Gesundheit & Yoga
112 - Hilfe, ich werde krank
Was wir aus der Yogaphilosophie über Kranksein lernen können“Krankheit ist ein Hindernis auf dem Weg zur spirituellen Heilung. Deswegen muss man etwas dagegen tun”, sagt der berühmte Yogalehrer T.K.V. Desikachar in seinem Buch Gesundheit von Körper und Geist (nur noch gebraucht erhältlich).
Desikachar gilt als einer der bedeutendsten Autoritäten im therapeutischen Yoga. Er verbindet modernes Erfahrungswissen mit der alten Weisheitslehre des Yoga und bezieht sich dabei immer auf seinen Vater und Lehrer, Professor T. Krishnamacharya, in dessen Tradition im weitesten Sinne die meisten von uns, die unterrichten, stehen.
In diesem Buch schreibt er, dass Krankheit eine menschliche Erfahrung ist, die “normal und zugleich voller Geheimnisse ist.” Vom Augenblick unserer Geburt an erleben wir Krankheit und Zustände, die ob schlimm oder weniger schlimm, uns daran erinnern, dass alles vergänglich ist und dass in allem eine Kraft der Heilung steckt, die wir nur entdecken und fördern müssen. Im Gegensatz zum schulmedizinischen “Kurieren” definiert er “Heilung” als einen Prozess, zu dem wir selber etwas beitragen müssen.
Krankheit ist nicht gleich Leiden.
Desikachar unterscheidet Krankheit als biomedizinisch definiert, während Leiden die Erfahrung der Krankheit durch den Menschen ist. Einen ähnlichen Unterschied macht er zwischen Schmerz, dem physiologischen Phänomen, und der Erfahrung des Schmerzes, einem subjektivem Erleben. Menschen können also durch Yoga, durch sanfte Dehnübungen, Tiefenatmung, Meditation und Entspannungstechniken, auf eigene Faust die Bedingungen erkunden, die ihre Genesung ermöglichen. Entscheidend dabei ist aber auch die Beziehung, die der Kranke zu dem, der ihn heilen möchte, aufbaut. Nur wenn der Schüler Vertrauen in seinen Lehrer setzt, kann der Lehrer all sein Wissen und seine Kraft der Genesung dieses Schülers widmen. Ganz praktisch bedeutet das zum Beispiel, dass ein Lehrer, der die ganze Zeit nur “Entspannen, Entspannen” schreit, die Grundprinzipien der Yoga-Praxis, Kontraktion und Ausdehnung, ignoriert. Um seinen Schüler ins Gleichgewicht zu bringen, muss er ihm mitfühlend gegenüber stehen, und ihm gegenüber trotzdem Strenge walten lassen.
“Yoga ist ein allmählicher Prozess zur Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung von Gesundheit. Dies erfordert Geduld und Disziplin und eine große Portion Vertrauen. Nur so funktioniert Yoga.” (T.K.V. Desikachar)
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