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Mouna, das yogische Schweigen
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Yoga-Übung: Mouna, das spirituelle Schweigen

Von Katharina Goßmann

Seien wir mal ehrlich: Das meiste, was wir so im Laufe eines Tages von uns geben, ist für unsere Umwelt weder notwendig noch nützlich - und könnte gut und gerne ungesagt bleiben. Ja, bei vielem wäre es sogar richtig schön, wenn es ungesagt bliebe. Denn Klatsch, Tratsch und Gerüchte, das Nacherzählen der (furchtbaren) Vergangenheit, die Äußerung von Befürchtungen und Sorgen verbreiten nicht nur negative Energie und machen schlechte Laune, sondern verfestigen auch schädliche Muster und Gewohnheiten, Vorurteile und Klischees und manifestieren so manches, was wir eigentlich gerne los wären. Wenn du also dein Leben frei und mit offenem Herzen verbringen willst, probiere doch einfach mal Mouna aus – und finde heraus, ob Schweigen auch für dich Gold ist.

Was ist Mouna?

In unserer modernen Gesellschaft kommunizieren viele Menschen quasi ohne Unterbrechung. Sei es, dass sie auf Facebook kommentieren, telefonieren, oder sich zwischen Meeting. Lunch Date und Abendverabredung nie wirklich eine kommunikative Pause ergibt. Das sprituelle Schweigen Mouna (aus dem Sanskrit, gesprochen Mauna) ist deshalb gerade in der heutigen Zeit eine sehr hilfreiche Übung und ein echtes Geschenk für alle, die sich nach innerer Ruhe und Klarkeit sehnen. 

Wie du das spirituelle Schweigen ausführst: Anleitung zu Mouna

Wann und wie lange? Traditionell wird Mouna entweder täglich für ein oder zwei Stunden praktiziert, wahlweise ein Mal pro Woche für mehrere Stunden. Wenn das für dich nicht praktikabel ist, kannst du auch ein Mal pro Monat einen Schweigetag einlegen, oder - wenn du mutig genug bist und einen schnellen, deutlichen Effekt sehen willst - ein Mal im Jahr auf ein längeres Schweige-Retreat gehen.

Wie? Optimal ist, wenn du während des Schweigens meditierst oder spirituelle Schriften liest. Du kannst auch Home Yoga praktizieren, ein Spaziergang oder achtsames Abspülen zählen aber auch. Wichtig ist nur, dass du dich nicht vom Schweigen ablenkst, sondern bewusst schweigst, bewusst alleine bist mit deinem Inneren. Du solltest also durchgängig präsent im Hier und Jetzt sein, wenn du etwa abspülst oder Hausarbeit machst während des Mouna - und nicht innerlich To Do-Listen schreiben oder über hartnäckige Kalkflecken schimpfen.

Diese Meditation für innere Stille von Nina Heitmann ist perfekt geeignet für deinen Einstieg in Mouna:

Alternativen:

  • Menschen, die gerne und viel reden und denen totales Schweigen sehr schwer fällt, wird empfohlen, stattdessen ihre Worte sehr bewusst und achtsam zu wählen. Auch das gilt dann als Mouna.
  • Wenn du dagegen sowieso ein sehr schweigsamer Mensch bist, wird dir Mouna sehr leicht fallen und deshalb kaum einen Effekt haben - übe dich lieber in Karma Yoga oder Bhakti Yoga

Achtung! 
Mouna kann, wenn es länger praktiziert wird, eine sehr psychoaktive Übung sein. Es kann zu anstrengenden, aber heilsamen Prozessen führen, und so ausgesprochen hilfreich für deine innerre Entwicklung sein. Wenn du aber psychische Probleme hast, musst du unbedingt vorher mit deinem Therapeuten abklären, ob Mouna für dich eine sinnvolle Übung ist.

Die schwierigste Yoga-Übung: Klappe zu

Während meiner Yogalehrer-Ausbildung mussten wir zwei Schweigetage absolvieren: Kein Wort sollte über unsere Lippen kommen, absolut Notwendiges wurde per Zettel-Notiz kommuniziert. Es stellte sich schon vormittags heraus, dass diese zwei Tage für mich der schwierigste Teil der Ausbildung werden würden. Denn während wir meditierten und Vorträgen lauschten, ging es in meinem Kopf rund (bzw. noch viel runder als sonst). Alles, was ich während der vergangenen Wochen erlebt und gefühlt hatte, schien sich in mir aufzubauen und wollte raus – und zwar in Form von vielen, vielen Worten. Immer tiefer verstrickte ich mich in Gedanken und Gefühlen, formulierte innerlich Briefe an Ex-Freunde, schrieb ellenlange To-Erzähl-Listen, hatte gefühlt eine Erleuchtung nach der nächsten – und konnte nichts davon nach außen abgeben! Gegen Mittag hatte ich das Gefühl, ich würde platzen. Und schrieb in meiner Verzweiflung meinem armen Mann eine sehr lange E-Mail – mit all dem Zeug, das mir im Kopf herumschwirrte und das ich loswerden wollte.


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Danach fühlte ich mich nicht – wie erhofft – erleichtert, sondern hätte am liebsten gleich eine zweite E-Mail mit weiteren Gedanken geschickt. Mit etwas Abstand erkannte ich, dass ich – anstatt die Herausforderung anzunehmen, mit den Gedanken in meinem Kopf umzugehen, die Konfrontation mit den aufkeimenden Gefühlen auszuhalten und mich in Kontrolle meiner inneren Vorgänge zu üben – schlicht den „Müll” in meinem Kopf meinem Mann vor die Füße gekippt hatte. Nicht sehr nett und so gar nicht Sinn und Zweck der Übung.

