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Yoga ist kein Wettbewerb: Hör auf zu vergleichen
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Yoga ist kein Wettbewerb: Hör auf zu vergleichen

Von Katharina Goßmann

In Yogastudios gibt es keine Spiegel. Warum? Weil eine der wichtigsten Regeln beim Yoga lautet, sich nicht zu vergleichen. Darauf weisen Yogalehrer immer wieder gerne hin. „Bleib bei dir auf der Matte”, heißt es dann. Oder: „Was dein Matten-Nachbar macht, ist egal.”

Aber was ist denn so schlimm am Vergleichen? Über Ego, Konkurrenz und deine wahre Bestimmung – und warum du beim Vergleichen immer verlierst (auch wenn du eine Asana besser beherrscht als dein Nachbar).

Yoga verbindet – Vergleiche trennen

Yoga ist eigentlich dazu da, dich in Verbindung zu bringen – mit deinem Körper, deinem Geist, deinen Mitmenschen, der Natur. Wenn du vergleichst, entfernst du dich aber von allem.

Denn wenn du eine Asana „besser” machen möchtest als dein Nachbar, achtest du weder auf die Bedürfnisse und Grenzen deines Körpers, noch auf das, was du gerade willst und brauchst. Stattdessen legst du neutrale Kriterien an – die sich irgendwer mal ausgedacht hat. Dabei ergeben neutrale Kriterien in den meisten Situationen des Lebens gar keinen Sinn: Jeder Mensch hat, körperlich und psychisch, unterschiedliche Ausgangslagen. Wenn jemand lange Beine und kurze Arm hat, kommt er etwa deutlich schwerer bei der Vorbeuge an seine Füße als jemand, der kurze Beine und lange Arme hat. Heißt das, dass er besser ist? Eben.

Wer vergleicht, verliert – und zwar immer

Aber Konkurrenz belebt doch das Geschäft, wirfst du jetzt ein, sie motiviert und spornt zu Höchstleistungen an – ja, sie ermöglicht überhaupt erst unsere ach so produktive Gesellschaft!

Richtig ist: Unser gesamtes Schul- und Leistungssystem, ja, sogar etliche Freizeitaktivitäten, arbeiten mit Vergleichen. Wer mehr Aufgaben löst, mehr Verträge abschließt, mehr Tore schießt, ist der „Gewinner”.

Aber vielleicht sollten wir uns fragen, ob wir diesen „Gewinn” auch wirklich haben möchten. Denn ein Leben als produktives Mitglied der Leistungsgesellschaft bedeutet in der heutigen Zeit nicht selten chronische Erschöpfung, Rückenschmerzen, Beziehungsprobleme, im schlimmsten Falle Herzinfarkt, Krebs und Depression. Denn wer ständig den eigenen Körper, seine psychischen und seelischen Bedürfnisse ignoriert, um „besser” zu sein als die anderen, der tut nichts und niemandem etwas Gutes. Und wenn du beim Yoga versuchst, deine Muskeln, Bänder, Gelenke in Positionen zu zwingen, für die dein Körper nicht bereit ist, magst du kurzfristig ein Erfolgserlebnis haben – eigentlich fütterst du aber nur dein Ego und erhöhst dein Verletzungsrisiko.

Wer dagegen bei sich bleibt, das tut, was er gut kann und ihm Freude bereitet, auf sich achtet, glücklich und gesund ist, durch seine gute Laune und positive Ausstrahlung seine Umgebung jeden Tag bereichert – der ist ein wirklicher Gewinn für diese Welt.


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Zudem degradierst du durch Vergleiche auf der Matte deinen Mit-Yogi zum Konkurrenten, gegen den du dadurch in einem (völlig überflüssigen) Wettbewerb antrittst. Egal, wie viele Herzöffner du übst: Dein Herz wird sich durchs Vergleichen deinen Mitmenschen gegenüber verschließen. Und wenn du auch im Rest deines Lebens grundsätzlich dein Gegenüber als Konkurrenz wahrnimmst, wird das irgendwann dazu führen, dass du dich von allen Menschen entfremdest. 

Die Antwort liegt in dir – nicht im Spiegel oder beim Nachbarn

Der amerikanische Power-Yoga-Lehrer Bryan Kest weigert sich, in seinen Yogastunden exakte Anweisungen etwa zur Fußstellung oder zur Haltung der Finger zu geben. Weil er seine Schüler zur Selbstverantwortung ermuntern möchte: Probier es aus!, rät er. Spüre in dich hinein, wie sich verschiedene Variationen einer Haltung anfühlen, und entscheide dann, welche dir (heute) am wohlsten tut. Niemand, warnt er, kann dir sagen, was für dich die richtige ist – außer dir.

