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Yogis lieben besser: Irina und Valentin über Liebe
Bildquelle: Yogaeasy.de

Yogis lieben besser: Irina und Valentin über Liebe

Von Kristin Rübesamen

Es ist einfach, Irina und Valentin zusammenzutreffen. Man muss nur ein wenig spazieren gehen in Berlin Kreuzberg, in die richtigen kleinen Lokale schauen und schon sitzen sie da, stecken die Köpfe zusammen und reden. Sie hören sich zu, sind gar nicht mal so oft einer Meinung und schauen sich manchmal amüsiert an. Man trifft definitiv zwei Menschen, wenn man sich mit ihnen verabredet, nicht einen zusammengewachsenen braven Plural. Sie unterrichten unterschiedliche Stile, und machen trotzdem Yogaretreats zusammen. Die vielleicht gerade deshalb so erfolgreich sind. Es gibt unter Yogis schlimme Selbstdarsteller und Parade-Paare, die sich auf jedem Foto nach vorne drängeln, und es gibt die wahren Yogis, die ihren Abenteuergeist noch nicht eingebüßt haben, obwohl oder gerade weil sie verheiratet sind. Wir haben sie unabhängig von einander übereinander ausgefragt. Ladies first.

YE: Wie lange musste Valentin um Dich werben?

Als wir uns kennengelernt haben: gar nicht lang, wir sind uns von Anfang an irgendwie immer gegenseitig überallhin gefolgt und dann waren wir "plötzlich" zusammen, ohne dass wir darüber viel geredet hätten.

7 Jahre später (beim Heiratsantrag) - hab' ich sofort JA gesagt.

YE: Was war an ihm anders als bei deinen anderen Männern?

Ich hatte von Anfang an keine rosarote Brille auf. Ich wußte sehr schnell, was ich an ihm toll finde, aber auch, was mich wahrscheinlich nerven wird. Ich hatte nicht das Gefühl, mir über ihn irgendetwas einbilden oder In-die-Tasche-lügen zu können. Es war ,als seien wir gleich in der Mitte unserer Beziehung gelandet'. Das war heilsam und ehrlicher, als ich es davor von mir kannte und für mich total überraschend. Dadurch ist später kein "Bruch" geschehen oder ein Aus-Allen-Wolken-Fallen, sondern "nur" eine kontinuierliche Annäherung aneinander und gemeinsames Wachsen. Vorher habe ich oft zu schnell rosa gesehen, zu viel in den Anderen hineinprojeziert und war dann enttäuscht. Bei Valentin habe ich mich von Anfang an nicht selbst getäuscht.

YE: Wünschtest Du dir manchmal, er wäre IT-Mananger oder zumindest nicht im Yogageschäft?

Nein, überhaupt nicht. Ich hatte immer nur Beziehungen aus meinem eigenen Berufsfeld und wir haben uns ja schon als Schauspieler kennengelernt und sind dann gemeinsam "umgestiegen".

YE: Was hat dich an ihm überrascht?

Seine Neugierde und die daraus resultierende Fähigkeit und Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und sich -wirklich schnell - zu verändern. Am Anfang bin ich mit seinem Tempo kaum mitgekommen. Ich kannte das nicht an Männern als Fähigkeit, diese Bereitschaft, sich helfen zu lassen (von Lehrern und Therapeuten, was wir anfangs oft gemeinsam gemacht haben, wenn wir in der Beziehung allein nicht mehr weiter wussten) und diese Fähigkeit, das Erfahrene so schnell umzusetzen. Diesen Mut, sich selbst zu reflektieren, auch wenn das sehr unangenehm ist. Ohne das alles wären wir in unserer Beziehung nicht da, wo wir heute sind.

YE: Was könnt ihr gemeinsam am besten?

Albern sein, uns gegenseitig absolute Unterstützung geben, wenn der eine mal schwach ist, aber auch generell... Menschen dazu animieren, etwas in ihrem Leben zu verändern, wenn das nötig ist. Sie inspirieren. Uns gegenseitig stärken.

YE: Deine Definition von Liebe?

Für mich ist Liebe, wenn ich dem Anderen absolut vertrauen und mich auf ihn verlassen und ihm anvertrauen kann. Und wenn ich ihn loslassen kann in seine eigene Welt und seine Entfaltung hinein. Wenn ich mir einfach wünsche, dass er glücklich ist und das auch so meine und entsprechend handle.Was bedeutet, ihn in allem frei sein zu lassen, das ihn sich entfalten und wachsen lässt. Liebe bedeutet für mich auch respektvoll miteinander umzugehen und das Anders-Sein des Anderen zu akzeptieren. Wirklich am Anderen interessiert zu sein, auch wenn seine Weiterentwicklung vielleicht auch mal in andere Richtungen geht, als meine eigene.Großzügigkeit und die Fähigkeit zu verzeihen.


