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Yoga in Afrika: Der Beginn eines Traums
Bildquelle: Nicole Kleinfeldt

Yoga in Afrika: Der Beginn eines Traums

Von Pamela Menzell

Auf die Frage, warum ich Yoga in Afrika anbiete, gibt es sicherlich nur wenige rationale Antworten. Zumindest kaum eine, die plausibel genug wäre, um die fragenden Gemüter dieser Welt zu besänftigen. Vielleicht braucht es das auch nicht. Am Ende entscheidet ein Gefühl, wo man landet. Und dieses war bei mir so stark, so groß, so klar - ein lautes „Ja, hier will ich sein“, als ich im Dezember 2013 zum ersten Mal nach Westafrika flog. Ich war gerade erst in Gambia gelandet, stieg nach rund 6 Stunden ein wenig erschöpft aus dem Flugzeug. Es waren noch wenige Meter, die mich von meinem ersten Schritt auf gambischen Boden trennten. Ich hielt einen Moment lang inne, sog die köstliche Luft ein, die mich umgab. Gerade im Dezember, zwei, drei Monate nach der Regenzeit ist das Land herrlich frisch und grün und alle Kräuter duften. Ein feiner Hauch von Zitrone, gemischt mit etwas Salbei und Minze. Da lag etwas in der Luft. „Das ist es!“, schoss es mir durch den Kopf. Und ich wusste sofort, ich bin nun endlich angekommen. An jenem Ort, den ich schon so lange gesucht hatte, um meinen Traum zu verwirklichen.

Eine Reise, die zum Schlüsselmoment wurde

Ich war schon immer ein Freund von Reisen, ein kleiner Unruhegeist, der kaum eine Gelegenheit auslassen wollte, diese facettenreiche Welt zu entdecken. Und so führten mich meine ersten Reisen auf den afrikanischen Kontinent in den späten 70ern zunächst nach Marokko und Tunesien. Ich genoss die Zeit dort, die farbenprächtigen Märkte, das Land und die vielen  Begegnungen mit Menschen. Doch dabei blieb es zunächst. Zehn Jahre später folgte eine weitere Reise nach Kenia – ein Schlüsselmoment, der mich schließlich mit der ewigen Sehnsucht nach diesem Kontinent infizierte. Von da an nahm alles seinen Lauf. Inzwischen habe ich mehrmals Ghana und Senegal in Westafrika bereist und 2012 vier Monate lang in Namibia in Südafrika gelebt - immer auf der Suche nach dem perfekten Stückchen Erde, auf dem ich mich niederlassen könnte.

Am Rande der atlantischen Küste

Die eigenen Leidenschaften verbinden, am richtigen Ort sein und Wissen weitergeben – das war mein Wunsch. Ich praktiziere seit 17 Jahren Yoga, seit acht Jahren lehre ich selbst. In meiner Entwicklung als Yogalehrerin sehnte ich mich immer mehr nach offeneren Strukturen und sann darüber nach, wie ich Yoga mit meinem Traum von einem Leben in Afrika in Verbindung bringen könnte. Die Schnittstelle meiner Leidenschaften lag auf der Hand: Unkonventionelles, freies Yoga an einem von Kommerz und Dogma unberührten Ort. Meine unabhängig organisierten Retreats finden heute an einem einmaligen Standort in Tujereng im Westen von Gambia statt. In unmittelbarer Nähe zur atlantischen Küste kann ich dort meine ganz eigene Vision von Yoga mit allen Menschen teilen, die sich Rückzug wünschen und auf der Suche nach einer Quelle neuer Energie sind.

Wer einmal hier war, wird die Vorzüge des Landes zu schätzen wissen: Gambia hat eine malerische, 60 Kilometer lange Küste. Auch heute noch lassen sich hier einsame Strände entdecken, an denen man sich den feinen Sand und das kühle Nass mit keinem außer gelegentlich vorbeiziehenden Kühen oder schläfrigen Hunden teilt. Die Hauptsaison ist von Oktober bis März. In dieser Zeit ist Sonne garantiert, trotzdem bleiben die Nächte angenehm kühl. Ab Mai fängt zudem die Mangosaison an und es gibt vollreife Früchte im Überfluss – direkt vom Baum gepflückt, schmecken sie am besten. Papaya wächst das ganze Jahr, beides auch bei uns im Santa Yalla Yoga Retreat. Wer noch vor Dezember kommt, kann das Land saftig grün erleben, mit duftenden Kräutern und blühenden Bäumen. In der Regenzeit von Juni bis September fordert das Klima seinen Tribut, es ist oft sehr drückend heiß und auch die Nächte kühlen nicht ab. Und doch hat diese Zeit ihren ganz eigenen Reiz: Es herrscht eine besondere Stimmung im Land, alles scheint etwas entschleunigter zu sein. Die Tage kommen wie sie gehen, mit einer ungewohnten Leichtigkeit nehmen die Einwohner die herausfordernde Zeit ihres Landes an. Annehmen, was ist.

