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Vorsicht, „Knie, Brustbein und Kinn“!
Bildquelle: Istockphoto.com

Vorsicht, „Knie, Brustbein und Kinn“!

Von Kristin Rübesamen

Es hat angefangen damit, wie die Leute in „Knie, Brust, Kinn“ ihr Kinn nicht ablegen, sondern sich schnell durchmogeln in eine Art Kobra und von dort noch schneller zurück in den "Nach unten schauenden Hund". Aus „Knie, Brust, Kinn“, einer anerkannten und beliebten Variante zur schwierigeren Haltung „Chaturanga Dandasana“ ist dasselbe geworden, was Chaturanga ist: eine Mogelpackung. Aber zurück zum Anfang. Weshalb üben wir Sonnengrüße?

Gleicher Atem für alle

Wie auch immer in den verschiedenen Traditionen die Sonnengrüße geübt werden, die Absicht ist stets dieselbe: Wir wärmen den Körper auf, kombinieren Vor- und Rückbeugen, verbinden Himmel und Erde. Für manche, zum Beispiel mich, markiert die simple Sequenz die Nahtstelle, die Yoga und Glauben verbindet, eine Verbeugung von einer Macht, die größer ist, eine Übung in Dankbarkeit und Demut.
Wem das zu dick aufgetragen ist: wir können uns auch einfach darauf einigen, dass wir dabei die Wirbelsäule mobiliseren und Atem und Bewegung beginnen, zu synchronisieren. Was für Vinyasa Yoga generell gilt, spielt auch in den Sonnengrüßen eine entscheidende Rolle. Es geht darum, jeder Asana den selben Atem zukommen zu lassen. Jede Asana in Qualität und Länge gleich lange zu halten. Theoretisch, denn Chaturanga und Aufwärtsschauender Hund werden in der Praxis stiefmütterlich behandelt. Man hetzt durch wie durch eine Fußgängerunterführung.

Meiner Erfahrung nach ist die Gefahr im klassischen Ashtanga-Yoga kleiner, weil weniger Ablenkung da ist. Aber im Mainstream-Vinyasa-Yoga, wo viele Leute mit unterschiedlichem Level, Musik und unsicheren Lehrern üben, sinkt auch das Niveau einer anatomisch korrekten Anleitung. Ich bin sicher, das haben viele von uns Lehrern in den letzten Jahren mit Sorge beobachtet. Plötzlich gab es Verletzungen im Schultergelenk durch zu große Belastung der Rotatoren. Gott sei Dank spricht es sich herum, dass Chaturanga nur von Fortgeschrittenen geübt werden sollte, nur, wenn Beine, Bauch und Rumpf den Löwenanteil der Arbeit machen und die Arme im Push-up nicht tiefer als 90 Grad gebeugt werden. 

Achtung, Schultern

Gute Lehrer wissen um die Herausforderung von Chaturanga und bieten in Anfänger- und selbst Fortgeschrittenen-Klassen als Alternative für Chaturanga „Knie, Brust, Kinn“ an. Was wie ein McDonalds-Burger klingt, ist eine Asana, bei der idealerweise gleichzeitig Knie, das Brustbein und das Kinn den Boden berühren, während das Gesäß hoch in den Himmel ragt. Eigentlich eine tolle Idee, diese Alternative, weil die Wirbelsäule richtig schön gestaucht und kurvig gemacht wird, und sich danach umso lieber wieder aufrichten möchte, aber: Aber, je mehr ich mich umschaue, sehe ich dieselbe Routine, die schon Chaturanga dominiert. Die Schultern rutschen nach vorne Richtung Ohren, die Rotatoren müssen das Gewicht des ganzen Oberkörpers stemmen, während sie drehen, um die Brust nach oben und vorne zu bringen. Wer hier noch versucht, zu lauter Musik Schritt zu halten und verständlicherweise Atem und Körperzentrum vergisst, der kann eigentlich die Uhr stellen, bis die Gelenke im Schultergürtel ebenfalls protestieren.

Autsch, mein Rücken

Der untere Rücken ist nach den Schultern die zweite Region, die unter „Knie, Brust, Kinn“ leidet. Die starke Rückbeuge in der Lendenwirbelsäule macht Spass, solange der Bauch die Rückenmuskulatur genügend stützt und der Rücken kerngesund ist. Ist der Rücken auch nur das kleinste bisschen angeschlagen, kann so eine hingeschlampte Rückbeuge das Gefühl von Enge, das wir mit den Sonnengrüßen vertreiben wollen, stattdessen manifestieren.

Alternative für die Alternative

Ich fürchte, dass Knie, Brust, Kinn, so wie es geübt wird, keine sinnvolle Alternative ist für Yogis, die in großen unübersichtlichen Gruppen üben. Unter Umständen genügt schon eine Einzelstunde mit einem guten Lehrer, der auf die Risiken aufmerksam macht, und deine Sonnengrüße sind gerettet.

    •    wir könnten dazu übergehen, um den geliebten Flow nicht aufzugeben, nur die Knie abzulegen und sich von dort sehr langsam ganz zum Boden gleiten zu lassen, von dort in eine sehr flache Kobra und zurück
    •    oder sich ebenfalls mit den Knien am Boden bewusst nach unten in den halben Stütz mit Chaturanga-Armen sinken zu lassen, dann die Knie wieder zu heben, die Kobra ganz auszulassen und direkt zurück in den Hund
    •    ober aber wir machen einfach zu Beginn der Stunde eine kleine Workshopeinheit zum Thema "Knie,Brust, Kinn", und zwar in allen Stunden, bis auch der letzte versteht, worauf man achten muss.


Und jetzt Ihr bitte!

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