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Gesundheit & Yoga

18.03.2011

Leidest du noch oder heilst du schon?

„Ich hab Rücken“ – was sich bei Horst Schlämmer so lustig anhört, ist für viele schmerzhafter Alltag. Immer mehr Menschen leiden heutzutage unter chronischen, wiederkehrenden Schmerzen und gesundheitlichen Problemen. Darunter fallen Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzrhythmus-Störungen, Atemwegserkrankungen und die „Horst-Schlämmer-Rückenschmerzen“. Petra Orzech gibt einen Überblick, welche Körpertherapien Hilfe bieten

Nicht zu vergessen, das geschwächte Immunsystem. Eine der am meisten beeinträchtigenden Folgen ist ein allgemeines Unwohlsein mit fehlender Vitalität. Oft ist medizinisch gesehen nicht wirklich ein Krankheitsbild zu erkennen oder man weiß nicht, woher die Leiden kommen. Die Medizin kommt hier häufig an ihre Grenzen. Das Ende vom Lied ist „man muss sich damit abfinden“, sich darauf einstellen ein Leben lang Medikamente zu nehmen oder sogar eine Operation zu wagen, die oft nicht viel ändert. Die Lebensqualität der Betroffenen beginnt schleichend zu sinken. Gesundheit gilt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Bestimmungsfaktor für Lebensqualität. Und Gesundheit wiederum wird von der WHO als einen Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen definiert. Das hört sich ja alles nicht so beglückend an, doch mit Eigeninitiative kann man einiges dagegen tun.

Das eine regelmäßige Yogapraxis äußert hilfreich ist bei vielen körperlichen Beschwerden und mehr Lebensfreude bringt, hat sich bereits rumgesprochen – über Mund-zu-Mund-Propaganda, über die Empfehlungen von Ärzten und natürlich auch über die Medien, wie etwa YogaEasy.de. Die allgemein gesundheitsfördernde Wirkung von Yoga gilt inzwischen als unbestritten. Ein Grund für zahlreiche Krankenkassen, sich an den Kosten für Yogakurse als Präventionsmaßnahme zur Vermeidung spezifischer Risiken und stressabhängiger Krankheiten zu beteiligen. Heute finden die meisten Menschen daher nicht über die Philosophie, sondern über Körperarbeit den Weg auf die Matte. Wer noch mehr für sich tun möchte, seine Selbstheilungskräfte, sein Selbstbewusstsein, seine Selbstachtung und die damit verbundene Verbesserung des geistigen, seelischen und körperlichen Gleichgewichts aktivieren will, für den ist die „passive“ Körperarbeit eine prima Möglichkeit.

„Passive“ Körperarbeit: durch Nichtstun sich besser fühlen?

Wie soll das funktionieren? Schweißtreibende Arbeit im Garten, beim Yoga oder etwa beim Bodybuilding sind zweifelsfrei ein Aspekt von Körperarbeit. Bei der passiven Variante ist aber ein immer größer werdendes Spektrum von sanften Therapien gemeint: Osteopathie, Cranio Sacral Therapie, Rolfing sowie Massage – alles Methoden, die heilen und zu mehr Lebensqualität verhelfen. Der menschliche Organismus wird hier als funktionelle und anatomische Einheit betrachtet. „Alles fließt”, dass wusste schon der Philosoph Heraklit – und auch in allen Teilen unseres Körpers herrscht ein ständiger Fluss und harmonischer Austausch: das Pulsieren des Blutes, die Strömung der Körperflüssigkeiten, die rhythmische Atmung, die Arbeit der Verdauungsorgane, die Mobilität von Gelenken, Muskulatur und Bindegewebe. Doch immer öfter kommt dieser Fluss durch unser alltägliches Verhalten aus dem Gleichgewicht. Und das gilt es wieder herzustellen. Dazu nutzen all die genannten Methoden die empfindsamen, kundigen Hände eines Therapeuten – sie sind ihr wichtigstes Werkzeug.

Schon 2500 v. Chr. wurde in China die therapeutische Wirkung durch berührende Hände geschätzt, für Paracelsus war sie unverzichtbare Heilmethode. Durch die Pharmaindustrie geriet sie jedoch immer mehr in den Hintergrund. Der Gedanke, den Körper mit chemischen Mitteln zu heilen, reicht jedoch auf ganzheitlicher Ebene nicht aus. So kann die Urform des Heilens – die menschliche Berührung – psychische und physische Blockaden auflösen.

Aber was verbirgt sich hinter den einzelnen Therapien und für wen sind sie besonders interessant?