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Und jetzt Valentin:

YE: Was hatte Irina an, als Du sie zum ersten Mal bewusst gesehen hast?

Ich habe Irina das erste Mal auf der Theaterbühne gesehen, fünf Jahre bevor wir uns kennengelernt haben. Sie hatte eine recht durchgeknallte Rolle. Ich fand sie total lustig auf der Bühne. Genauso lustig war ihr Kostüm, mit Leuchtbuchstaben auf ihrem Pullover, die sie an- und ausschalten konnte.

YE: Was war anders an ihr?

Als wir uns kennenlernten, waren mir einige ihrer Eigenschaften absolut wesensfremd. Irina kann sehr straight sein. Dann durchdringt sie mit absoluter Klarheit die Situation und handelt energisch. Damals musste ich erstmal tief durchatmen und mich langsam daran gewöhnen, dass jemand die Welt so anders sehen kann. Heute weiß ich, dass unterschiedliche Sichtweisen ein großer Segen sind. Meine eigene Entwicklung hat dadurch öfters auf „Turbo“ geschaltet. Gerade anfangs kann man sich dann entweder streiten (diese Phase haben wir zur Genüge ausgekostet) oder man rauft sich zusammen und beginnt, die Andersartigkeit des Anderen zu lieben. Heute denke ich oft, dass es ja langweilig wäre, wenn alle so wären, wie ich. Ein Hoch auf die Vielfalt!

YE: Wann wusstest Du, dass du sie heiraten wolltest?

Wir hatten schonmal locker darüber gesprochen, wie es wäre, verheiratet zu sein. Aber wenn es „ernst“ wird, fühlt es sich ganz anders an. Ich denke, gerade für Männer ist das eine Art Verantwortlichkeit, eine Form des Erwachsenwerdens.
Es war 2010 an einem Oktobertag in Berlin. Wir hatten gerade eine Meinungsverschiedenheit und danach wusste ich, jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Es war spontan und völlig ungeplant, als ich sie fragte. Danach liefen wir beide mit „Seelenwasser“ in den Augen (heulend) durch unser geliebtes Kreuzberg.

YE: Wäre es ein Problem, wenn sie Death Metal Fan wäre, bei der AFD oder bei der Sparkasse angestellt?

Die Sparkasse, bei der Irina angestellt wäre, müsste eine sehr außergewöhnliche Filiale mit außergewöhnlichen Kunden sein. Ich glaube, sie würde das Bestehende auf den Kopf stellen. AFD ist für mich unvorstellbar bei einem Freigeist wie Irina. Aber vielleicht würde ich sogar dann ihren Wesenskern lieben. Bei einer Death-Metal-Irina würde ich meine Luftgitarre auspacken und mein bestes Solo hinlegen.

YE: Zuletzt: gibt es bei einem Traumpaar wie Euch eine Lappalie, wegen der Ihr streitet?

Lappalien sind ja die alltäglichen Kleinigkeiten, die jeder Mensch so ganz anders handhabt. Ich glaube, dass Lappalien wie Mücken zum Elefanten werden, wenn eine Beziehung nicht sinnerfüllt ist, wenn sie sich nur um sich selbst kreist. Ich finde den Spruch toll, dass es in einer Beziehung nicht nur darum geht, sich anzusehen, sondern darum, in eine gemeinsame Richtung zu schauen. Und es geht vor allem um Humor. Hab Freude und Spaß in Deiner Beziehung! Lache über Dich selbst! Nimm Dich nicht zu ernst!
Die Andersartigkeit des Partners zu akzeptieren, ist die Grundlage unserer Beziehung. Wir lachen uns einen Ast (Berliner Redewendung), wenn wir Alltagsdinge völlig unterschiedlich angehen. In meiner Kindheit beispielsweise nannte ich alle Pullover und Jacken mit Reißverschluß „Strickjacke“. Das nennt man heutzutage Hoodie oder Cardigan. Wenn ich heute meine „Strickjacke“ anziehe, sagt Irina: „Die ist doch gar nicht gestrickt, warum sagst Du Strickjacke?“. Dann verteidige ich meine Benennung dieses Kleidungsstücks vehement und der Tag fängt schon mit guter Laune an.

YE: Wenn Du ein Bild malen würdest von Euch in 50 Jahren, was wäre da zu sehen?

Ich sehe ein freudiges, bewegliches, altes Ehepaar mit breiten Lachfalten im Gesicht, mit strahlenden Augen, Hand-in-Hand spazierengehend.
Und zum Schluß eine enorm wichtige Berliner Lebensweisheit für den Rest der Welt:

 

„SPIELT DIR DIT LEBEN MAL NEN STREICH, DANN WEINE KEENE TREENE.

LACH DIR NEN AST, SETZ DIR DRUFF UND BAUMLE MIT DE BEENE!“

 

 

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