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Yoga-Blog

30.09.2010

Raus aus der Komfort-Zone

Im Yogazentrum Bonn schockiert Katharina, wie wenig sie ihren Körper kennt

Iyengar-Yoga hat mir stets Respekt eingeflößt. Der Begründer dieser präzisen Yoga-Art, der inzwischen 91-jährige B.K.S. Iyengar ist etwa der Meinung, dass Yogalehrer durch leichte Schläge Körperbereiche ihrer Schüler „aktivieren“ können. Das widerspricht meiner Vorstellung von dem, was Yoga sein sollte, direkt. Deshalb war ich ziemlich überrascht, als ich kürzlich riesige Lust bekam, Iyengar-Yoga zu praktizieren. Was suchte ich bei diesen Lehrern, die mir immer so ernst vorkamen und mit so großer Sorgfalt in jede Position zu gehen schienen?

Eines Nachmittags jedenfalls fand ich mich im Yogazentrum Bonn wieder. Giovanna, die Besitzerin, bestätigte erst mal mein Klischee – sie schien mir der herb-strenge Lehrer-Typ zu sein, ihre Begrüßung fiel eher sachlich aus. Aber schon nach den ersten, sehr entspannenden Übungen im Liegen verflüchtigte sich dieser Eindruck, und Giovanna gefiel mir mit ihrem süßen italienischen Akzent und ihrer ungekünstelten Art immer mehr. Nach einigen langsamen Sonnengrüßen gingen wir zu anspruchsvolleren Übungen über.

Giovanna motivierte uns, den Übergang von der Krähe zum Unterarmstand zu probieren. Weil ich ein bisschen wackelig in der Position stand, kam sie zu mir und versuchte mir zu erklären, wie ich die Stellung sicherer und einfacher ausführen könnte. Leider verstand ich nicht ansatzweise, was sie von mir wollte. Da packte sie mich kräftig an Armen und Beinen und sagte: „Hör auf, Dich hier zu verkrampfen, stattdessen drück einfach mit den Armen dagegen!“ Ich wackelte kurz, aber dann verstand mein Körper durch ihre Berührung, was sie ihm zeigen wollte, und die Position war gleich viel leichter und stabiler. Ich allerdings war plötzlich ziemlich bedrückt: Ich war erschrocken, wie schlecht ich meinen Körper kenne.

Durch meine Yoga-Praxis wird mir immer bewusster, wie gefährlich es ist, wenig über sich selbst zu wissen. Ich habe mich beim Hot Yoga oft verletzt, weil ich wegen der treibenden Musik oder der Dynamik der Gruppe nicht mehr wusste, wie es meinem Körper geht und wo seine Grenzen sind. Auch die blinden Flecken meiner Psyche haben immer wieder schmerzhafte Konsequenzen gehabt. Ich denke, es sind diese Konsequenzen, die Iyengar-Lehrer ihren Schülern ersparen wollen. Wahrscheinlich sind sie deshalb manchmal zu ernst und zu streng, weil ihnen das Vorankommen ihrer Schüler wichtiger ist als der „Wohlfühl-Aspekt“ beim Yoga. Weil sie es sinnvoller finden, mit ungetrübtem Blick zu analysieren und das sichtbar zu machen, was der Schüler auch bei genauester Selbstanalyse nicht wahrnimmt – damit der schneller lernen und sich so Schaden an Körper und Seele ersparen kann. Jedenfalls ist es das, was Giovanna für mich getan hat und was mir hoffentlich noch viele Stunden Iyengar-Yoga schenken werden. Danke.

Fazit: Das Yoga Zentrum Bonn befindet sich in einer wunderschönen Villa direkt beim Botanischen Garten. Besitzerin und einzige Lehrerin des Zentrums ist Giovanna Schender. Die Italienerin hat eine Sivananda-, eine Iyengar- und eine Vijnana-Ausbildung und führt das Studio seit 15 Jahren. Giovanna bietet von Montag bis Samstag täglich zwei Kurse an: Anfänger bis Fortgeschrittene, außerdem Pranayama und Meditation sowie „Yoga als Therapie“ für Menschen mit körperlichen Beschwerden. Zusätzlich gibt es jeden Monat ein Sonntagsseminar zur Vertiefung einzelner Yoga-Elemente.

Yoga Zentrum Bonn

Venusbergweg 42
53115 Bonn
Tel. 0228 – 63 70 93


www.yogabonn.de
Probestunde: kostenlos


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"Der Weg ist das Ziel"

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Katharina Klofat, 36, ist nicht nur Diplom-Psychologin, sondern auch Yogalehrerin und Journalistin. Für yogaeasy.de rezensiert sie Bücher und Studios, trifft und porträtiert Yoga-VIPs und freut sich über die Vielfalt der Yoga-Welt, die sich vor ihr aufgetan hat

“Ich liebe Yoga in all seinen Ausprägungen. Hatha, Ashtanga, Sivananda, Bikram, Power, Jivamukti – jeder dieser Wege hat mir glückliche Momente und wertvolle Erkenntnisse geschenkt, jeder meiner Yogalehrer hat mir neue Aspekte des Yoga aufgezeigt und damit mein Leben bereichert.
Deshalb habe ich mir eine Fleißarbeit vorgenommen: Zwei Mal pro Monat besuche ich ein noch unbekanntes Yogastudio. Lasse mich inspirieren von der Atmosphäre, dem Stil des Lehrers, der Gemeinschaft mit den anderen Schülern. Jede Woche wird ein kleines Abenteuer werden – vielleicht entdecke ich eine neue Lieblings-Asana, erlebe endlich Dharana (den Zustand völliger Konzentration) oder begegne sogar einem Lehrer, der mich länger begleiten wird.
Weil ich in Hamburg lebe, dürften die meisten dieser Studios im schönen Norden liegen. Aber auch wenn ich meine Familie in Bayern besuche oder Freunde in Berlin oder Urlaub mache, wird kein Yogastudio vor mir sicher sein …”