Enorme Beliebtheit bei den ganzheitlichen Heilmethoden hat bei uns die Osteopathie erlangt – in den Vereinigten Staaten bereits fester Bestandteil der Medizin. Entwickelt hat diese Heilmethode der amerikanische Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828–1917) vor 120 Jahren. In jener Zeit war die Schulmedizin schon geprägt von reiner Symptombehandlung und immer stärkerer Spezialisierung. Still suchte nach einem neuen Verständnis von Gesundheit und Krankheit, nach einer Behandlungsmethode, die ohne Medizin und Chirurgie auskommt. Zu Beginn seiner Forschung stand das Studium der Knochen und daher leitet sich auch der Name Osteopathie ab, was so viel heißt wie Knochenleiden (osteon = Knochen und pathos = Leiden).

Gesundheit zu finden ist das Ziel der Osteopathie – Krankheit kann jeder finden, dieser Meinung war Still. Seine Idee dahinter: Bewegung ist Ausdruck des Lebens – und jede Einschränkung der Beweglichkeit kann Krankheiten auslösen. Solange alle Körperregionen über die Nervenbahnen, Blut- und Lymphgefäße mit Sauerstoff, Nährstoffen und Hormonen versorgt werden, funktioniert das Zusammenspiel. Ist eine Funktion gestört, wird die Beweglichkeit eingeschränkt oder geht ganz verloren. Der Körper versucht den Mangel auszugleichen. Schafft der Organismus es aber nicht mehr, sich selbst zu regulieren, treten Beschwerden, Schmerzen und Krankheiten auf. Die sensible Wahrnehmung des erfahrenen Osteopathen und seine diagnostische und therapeutische Berührung helfen dem Patienten, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dabei ertastet der Therapeut das menschliche Gewebe Schicht für Schicht und löst mit speziellen Techniken Spannungen sowie Bewegungseinschränkungen.

Berücksichtigt wird dabei das Wechselspiel zwischen den Organen, Nerven, Gefäßen und dem Bewegungsapparat. Es geht hier also nicht um einzelne Symptome, sondern immer um das Aufspüren und die Behandlung von den Ursachen der Beschwerden. Beeindruckende Erfolge erzielt die Osteopathie bei chronischen sowie akuten Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen, Schlafstörungen und Menstruationsbeschwerden. Der Therapeut hilft auch bei verschiedensten Arten der Entwicklungsverzögerungen bei Babys und Kindern. Siehe auch Interview und Video mit dem Osteopathen Johannes Fetzer.

Weniger bekannt in Deutschland ist die Cranio-Sacral-Therapie (Schädel-Kreuzbein-Therapie), die sich aus der Osteopathie entwickelt hat. Bei diesem ebenfalls manuellen Verfahren werden die Handgriffe vorwiegend im Bereich des Schädels und des Kreuzbeines ausgeführt. Wobei die Einzelknochen des Schädels als beweglich angesehen werden. So sammelt der Therapeut auch hier durch seine Berührungen Informationen über mögliche Blockaden und kann dadurch auf Funktionsstörungen positiv einwirken. Bei der Cranio-Sacral-Therapie geht man davon aus, dass rhythmische Pulsationen der Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit sich auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen.

Dieser Rhythmus ist ein sehr feiner, leiser – er erinnert an Ebbe und Flut, so die Hamburger Cranio-Sacral-Therapeutin Katja Hinz. Sie beschreibt ihre Arbeit als eine lauschende, bei der man mit seinem eigenen Körpergewebe in den Dialog zum Körpergewebe des Patienten geht. Um sich optimal mit den Patienten zu verbinden, geht Katja Hinz gerne vor der Behandlung in einen meditativen Zustand. Meist kommen Patienten mit chronischen Beschwerden, wie etwa Rückenschmerzen, Schulter-Nackenverspannungen, Migräne und Schwindel in ihre Praxis und in die Psychosomatische Tagesklinik Ulmenhof, in der sie auch arbeitet. Immer häufiger werden auch Kieferverspannungen und 
-blockaden, die zu starken Kopfschmerzen führen können.

Heute beißen eben viele Menschen die Zähne zusammen, um den Alltag zu meistern, so Katja Hinz. Da sie selber als Yogalehrerin arbeitet, weiß sie, dass die Yogapraxis hier nicht so viele Übungen zur Entspannung im Mund-Kieferbereich bietet und ist immer erfreut, wenn sie mit der Cranio-Sacral-Therapie Abhilfe schaffen kann. Für zu Hause bekommen ihre Patienten Achtsamkeitstechniken und Yoga-Übungen mit an die Hand. Die aktive Mitarbeit liegt den meisten Therapeuten am Herzen. Das Gute an der Cranio-Sacral-Therapie: Sie verschafft oft schon nach ein bis zwei Sitzungen, wie die Osteopathie, Linderung der Beschwerden. Die Selbstheilungskräfte werden aktiviert und die Energie fließt wieder ungestört.

