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Gesundheit & Yoga

25.10.2011

Öl und harte Arbeit

Ein öliger Einstieg: Die erste Station von Katharina Klofats Indien-Reise ist die ayurvedische Klinik von Dr. Subhash auf der Insel Vypeen im südindischen Staat Kerala.

Meine Erwartungen an Dr. Subhash und sein Team im Ayurveda-Zentrum Ayur Dara sind hoch. Seit Jahren plagt mich jetzt schon meine Akne. Mit meinen 36 Jahren kann ich die lästigen Pickel nicht mehr als Pubertäts-Problem deklarieren. Enttäuscht von Hautärzten, die mir nach einem kurzen Blick nutzlose Chemie-Bomben verschrieben, und frustriert von den brutalen Ausquetsch-Aktionen meiner Kosmetikerin, hoffe ich auf eine ayurvedisches Wundermittel. Ayurveda ist schließlich das „Wissen vom gesunden, glücklichen Leben“. Auch wenn meine Akne ein primär ästhetisches Problem ist, macht sie mich häufig unglücklich, sondern lässt mich auch vermuten, dass ihr plötzlicher Ausbruch vor einigen Jahren tieferliegende Ursachen hat. Ayurveda eignet sich für langanhaltende, komplexe Beschwerden hervorragend, weil es im Gegensatz zur Symptom-fixierten modernen Medizin einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt.

Die drei Typen

Jeder Mensch wird im Ayurveda einem von drei Konstitutions- Typen, den Doshas, oder einer Kombination der drei zugeordnet. Und die zeichnen sich nicht nur durch körperliche Eigenheiten, sondern auch durch bestimmte Präferenzen und psychische Eigenschaften aus. Reine Vata-Typen (Element: Luft) zum Beispiel sind kreativ, freiheitsliebend, schlank, und haben trockene Haut. Menschen mit zu viel Vata allerdings laufen Gefahr den Boden unter den Füßen zu verlieren und leiden häufig unter Stress und ähnlichen Problemen. Reine Pittas dagegen sind ehrgeizige Power-Typen, die gerne scharf essen und keine Sonne vertragen. Zu viel Pitta allerdings kann zu Burn-out und Hautproblemen führen. Die gemütlichen, geselligen Kaphas haben meist einen eher schweren Körperbau und dickes, dunkles Haar, und müssen aufgrund ihrer Vorliebe für Routinen und Entspannung aufpassen, dass sie nicht in Langeweile und Lethargie verfallen.

Dr. Subhash und Ayur Dara

Als ich bei Dr. Subhashs renommiertem Ayurvda-Zentrum ankomme, bin ich begeistert. Das stilvolle, extrem saubere Haus inmitten von Kokosnuss-Palmen liegt direkt am Wasser. Auf einer überdachten Veranda fragt mich Dr. Subhash nach meinen Beschwerden, meinem Essverhalten, meinem Schlaf und vieles mehr. Ich genieße es unendlich, dass ein Arzt sich die Zeit nimmt mich anzuhören. Nachdem er auch meine Zunge gesehen und meinen Puls gefühlt hat und ich einen Fragebogen ausgefüllt habe, lautet sein Urteil: Ich bin vor allem Vata, mit einer guten Portion Pitta. Das entspricht meinen Vermutungen. Und offensichtlich bin ich nicht in Balance. Mir ist zu oft kalt, ich bin nervös und habe eine schlechte Verdauung und meine Hautprobleme weisen auf einen Überschuss an Pitta hin.

Öl, Öl, Öl

Im Laufe der nächsten sieben Tage bekomme ich täglich – nach einem kurzen Gespräch mit Dr. Subhash – wohltuende Abyhanga- und Marma- sowie Kräuter-Stempel-Massagen und auch einen Stirnguss. Dabei fließt wohlriechendes Öl in Strömen. Manchmal frage ich, wofür die Massagen gut sind – die Antworten sind eher vage: Entspannung, Entgiftung, Kreislauf-Anregung. Einmal sagt mir Jaynce, Dr. Subhashs Frau, die Massage wäre „gut für das Fett“. Ich kann nur hoffen, dass sie irgendwas in Richtung „schlecht für das Körperfett, gut gegen Cellulite“ meinte.

