehlt sich ein ruhiger Raum, in den keine Störung vordringen kann. Telefon also ausstecken! Der Platz sollte ordentlich und sauber sein, und möglichst wenig Stressfaktoren enthalten. Es gibt sicherlich Menschen, die wunderbar in ihrem Arbeitszimmer meditieren können – das Schlafzimmer oder das Lesezimmer eignen sich trotzdem ungleich besser. Als Zeitraum wird meistens der frühe Morgen empfohlen, wenn der Geist noch rein ist.

Zur Meditation sollte eine bequeme, sitzende Position eingenommen werden. Das kann der Fersensitz sein oder eine Sitzhaltung mit gekreuzten Beinen (z.B. Schneidersitz). Die Knie sollten dabei immer tiefer sein als die Hüfte, dabei helfen Meditationskissen (gibt es in verschiedenen Formen und Größen) oder Fersenbänkchen. Der Sitz muss vor allem aufrecht sein, konkret sollte die Hüfte leicht nach unten gekippt sein, die Schultern nach unten hinten ziehen und der Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule positioniert werden. Wenn ein bequemer, stabiler Sitz gefunden ist, kann der Meditierende die Augen schließen und mit seiner bevorzugten Technik beginnen. Das kann ein Mantra sein, d.h. ein Sanskrit-Wort bzw. – Satz (Om, Sat Nam etc.) wird ständig wiederholt. Wem das zu hinduistisch ist, der kann sich auf den eigenen Atem konzentrieren – dessen Ein- und Ausströmen an der Nase etwa. Außerdem gibt es Meditationen, die sich auf einzelne Chakren konzentrieren, z.B. das Herzchakra durch Affirmationen und Licht-Visualisierungen öffnen sollen. Auch Meditations-CDs können helfen und haben den Vorteil, dass die immer gleichen Ansagen nach einer Weile eine Art “Meditationskonditionierung” auslösen können. Die Wirkung einer Meditation wird übrigens verstärkt, wenn die Hände in einem passenden Mudra (symbolische Handgeste) gehalten werden. Das Ende der Meditation kann man etwa anhand eines Klangschalen-Stücks bemessen oder sich sogar einen Wecker stellen.

Kopf-Urlaub

Warum aber sollte sich der gestresste Mitteleuropäer pro Tag 10, 30 oder mehr Minuten Zeit nehmen, um still zu sitzen? Das eigentliche Ziel der Meditation war Erleuchtung zu erlangen. Damit ist der Moment gemeint, in dem der Meditierende erkennt, dass er kein Individuum ist und alles, was er als Realität wahrnimmt, nur eine Illusion und stattdessen wieder in das Ewige, das Unbeschreibbare (viele nennen es Gott) eingeht. Ohne oberflächlich erscheinen zu wollen: Das Ziel meiner Meditationspraxis ist mitnichten Erleuchtung. Ganz im Gegenteil soll mir meine Meditation dabei helfen, mein Leben (ob Illusion oder nicht) voller zu leben, d.h. mit mehr Klarheit, mehr Energie, mehr Gesundheit. Meine Meditation hilft mir außerdem dabei, stressfreier durch stressige Situationen zu kommen – und macht mich als netten Nebeneffekt dadurch zu einem netteren Zeitgenossen. Wie die Meditation das schafft? Eigentlich ganz einfach.

Die Meditation gibt mir einen Raum, in dem ich nicht denken muss. Indem ich nicht denke, mache ich mir auch keine Sorgen, habe keine Angst, grüble nicht in den immer gleichen Gedankenschleifen, schwelge nicht in schönen Erinnerungen und verbaue mir dadurch den Blick auf das Glück der Gegenwart, schreibe keine To-Do-Listen und gerate dadurch in Stress. Indem ich nicht denke, schenke ich mir selbst einen Kopf-Urlaub. Der Kopf hängt einfach mal in der Hängematte statt wie sonst durchgehend zu rotieren und zu produzieren. Wir alle wissen, wie erholt, gut gelaunt, angefüllt mit neuen Ideen und frischer Energie wir nach einem Urlaub sind. Genau so fühlt sich der Geist nach einer Meditation an. Warum also nicht von heute an ein paar Minuten Hängematten-Zeit für den geplagten Dauerdenker einplanen?

Zeitlose Geschichte

Erst durch Meditation wurde uns das geschenkt, was in hiesigen Gefilden als “Yoga” bezeichnet wird: Als die weisen Yogis nämlich vor einigen tausend Jahren in den indischen Wäldern wochenlang meditierten, bemerkten sie bald, dass der menschliche Körper für andauernde Bewegungslosigkeit nicht geeignet ist. Deshalb begannen sie vor jeder Meditations-Session Streckübungen zu machen – und schon ging es weiter auf dem Weg der Erleuchtung. Die Asanas waren damals also nur eine notwendige Muskellockerung vor der Meditation. Und auch heute weist etwa der Begründer von Power Yoga, der amerikanische “Sonny Boy” Bryan Kest, in seinen Workshops darauf hin, dass der einzig wirklich relevante Aspekt am Yoga, das Ziel jeglicher Yoga-Praxis, die Meditation sein sollte. Vom weisen Sadhu bis zum US-amerikanischen Vinyasa-Yoga-Star sind sich also alle einig, dass Meditation einer der effektivsten Wege zu einem erfüllteren Leben ist. Also, ab auf das Meditationskissen und in den Kopfurlaub!


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Meditation , Yoga Meditation , Bryan Kest , Innere Mitte , Yoga Ziel

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