Yoga-Blog
Die Ruhe im Himalaya
Eigentlich mag Katharina es schwungvoll-dynamisch - Meditieren im Himalaya Institut findet sie aber trotzdem toll.Mich hat es immer schon zum “falschen” Yoga hingezogen. Dazu muss man wissen, dass mein Kopf zwei Arten von Yoga unterscheidet: das “richtige” und das “falsche”. Das “richtige” Yoga kommt direkt aus Indien, legt Wert auf Meditation und Mantren und zeichnet sich durch eine Vielfalt von Verhaltens- und Ernährungs-Regeln aus. Beim “falschen” Yoga dagegen wird dynamisch zu Pop-Musik geyogt und der spirituelle Aspekt steht höchstens im Hintergrund. Dieses “falsche” Yoga – die luxurös-bunten Studios, der Flow, die Duftkerzen, die freundlichen, schönen Lehrerinnen – macht mich betrüblicherweise aber ziemlich glücklich. Nach den Stunden fühle ich mich voller positiver Energie, sehe die Welt mit offeneren Augen, kann mich annehmen so wie ich bin. Und obwohl ich neben meiner Vinyasa-Praxis viel über Yoga-Philosophie lese und mein Verhalten konsequent nach den Regeln des “richtigen” Yoga forme, halte ich mich deswegen für eine “falsche” Yogini. Sonst würde ich doch weißes Leinen statt pinken Leggings tragen! Sonst würde ich doch zum Kirtan gehen statt mit Freunden ins Kino!
Letzte Woche war ich zum ersten Mal im Himalaya Institut e.V. in Hamburg. Nach dem freundlichen Empfang an der Rezeption trank ich Tee und blätterte in den zum Kauf angebotenen Yoga-Büchern. Danach ging ich durch die Umkleide in den größeren der zwei Yogaräume. Dort saß eine kleine Gruppe Yogis im Halbkreis. Der Lehrer führte uns zunächst durch eine Anfangsentspannung und kreierte dabei mit seiner ruhigen Stimme eine fokussierte Atmosphäre. Danach führte er uns langsam durch einzelne Asanas und legte dabei großen Wert auf den Atem. Mir wurde währenddessen immer kälter. Mein Körper fühlte sich steif an und ich sehnte mich nach dynamischen, schweißtreibenden Übungen, um überhaupt in die Yogapositionen gehen zu können. In dem Moment wurde mir klar, dass mein Unwohlsein nicht daran lag, dass die Übungen “falsch” waren oder der Lehrer “falsche” Anweisungen gab. Nein, es lag nur daran, dass die Art, wie hier Hatha Yoga geübt wurde, nicht zu mir passte. Ich fühlte mich ungemein befreit durch diesen Gedanken. Warum sollte ich mich unzulänglich fühlen, nur weil ich eine Yoga-Praxis bevorzuge, die meinen körperlichen Bedürfnissen entspricht und mir Freude bereitet? Nur, weil ich irgendwo mal gelesen habe, was echte Yogis sind???
Auf der Homepage des Himalaya Instituts steht, dass der Verein die eigenständige Entwicklung jedes Menschen individuell und undogmatisch fördern will. Was für eine wunderbare Zielsetzung! Ich werde sie in Zukunft für mich übernehmen: “Richtig” wird für mich all das sein, was mich mit Freude und Liebe und positiver Energie erfüllt und keinerlei negative Konsequenzen für mich oder andere hat. Und “falsch”, tja, “falsch” wird in meinem Wortschatz einfach nicht mehr auftauchen…
Einige Tage später ging ich übrigens zu einer Meditationsstunde im Himalaya Institut. Und da war sie, die Freude! Kuschelig in Decken gehüllt saß ich in dem wunderbar warmen kleinen Raum und wurde nach einer geführten Entspannung im Liegen durch eine Übung namens “Innerer Dialog” geführt, der meinen Gedankenfluss vor der eigentlichen Meditation beruhigen sollte – und das auch tat. Danach meditierten wir im Sitzen etwa eine halbe Stunde unter Anleitung und danach noch 15 Minuten in Stille. Wunderbar erholt und mit wachem Verstand radelte ich danach durch die eiskalte Hamburger Nacht.
Fazit: Das Himalaya Institut e.V. mit Studios in Hamburg und Ahrensburg vermittelt seit dreißig Jahren Yoga in der Tradition von Swami Rama. Die Mitglieder haben die indische Denkweise mit Hilfe der westlichen Psychologie weiterentwickelt, der Fokus liegt allerdings immer noch auf Meditation. Deshalb gibt es nicht nur verschiedenste Hatha-Yoga-Kurse (Basics, Intensiv, für Frauen, für Schwangere, für Männer, für den Rücken), sondern auch vier Meditationskurse bzw. -stunden pro Woche sowie Mantrensingen und Vorträge. Das Himalaya Institut bietet auch eine anerkannte, vierjährige Yogalehrerausbildung an.
Himalaya Institut
Osterstraße 172 b, 20255 Hamburg
Neue Straße 5-7, 22926 Ahrensburg
Tel.: 040 – 43 27 33 58 (für beide Studios)
www.himalaya-institut.de
Probewoche: 10 Euro
zurück zur letzten Seite
Kommentare zu diesem Artikel
Es gibt bisher keine Kommentare zu diesem Artikel.Nur angemeldete Mitglieder können Kommentare schreiben.
Suche
"Der Weg ist das Ziel"
Katharina Klofat, 36, ist nicht nur Diplom-Psychologin, sondern auch Yogalehrerin und Journalistin. Für yogaeasy.de rezensiert sie Bücher und Studios, trifft und porträtiert Yoga-VIPs und freut sich über die Vielfalt der Yoga-Welt, die sich vor ihr aufgetan hat
“Ich liebe Yoga in all seinen Ausprägungen. Hatha, Ashtanga, Sivananda, Bikram, Power, Jivamukti – jeder dieser Wege hat mir glückliche Momente und wertvolle Erkenntnisse geschenkt, jeder meiner Yogalehrer hat mir neue Aspekte des Yoga aufgezeigt und damit mein Leben bereichert.
Deshalb habe ich mir eine Fleißarbeit vorgenommen: Zwei Mal pro Monat besuche ich ein noch unbekanntes Yogastudio. Lasse mich inspirieren von der Atmosphäre, dem Stil des Lehrers, der Gemeinschaft mit den anderen Schülern. Jede Woche wird ein kleines Abenteuer werden – vielleicht entdecke ich eine neue Lieblings-Asana, erlebe endlich Dharana (den Zustand völliger Konzentration) oder begegne sogar einem Lehrer, der mich länger begleiten wird.
Weil ich in Hamburg lebe, dürften die meisten dieser Studios im schönen Norden liegen. Aber auch wenn ich meine Familie in Bayern besuche oder Freunde in Berlin oder Urlaub mache, wird kein Yogastudio vor mir sicher sein …”