Eine andere Methode des Ayurveda ist der Öl-Einlauf. Das Öl ist mit ayurvedischer Medizin versetzt, die über die Darm-Innenhäute aufgenommen wird, zusätzlich bindet es Giftstoffe und transportiert diese beim Abführen aus dem Körper. Ich bin kein Fan von Einläufen, aber Dr. Subhash setzt den Einlauf so sensibel, dass es nicht im geringsten unangenehm ist, und verwendet eine so geringe Menge an Öl, dass die Verdauung ihren ganz normalen Weg geht. 


Etwas unangenehmer ist es, jeden Morgen Ghee trinken zu müssen – diese geklärte Butter ist ebenfalls mit ayurvedischer Medizin versetzt und wird täglich höher dosiert, um das Verdauungsfeier (Agni) anzuregen. Apropos Verdauungsfeuer: Nach der Behandlung werden wir täglich mit milder ayurvedischer Kost verwöhnt, teilweise mit Gemüse aus dem Garten des Hauses.


Am letzten Tag reicht mir Dr. Subhash neben einer Liste mit Ernährungsempfehlungen einige kleine Flaschen und einen Zettel mit Anweisungen für den Abschluss meiner Therapie, den „Entgiftungstag“. Konkret heißt das, dass ich ayurvedische Medizin und Castor-Öl trinken muss, wodurch ich die freigesetzten Giftstoffe ausscheiden soll. In meinem Hotelzimmer geht das Ganze zum Glück recht schnell und problemlos über die Bühne. Danach fühle ich mich nicht wirklich entgiftet, aber etwas schwach.

Die Moral von Geschicht: Ohne Arbeit geht es nicht

Im Laufe der Woche fragt mich Dr. Subhash immer wieder, ob ich neue Beschwerden wahrnehme. Ayurveda schult, ähnlich wie Yoga, die Selbstwahrnehmung, weshalb es normal wäre, während der Kur neue Beschwerden zu entdecken. Bei mir allerdings ist das nicht der Fall. Außerdem gibt er mir Tipps, unter anderem dazu, wie ich mich Typ-gerechter ernähren kann. Da ich schon etliche Bücher zum Thema Ayurveda gelesen habe, kenne ich die meisten Empfehlungen schon.

Während ich bei einem tibetischen Restaurant die erste Gemüsesuppe nach der Entgiftung esse, frage ich mich, was mir die Woche bei Dr. Subhash gebracht hat. Auf alle Fälle wundervolle Massagen – und das für umgerechnet 130 Euro für die komplette Behandlung inklusive Mittagessen. Meine Haut allerdings ist trotz ayurvedischer Creme und Akne-Kapseln nicht besser geworden. Und den meisten Beobachtungen und Empfehlungen, die mir Dr. Subhash mitgegeben hat, war ich schon vorher begegnet.

Ich gestehe mir ein, dass ich heimlich gehofft hatte, diese Woche bei Dr. Subhash würde alle meine Beschwerden verschwinden lassen – ohne mein Zutun. Dabei ist mir eigentlich seit langem klar, dass meine Hautprobleme damit zusammen hängen, dass ich mich zu selten entspanne und mir zu viel Stress mache. Und entgiften müsste ich auch nicht – wenn ich denn mehr Wasser trinken, mehr Zeit in der Natur verbringen und weniger Giftstoffe durch Stress und schlechtes Essen aufnehmen würde. All diese Dinge weiß ich. Und ich bin sehr dankbar, dass mir die Behandlung bei Dr. Subhash gezeigt hat, dass ich nur dann ein glückliches, gesundes Leben haben werde, wenn ich endlich für mich und meine Gesundheit die Verantwortung übernehme. Auch wenn es ein bisschen anstrengender ist als auf einen ayurvedischen Wunderheiler zu hoffen.


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Katharina Klofat , Ayurveda

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