Santa Yalla – Gott sei Dank

Als ich mit meinem Plan, ein Yoga Retreat in Gambia aufzubauen, „schwanger ging“, wurde mir schnell klar, dass ich ohne einen Partner nicht auskommen würde. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass uns Menschen mehr eint als uns trennt. Einer davon war Pa Nfamara Kolley, den ich bereits im Dezember 2013 kennenlernte. Ich war beeindruckt von seinen Englischkenntnissen und seiner Fähigkeit, am Strand einen Garten anzulegen. Wir kamen ins Gespräch, der Rest ist der Anfang einer Geschichte, die fortan ihren Lauf nahm. Wir stellten schnell fest, dass wir sehr ähnliche Ideen hatten und bereicherten uns gegenseitig. Wir wurden zu einem Dream-Team und sind mittlerweile auch in Liebe miteinander verbunden. 2014 haben wir geheiratet. Es zogen noch einige Monate ins Land, bis wir schließlich den richtigen Ort für unser Projekt gefunden hatten. Im Mai 2015 wurden wir schließlich fündig und kauften unser Stück Land, noch im Dezember des gleichen Jahres öffneten wir zum ersten Mal die Pforten. Ohne meinen Mann hätte ich es nicht geschafft, das Santa Yalla Yoga Retreat in so kurzer Zeit aufzubauen. Alles wurde ausschließlich mit gambischen Material und durch Handwerker aus der Nachbarschaft aufgebaut. Alle Gästehäuser und auch das Haupthaus sind Rundhütten mit Strohdach. Dadurch ist Santa Yalla, was übersetzt „Gott sei Dank“ bedeutet, selbst wie ein kleines Dorf. Durch den Standort in einer noch ländlichen Gemeinde, abseits vom Trubel, können unsere Gäste den Alltag in einer entspannten, familiären Dorfgemeinschaft erleben – anders als in abgeschotteten Hotels, die nur wenig Einblick in die Kultur eines Landes gewähren. Das Fischerdorf Tanje ist locker mit dem örtlichen Transport, dem sogenannten Gille Gille, zu erreichen. Einen der schönsten Strände erreicht man in gerade mal 15 Minuten Fußmarsch.

Freiheit, Liebe, Einigkeit - was unsere Gäste erwartet

Liebe ist das, was uns antreibt. Und genauso wie sie unsere gemeinsame Motivation war, dieses Retreat aufzubauen, möchten wir Menschen aus aller Welt einladen, an diesem besonderen Ort unser Gast zu sein. Während ihres Aufenthaltes stehe ich rund um die Uhr zur Verfügung. Getreu dem Credo „Glück muss man teilen, um es zu vermehren“ ist unsere Zeit geprägt von gemeinsamen Erlebnissen, wir machen Ausflüge, gehen zu Märkten und so zeige ich unseren Gästen ein Gambia, wie es mir mein Mann seinerseits gezeigt hat. Inzwischen kenne ich mich selbst so gut aus, dass ich weiß, wo man den besten Baobab-Saft bekommt, wo spezielle Märkte zu finden sind und welche HändlerInnen die jeweils besten Produkte anbieten. Wir sind sehr darum bemüht, wirtschaftlich ein Teil der Community zu sein, was bedeutet: Wir wollen keine Ressourcen abziehen, sondern in einer strukturschwachen Region möglichst gestreut investieren.

Was unsere Gäste bei uns im Santa Yalla Yoga Retreat hinter sich lassen können? Die überwältigende Flut an Information aus der industrialisierten Welt, die ständige Erreichbarkeit, das ständige Vergleichen in den sozialen Medien, die Fokussierung auf die vermeintlich „wichtigen“ Dinge und Ziele, die dennoch von der Wirklichkeit ablenken. Zehn Tage im Retreat sind so erholsam wie drei Wochen Urlaub. Mein tiefster Wunsch ist es, einen kleinen Samen in die Herzen unserer Gäste zu pflanzen, der die Neugierde auf diesen Kontinent weckt - mit all seinen Facetten, Schönheiten, aber auch Schwachstellen. Ich möchte Neugierde schüren, die zu einem größeren Verständnis führt. Und die Angst vor dem Unbekannten nimmt. Bei uns entsteht Raum für Yoga und eine Öffnung hin zum unmittelbaren Jetzt.

Alle Retreat-Termine (ab Januar 2018) und alle weiteren Informationen findest du auf santayalla-yogaretreat.com/journeys

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