Gesundheit & Yoga
Du übst, was Du isst!
Ja, es gibt ein falsches und ein richtiges Essen vor und nach der Yogastunde. Wie man’s richtig macht, erklärt unser kleiner Ess-Leitfaden für YogatreibendeIst dir im hinabschauenden Hund schon einmal mulmig geworden, weil du kurz vor der Stunde noch schnell eine Scheibe Brot mit Käse verdrückt hast? Hast du Schweißausbrüche vom Latte Macchiato bekommen und konntest dich nur schwer konzentrieren? Dann hast du dir möglicherweise bereits diese Frage gestellt: Was esse und trinke ich rund um die Yogastunde, damit ich mich gut fühle und sich die gesundheitsfördernde Wirkung meiner Praxis optimal entfalten kann?
Essen und Trinken vor der Yoga-Stunde
Grundsätzlich sollte man Yoga erst praktizieren, wenn die zuletzt eingenommene Nahrung bereits soweit den Verdauungskanal passiert hat, dass der Magen vollkommen leer ist. Das macht ganz besonders Umkehrhaltungen oder Vorwärtsbeugen bequemer und angenehmer. Sonst kann es passieren, dass die Nahrung beim Handstand zurück in die Speiseröhre rutscht, was ziemlich unangenehm sein kann. Auch fließt die Energie deutlich besser, wenn der Darm nicht mit Verdauungstätigkeiten beschäftigt ist – also nur wenige Nahrungsmittel den Verdauungstrakt und Darm beanspruchen.
Praktisch bedeutet das: zwei bis drei Stunden vor dem Yoga-Unterricht nichts zu essen.
Viele Yogis meiden schwer verdauliche Nahrung ohnehin, fettes Essen oder Fleisch sind weitgehend vom Menü gestrichen. Nahrung dieser Art braucht viel Zeit, bis es den Verdauungstrakt passiert hat. Darüber hinaus machen üppige Mahlzeiten müde und träge. Keine guten Voraussetzungen, um fokussiert und bewegungsfreudig in die Stunde zu gehen. Traditioneller Tipp für den Alltag aus dem Zen und Yoga: stets nur so viel essen, dass noch ein leichtes Hungergefühl bleibt. So bleibt man übrigens auch gesund und schlank.
Meldet sich kurz vor dem Unterricht doch noch ein kleiner Hunger, der nicht warten kann, greife zu einem Stück Obst, etwas Studentenfutter oder trinke in kleinen, langsamen Schlucken ein Glas Multivitamin-Saft (das trickst den Hunger aus). Das alles kannst du (in kleinen Mengen) auch gerne morgens vor der Yoga-Stunde essen. Diese Lebensmittel belasten den Magen kaum und schützen dich vor einer möglichen Unterzuckerung.
Was fürs Essen gilt, gilt auch für das Trinken: 30 Minuten bis eine Stunde vorher nicht zu viel Flüssigkeit zuführen – insbesondere keine harntreibenden und stoffwechselaktiven Getränke (z. B. Cola oder Kaffee). Denn wie soll man zur inneren Ruhe finden, wie den Körper drehen, dehnen und strecken, wenn die Blase voll ist?
Während der Yoga-Stunde
Viele Yogalehrer empfehlen, während der Übungspraxis nichts zu trinken, auch wenn man noch so stark ins Schwitzen kommt. Aus gutem Grund, denn der Körper ist durch die Übungen erwärmt und hat Hitze (Tapas) erzeugt. Trinkt man jetzt, erlischt dieses „Feuer”, und der erwünschte Reinigungsprozess ist unterbrochen. Ein Blick in den Körper zeigt warum: Während des Schwitzens gibt unser Körper Wasser ab, das hauptsächlich aus dem Blut stammt. Nun versucht der Körper, eine Verdickung des Blutes zu verhindern, indem er Wasser aus dem Gewebe ins Blut pumpt. Die hier entstanden Schlackenstoffe verlassen den Körper über Schweißdrüsen und Nieren. Würden wir jetzt während des Yogas Flüssigkeit zuführen, kann der Körper das Wasser statt aus dem Gewebe schnell aus dem Magen-Darm-Trakt organisieren. Und mit der gewünschten Reinigung wird es nichts.
Entsteht während des Übens ein Durstgefühl, ist das ein Zeichen dafür, dass man vorher nicht genügend getrunken hat – oder insgesamt keinen guten Flüssigkeitshaushalt hat, weil man zu wenig trinkt. Also nächstes Mal vorher (mit der oben genannten Einschränkung) einfach mehr stilles Wasser oder Kräutertee trinken.
Nahrung nach der Yoga-Stunde
Warte auch nach dem Yoga 15 bis 30 Minuten mit dem Trinken, um den beschriebenen Reinigungsprozess weiter zu unterstützen. Dein Körper wird es dir danken. Danach sollte allerdings wieder ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden, auch weil Leber und Niere durch die Praxis angeregt sind und auf Hochtouren arbeiten.
Wenn du Hunger hast, kannst du dir schon 30 Minuten nach der Praxis etwas Leckeres zubereiten. Entscheidend für die Lebensmittelauswahl ist die Tageszeit deiner Yogastunde. Praktizierst du morgens, passen ein Müsli, ein Joghurt mit Honig und Nüssen, ein Vollkornbrot mit Hüttenkäse oder ein kleiner Snack hervorragend. Fällt deine Yoga-Praxis in die Abendstunden, solltest du zu einfachen, eiweißreichen Gerichten greifen. Etwa eine gedämpfte Gemüse-Tofu-Pfanne, eine Suppe oder ein leichtes Fischgericht. Grund: Im Schlaf wird vermehrt das Wachstumshorm (HGH) ausgeschüttet, das alle Reparatur- und Wachstumsprozesse in der Haut, in den Muskeln sowie in den Knochen ankurbelt. Zusätzlich sorgt dieses Hormon für die Fettverbrennung in der Nacht. Allerdings funktionieren diese Prozesse nur, wenn unser Körper abends nicht mit Kohlenhydraten (Nudeln, Pizza, Süßigkeiten) gefüttert wird, sondern mit hochwertigem Eiweiß (Fisch, Tofu, Geflügel, Eier).
Der Bonus-Lern-Effekt
Wusstest du, dass sich dein Ernährungsverhalten zum Positiven entwickelt, je mehr deine Yoga-Erfahrung wächst? Und zwar von ganz allein. Du entwickelst mit der Zeit eine starke Sensibilität für die Bedürfnisse deines Körpers, ein Hochgefühl macht sich breit, wodurch gewohnte Genussmittel zum größten Teil schnell überflüssig werden. Deine angeborene, meist aber verschüttete somatische oder körperliche Intelligenz wird wieder erweckt, und der Magen meldet verstärkt Appetit auf Obst und Gemüse statt auf Pommes mit Bratwurst. Du lernst die Signale deines Körpers richtig zu verstehen und entsprechend zu reagieren. Ist das nicht großartig?
Übrigens: Wenn du dich insgesamt mehr für Yoga-Ernährung interessierst, harmonieren Ayurvedische Ernährung, Vegetarismus oder die Fünf-Elemente-Ernährung gut mit den yogischen Philosophien.
Und damit ihr Inspiration für euren eigenen Yoga-Speiseplan bekommt, geht es hier zu ein paar lecker-leichten Yoga-Rezepten für morgens und abends.
Petra Orzech
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