Die Wirkung des Schweigens: Mehr Klarheit, Kontrolle, Energie

Mouna hat, wenn es ordentlich ausgeführt wird, eine außerordentliche Wirkung. In unserer dicht besiedelten, globalisierten und digitalisierten Welt ist das Nicht-Kommunizieren zur absoluten Ausnahme geworden. Die Kraft der Schweige-Übung hat sich dadurch potenziert – wie die folgende Auflistung zeigt.

1. Mehr Klarheit: Du lernst dich kennen

Durch Mouna lernst du unendlich viel über dich. Wenn du es schaffst, schweigend mit dir und deinen Gedanken und Gefühlen allein zu bleiben, kommst du gar nicht umhin, dir beim Denken und Fühlen „zuzusehen”. Denn wenn du dich mit deinen inneren Vorgängen identifizierst, wirst du schnell durchdrehen (s. o.). Wenn du aber als distanzierter Beobachter wertfrei wahrnimmst, welche Gedanken sich immer wieder aufdrängen, wie dein Geist von einem zum anderen Thema springt, welche Gedanken besonders hartnäckig sind oder besonders intensive Gefühle auslösen, wirst du einen wertvollen Einblick in deine inneren Mechanismen bekommen.

2. Mehr Kontrolle über das Innen – und das Außen

Wenn du konsequent Mouna übst, wirst du aber nicht nur deine Gedanken kennenlernen, sondern auch schnell geschickter darin werden, deine inneren Vorgänge zu kontrollieren. Du wirst nicht jeden aufkeimenden Gedanken, jedes Gefühl einordnen, bewerten, interpretieren und dann fortführen müssen. Sondern stattdessen das, was hochkommt, einfach wahrnehmen, aushalten, annehmen können.

Und vor allem wirst du auch bei sehr wichtig erscheinenden Gedanken, bei intensiven Gefühlen nicht zwanghaft mit Worten oder Handlungen reagieren müssen. Dadurch wird es dir im Alltag besser gelingen, dich in jeder Situation so zu verhalten, wie du das wirklich willst und gut findest – anstatt reflexartig in alte Muster und Gewohnheiten zurückzufallen.

Zu dieser Kontrolle gehört im Übrigen auch der Umgang mit digitalen Medien: Die dauerhafte Verfügbarkeit digitaler Kontakte macht es uns Menschen sehr schwierig, uns zu entziehen. Schließlich lieben wir jede Form von Verbindung und Austausch. Durch Mouna haben wir auch die Chance, unsere digitale Kommunikation zu überprüfen - etwa wie abhängig wir von ihr sind, wie sie den unsere Beziehungen, unseren Alltag beeinflusst – und können dann mit unserer neu erworbenen Kontrollfähigkeit einen anderen, wohltuenderen Umgang mit Facebook und Co. entwickeln. 

3. Good-bye, Small Talk: Mouna setzt Energie frei

Wenn du regelmäßig oder länger schweigst, wirst du merken, dass du viel mehr Energie hast. Alleine der Verzicht auf Klatsch und der digitale Detox setzen jede Menge positiver Energie frei. Zudem wirkt Mouna sehr beruhigend auf Gehirn und Nerven.  schließlich ist es eine Pause von der zerstreuenden Dauer-Kommunikation der modernen Welt und hilft dir so, deine Energie besser zusammenzuhalten, zu fokussieren.

Swami Sivananda empfiehlt übrigens dringend, beim Essen zu schweigen, und hat dabei die modernen Ernährungswissenschaftler auf seiner Seite. Denn wer langsam isst und achtsam kaut ermöglicht dem Körper einen optimalen Verdauungsvorgang - und spart so wiederum viel Energie.

4. Und schließlich: Transformation durch Schweigen

Wenn du deine inneren Mechanismen besser steuern kannst und deine Reaktionen darauf bewusst gestaltest, hilft dir das nicht nur dabei das Rauchen aufzugeben oder endlich täglich Yoga zu üben. Tatsächlich kann Mouna dein Leben von Grund auf transformieren. Denn wenn du dich plötzlich in einem akuten Konflikt oder in einer alten, festgefahrenen Beziehung nicht mehr so wie immer verhältst, entkommst du vielleicht einem Teufelskreis, der dich seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten gefangen hält. Und gibst so deinem gesamten Leben wertvolle neue Impulse. 

Es kann auch sein, dass Mouna deine Sicht auf deine Mitmenschen und die Welt komplett verändert: Wenn du wirklich verstehst, dass deine Gedanken und Gefühle nur eine momentane, aus deinen Erfahrungen erwachsene Interpretation der aktuellen Situation sind – nicht mehr und nicht weniger – und es entsprechend etliche völlig andere Interpretationen der Situation gibt, hast du die Chance mit vergangenen und aktuellen Ereignissen in deinem Leben und der Welt Frieden zu schließen.

Mouna – Meditation für Dummies

Viele der Wirkungen von Mouna ähneln denen der Meditation. Meditieren fällt allerdings vielen Menschen ziemlich schwer. Täglich eine Stunde oder mehr zu meditieren kommt für die meisten von uns eher nicht infrage. Insofern ist Mouna im Vergleich zur Meditation fast ebenso effektiv, aber deutlich besser für Anfänger geeignet - und sei es auch nur deswegen, weil einem nicht die Beine einschlafen...

Trotzdem ist es sinnvoll und empfehlenswert, wenn du dich während des Schweigens parallel in der Meditation übst. Sie erleichtert dir tiefes Schweigen und schärft deine Willenskraft und innere Kontrolle. Wenn du Meditations-Anfänger bist und Orientierung suchst, empfehlen wir dir das zehntägige Anna Trökes Basis-Meditationsprogramm.  

Oder probiere diese Meditation von Anna Trökes aus, die perfekt für die tägliche Meditation geeignet ist:

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