Einen wesentlichen Beitrag zum Thema Körperarbeit hat Dr. Ida Rolf (1896–1979) – übrigens eine der ersten Frauen, die in den USA ein Doktorat in Biochemie und Physiologie erwarb – geleistet. Neben der Medizin hat sie die Ansätze aus der Osteopathie, der Chiropraktik aber auch die Praktiken des Yogas mit in die nach ihr benannten Methode des Rolfings einbezogen. Maximierung des körperlichen und geistig-seelischen Wohlbefindens ist bei ihr das Ziel. Durch feinfühligen und exakten Druck mit den Händen auf bestimmte Körperzonen sollen alte Gewohnheiten und Bewegungsmuster, die sich nachteilig auf das Wohlbefinden auswirken, aufgelöst werden.

Meist empfiehlt der Rolfer zehn aufeinander bauende Sitzungen, die sogenannte Zehner-Serie, die von Ida Rolf über viele Jahre hinweg entwickelt wurde. Nach dieser Serie soll die optimale, persönliche Struktur, Haltung und Bewegungsform herausgearbeitet sein – von der man dann meist ein Leben lang profitiert. Rolfing ist für Menschen interessant, die sich chronisch verspannt fühlen, einseitigen beruflichen Belastungen ausgesetzt sind, aber auch für alle diejenigen, die ihr Körpergefühl verbessern wollen, wie etwa Tänzer, Yogis oder Schauspieler. So waren Garry Grant, Greta Garbo und Marlene Dietrich schon damals Anhänger des Rolfings. Weitere Informationen und ausgebildetet Rolfer in deiner Nähe findest du unter www.rolfing.de.

Meist werden sie eher in Verbindung mit Wellness gebracht: Massagen – dabei gehören sie zu den ältesten Techniken der Schmerzlinderung und dienen nicht ausschließlich der Entspannung. Gerade in der heutigen Zeit, in der Menschen zunehmend unter Muskelverspannungen und Muskelschmerzen leiden, ist diese Technik wieder sehr beliebt geworden. Aber bei der Massage geschieht wesentlich mehr als mechanisches Kneten der Muskeln. Durch Berühren und Streichen der Haut werden Nervenimpulse ausgelöst, so dass der Massierende einen unmittelbaren Einfluss auf den Gefühlszustand des Patienten ausübt. Einige Techniken versprechen beispielsweise auch Linderung bei Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und Ohrensausen.

Eine uralte heilsame Berührungstechnik ist die Thai-Massage, auch Thai-Yoga-Massage genannt. Sie besteht aus passiven, dem Yoga entnommenen Streckpositionen, Dehnbewegungen und Gelenkmobilisation. Der Masseur arbeitet hier für zweieinhalb Stunden nicht nur mit seinen Händen – er setzt auch seine Füsse, Knie und Ellenbogen ein, um den Körper des Patienten vermehrt mit Prana (Lebensenergie) zu versorgen. Erreicht wird das unter anderem durch intensive Druckmassagen, die eine verstärkte Atmung auslösen und die wiederum zur Entspannung und Regeneration führen. Da der Patient sich hier viel bewegen muss, bleibt er während der Behandlung vollständig angekleidet.

Erwähnenswert ist auch die hawaiianische Massagetechnik Lomi Lomi Nui. Sie erhebt sogar den Anspruch nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu behandeln. In der Landessprache bedeutet Lomi so viel wie reiben, kneten oder drücken – die Verdoppelung Lomi Lomi verstärkt die Bedeutung. Da Nui groß, einzigartig heißt, lässt sich diese Technik als ein „einzigartiges starkes Kneten“ übersetzen. Mit viel Öl und Einsatz von Händen – oft auch vierhändig – und Unterarmen sollen körperliche Blockaden gelöst werden. Zeitaufwand hierfür: zwei Stunden. Allerdings sind die bei uns angebotenen Lomi Lomi Massagen eher von einem Wellness-Charakter geprägt als von heilender Körperarbeit. Also vorher unbedingt genau informieren.

Heute sind wir fast alle auf der ständigen Suche nach dem ultimativen Trick, einer schnellen Vorgehensweise, einer neuen Technik, die all unsere körperlichen Probleme löst. Aber Heilung und Wachstum funktionieren nicht auf diese Art und Weise. Wir müssen wieder lernen eigene Verantwortung für unser körperlich-psychisches Empfinden zu übernehmen. Wir müssen bewusst Entscheidungen treffen und aktiv am Heilungsprozess teilnehmen. Indem der Körper durch Yoga schrittweise flexibler wird, besteht gleichzeitig die Chance, dass wir auch in unserem Inneren mehr Flexibilität erreichen. Gebundene Energie kommt wieder ins Fließen. Dadurch erleben wir den Augenblick mit mehr Präsenz, Freude und Lebendigkeit und werden nebenbei gleichzeitig gesünder. Und so ist Yoga in Kombination mit therapeutischer Körperarbeit ein sicherer Weg für mehr Lebensqualität. Darum die Frage, die wir uns jeden Tag stellen sollten: Lebst du noch oder heilst du schon?


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Gesundheit , Rückenschmerzen , passive Körperarbeit , Körperarbeit , Osteopathie , Cranio-Sacral-Therapie , Rolfing , Massagen , Thai-Massage , Lomi Lomi Nui

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