Praktisch gesehen beugt diese Methode beim Yoga Verletzungen und chronischen Fehlhaltungen vor. Sie hilft dir dabei, eine wirklich passende Yogapraxis zu entwickeln, von der du langfristig optimal profitieren wirst. Denn auch der beste, umfassendst ausgebildete Yogalehrer kann nicht in dich hineinsehen. Dieses Hinterfragen von Anweisungen schützt dich aber auch davor, Gurus jeder Art blind zu folgen und Ideen und Konzepte zu übernehmen, ohne zu überprüfen, ob sie für dich stimmig sind und zu dir passen.

Gleichzeitig vermittelt Bryan Kest so ein sehr wichtiges Konzept, das weit über die Yogamatte hinaus geht: Niemand außer dir kann entscheiden, wie du dein Leben leben sollst. Egal, was deine Eltern, dein Partner und deine Freunde wollen oder was in Karriereplanern empfohlen wird – du musst entscheiden, ob ein bestimmter Job der richtige für dich ist, wie viel du arbeiten willst, ob du heiraten, Kinder bekommen möchtest, oder wie du deine Kinder erziehen willst. Nur du weißt, wohin du wirklich gehörst, wofür du bestimmt bist. 

Aber eben nur, wenn du aufhörst, dich zu vergleichen. Denn sobald du vergleichst, passiert mit großer Wahrscheinlichkeit folgendes: „Hm, alle sind eben in das volle Kamel gegangen – nur ich nicht. Ich sollte doch vielleicht auch das volle Kamel versuchen, nicht wahr?!?” Und schon zwingst du dich gegen dein Gefühl ins Kamel – und verbringst die folgende Woche mit Schmerzen im unteren Rücken... Nicht so sinnvoll. 

Falls du üben möchtest, bei dir zu bleiben – hier das Tutorial von Wanda Badwal für Ustrasana, das Kamel:

Yoga Video Tutorial: Rückbeuge Kamel (Ustrasana)YogaEasy-Video abspielen

Vergleiche sind oberflächlich (im wahrsten Sinne des Wortes)

Bryan Kest sagt übrigens auch, dass es nicht wichtig ist, wie es aussieht, sondern nur, wie es sich anfühlt. Ein besonders wichtiger Punkt in der heutigen Zeit, in der oftmals der ästhetische Gesamteindruck einer Social-Media-Präsenz mit der tatsächlichen Lebensqualität des Betreibers verwechselt wird. Denn dass die schlanke Dame im modernen Yoga-Outfit, die sich mit Leichtigkeit in den Handstand hebt, glücklicher ist als der leicht dickliche Herr in der ausgeleiherten Jogginghose, der schon beim zweiten Sonnengruß wie eine Dampflok schnaubt, ist – genau betrachtet – eine ziemlich haltlose Theorie.

Daraus folgt noch ein weiteres Argument gegen Vergleiche: Denn wer nicht vergleicht, kann auch nicht urteilen. Wenn ich mich nur darauf konzentriere, mich, den Moment, meine Gegenüber zu spüren und wahrzunehmen, bleibt kaum Aufmerksamkeit und Energie mehr fürs Vergleichen übrig. Dadurch erspare ich mir nicht nur die Nachteile des Vergleichens, sondern auch die des Bewertens. Zwei (ekelhafte, dicke) Fliegen mit einer Klappe!

Irgendwer ist immer besser

Vergleichen ist eigentlich nur dann eine gute Idee, wenn du unglücklich sein möchtest. Denn (Achtung, hier kommt eine schreckliche Wahrheit): Irgendwer wird immer „besser” sein als du – und zwar egal, was du tust und wie sehr du dich anstrengst. Ja, vielleicht bist du hyperflexibel und wirst deshalb kurzfristig in deinem Anfänger-Yogakurs von allen beneidet, die es kaum in den Schneidersitz schaffen. Aber nach diesem kurzen Ego-High wird es schon im nächsten Kurs drei hyperflexible Damen geben, eine davon hat monatelang im Ashram gelebt… Und du wirst eben nicht mehr der Star der Truppe sein.

Da ist es doch viel klüger, du lässt das mit den Vergleichen gleich sein – und tust das, was dir jeder gute Yogalehrer rät: Bleibe bei dir. Spüre in dich rein. Und dann tu das, was dir guttut. 

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