Yoga-Lifestyle
Hare, hare, humba, humba
„Sommer in Orange“ heißt der neue Film von Marcus H. Rosemüller, dem „Heimatfimer“ aus der bayerischen Provinz. Alke von Kruszynski hat sich die Zeitreise in die Ashram-Achtziger angesehenStartet in Deutschland ein deutscher Film, dessen Titel mit „Sommer …“ beginnt, denken Cine-Freunde sofort an den überaus gelungenen „Sommer vorm Balkon“, der 2006 immerhin eine Million Kinobesucher begeisterte. Die in Berlin spielende Komödie zeigte das Auf und Ab in wirklichkeitsgerechten urbanen Lebensentwürfen und schaffte es, auch den wenig glamourösen Seiten des Lebens Würde und Charme und glaubhaft Witz zu geben.
In diesem Sommer kommt nun „Sommer in Orange“ – ein Titel, der nach Lebenslust klingt, sonnenwarmen Abenden, auf jeden Fall vielversprechend. Der Film beschreibt, wie in den frühen Achtzigern eine kleine Gemeinde Berliner Bhagwan-Sannyasins in die bayerische Provinz einfällt, um dort einen geerbten Resthof in einen Hinterwald-Ashram zu verwandeln. Im Zentrum stehen zwei Geschwisterkinder, die dieser neuen Lebenswirklichkeit durch den Schulwechsel am stärksten ausgesetzt sind. Konnte sie Wallawalla-Orange und Mala im großstädtischen Berlin noch konfliktfrei rechtfertigen, wünscht sich Hauptfigur Lili schnell nichts anderes, als in Faltenrock und mit Zöpfchenfrisur Anschluss an „normale“ Schulkameraden zu finden. Zwischen Urschreitherapie und Kruzifix oszilliert das Geschehen – und der Kulturschock in beiden Lagern der neu zusammengezwungenen Gemeinde ist sicher wie das berühmte Amen in der Kirche.
Halbnackt in der Heide ausdruckstanzende Hippiefrauen und mit CSU-Konservativismus durchsetzte Spießerwirklichkeit kommen erwartungsgemäß nicht zusammen – weshalb vor allem die dem Happyend so dringend zugeneigte (und dabei ins Groteske gleitende) Auflösung leider ein arger Schwachpunkt ist.
Das Buch zum Film hat Ursula Gruber geschrieben, die selbst eine Ashram-Kindheit in Bayern verbracht hatte – und trotz eines großartigen Regisseurs (Marcus H. Rosenmüller, der die herrliche Komödie „Wer früher stirbt, ist länger tot” inszeniert hatte) gelingt es dem Film nicht, zu einer greifbaren, nachvollziehbaren Haltung und Aussage zu kommen. Er mäandert unentschlossen von liebevoller Personenzeichnung zu ins Lächerliche driftenden Gruppendynamik-Erlebnissen und Eso-Lebensweisheiten, er ringt um eine emotionale Distanz, die doch wiederholt an der überdeutlichen Verbundenheit der Autorin zum Sujet scheitert.
Die Zeitreise begleiten großartige Schauspieler: Oliver Korittke als Macho-Sannyasin Gopal, Chiem “Prakash” van Houweninge, Brigitte Hobmeier als Leela, die den Postboten um den Finger wickelt, oder Georg Friedrich alias Siddharta, der sich nach Wurst statt Hirsebrei sehnt. Sie schaffen es, ihren Figuren einen durchgängig authentischen Charakter zu zeichnen – etwas, das man dem Film auch als Gesamtleistung gewünscht hätte. Das Thema hätte es ebenso verdient wie der Regisseur und die Darsteller.
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Sommer in Orange , Film , Sannyasin-Film
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